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Mit dem Fairtrade-Siegel konnte sich die Mehrheit im Gemeinderat Grünwald nicht anfreunden.

Trotz des Lobs von Stiftung Warentest

“Halbseidene Sache“: Grünwald will keine Fair-Trade-Gemeinde werden

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Dass der Bürgermeister keinen Kaffee mag, ist ein Anlass, weshalb Grünwald keine Fair-Trade-Gemeinde wird. Das Siegel lehnen die Räte aber noch aus anderen Gründen ab.

Grünwald – Der Landkreis München ist seit Neuestem Fair-Trade-geprüft und darf sich mit dieser Auszeichnung schmücken. Grünwald soll da mitziehen fand die Grünen-Fraktion und reichte einen entsprechenden Antrag im Gemeinderat ein. Der fiel prompt durch. Der Grund unter anderem: Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU) trinkt keinen Kaffee, weder aus der Kanne, noch aus dem Automaten. Und schenkt auch keinen aus. Das wissen die Gemeinderäte, auch wenn Neusiedl an jenem Abend wegen Krankheit nicht die Sitzung leitete. Im Rat und den Ausschüssen gibt es Wasser und Saft. Doch die Abnahme von Fair-Trade-Bohnenkaffee ist Voraussetzung für den Titel Fair-Trade-Gemeinde. Das war in der Vorlage der Gemeindeverwaltung zu lesen.

Die Träger des entsprechenden Siegels (darunter im Landkreis Neubiberg, Gräfelfing, Unterschleißheim und Pullach) müssen weitere Kriterien erfüllen: Eine Steuerungsgruppe ist Pflicht, bestehend aus mindestens drei Personen der Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft. Sie koordiniert die Fair-Trade-Aktivitäten der Gemeinde und sorgt dafür, dass die Anforderungen dauerhaft eingehalten werden. Denn das Siegel gilt nur für einen begrenzten Zeitraum.

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Auch die Geschäfte wären gefragt

Interessant auch, dass Fair-Trade-Gemeinde nur werden kann, wer in lokalen Geschäften und bei Floristen sowie in Restaurants und Cafés mindestens zwei Produkte aus fairem Handel vorweisen kann. In Grünwald wären es, aufgrund der Einwohnerzahl, mindestens vier Geschäfte und zwei Gastronomiebetriebe, die dem Ruf der Steuerungsgruppe folgen müssten – wenn es nicht ohnehin bereits welche gäbe. Weit über die Gemeindegrenze hinaus bekannt dafür ist in Grünwald zum Beispiel der Alte Wirt.

An der Aktion müssen zwingend auch Schulen, Vereine und Kirchengemeinden aktiv teilnehmen mit Informations- und Bildungsaktivitäten. Auch auf die lokale Presse kommt eine gestalterische Rolle zu: Sie soll über das Engagement berichten.

Doch im Gemeinderat kam Kritik auf: Der Begriff Fairtrade sei nicht geschützt. Jede Organisation könne sich ihre eigenen Kriterien überlegen und unter einem Siegel vermarkten. Oftmals komme auch nur ein geringer Teil des höheren Preises bei den Kleinbauern an, so die Verwaltung.

Grund genug für die CSU-Fraktion, um dem Vorstoß eine Absage zu erteilen. Gerhard Sedlmaier befand: „Man schießt über das Ziel hinaus. Wenn ich das schon lese: Steuerungsgruppe.“ Besser solle die Gemeinde damit beginnen, „unsere Handwerker in der Region zu beauftragen“. Sein Fraktionskollege Alexander Steininger sah in der Initiative eine Bevormundung der Bürger.

Testurteil: Hohe Aussagekraft

Die Grünen-Gemeinderätinnen waren über die Behandlung des Themas eher verärgert statt glücklich und wurden darin auch von Edith Wassermann von der SPD unterstützt. Susanne Kruse kritisierte die Verwaltung: „Fairtrade wird hier runtergemacht. Ich hätte mir eine ausgewogenere, nicht so einseitige Aufbereitung gewünscht.“ Ingrid Reinhart-Maier setzte nach: Stiftung Warentest als Prüfer sei vertrauenswürdig und habe Fairtrade als Label mit hoher Aussagekraft beschrieben. Die Rätin hob hervor, dass es den Einsatz gegen Kinderarbeit unterstütze, die Sorge um eine ordentliche Produktion, die Beteiligung der Kleinbauern am Erlös und die Gründung von Genossenschaften. Diese erzielten bessere Handelsbedingungen im Kräftemessen mit internationalen Unternehmen. Kleinbauern statt Nestlé, so Reinhart-Maier. Die Gemeinde könne mit dem Siegel dafür mehr Bewusstsein schaffen.

Ein CSU-Gemeinderat hat Negatives gehört

Thomas Lindbüchl (CSU) behauptete: „Es gibt zu viele schwarze Schafe bei Fairtrade.“ Das habe ihm schließlich ein Brauer mitgeteilt und ihn gewarnt: „Lass bloß die Finger davon, der Kleinbauer sieht am Ende nichts.“

Für seinen Tischnachbarn Wolfgang Kuny (CSU) lautete das Fazit des Abends, Fairtrade sei eine„halbseidene Sache“. Obwohl er sich beim Einkaufen dafür entschieden habe, werde er nun genauer hinschauen. Stephan Weidenbach (CSU) plädierte dafür, dass man fairen Handel den Firmen überlassen sollte. Das sei faire Arbeitsteilung.

Zum Thema: Kaffee ist so billig wie selten

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