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Für die Burg Grünwald interessierte sich SS-Reichsführer Heinrich Himmler. 

Gemeinde arbeitet Geschichte des Nationalsozialismus auf

Heinrich Himmler wollte die Grünwalder Burg kaufen

  • Marc Schreib
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Mit Historikerin Susanne Meinl (55) hat die Gemeinde Grünwald eine Kapazität zur Aufarbeitung der Geschichte des Nationalsozialismus vor Ort gewonnen. Im Gemeinderat gab sie jetzt einen Einblick in ihre Arbeit und hat Überraschendes herausgefunden. 

Grünwald –   Seit ihrer Studienzeit beschäftigt sich Susanne Meinl unter anderem mit Pullach in der Nazizeit und danach. In ihrem neuesten Projekt erforscht sie dort die Schicksale von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen. Nun vertieft sie sich auch in die geschichtlichen Besonderheiten der Nachbargemeinde.

Die Quellenlage ist schlecht

Die Überraschung im Rathaus war groß, wie viel sie in ihrem Zwischenstandsbericht zutage förderte. Zunächst einmal: Die Quellenlage für die Zeit von 1933 bis 1945 ist auf allen Ebenen schlecht, wie die Recherche ergab. Eine geschlossene Überlieferung der NSDAP-Ortsgruppe sowie der Kreisleitung könne als vernichtet gelten, ebenso wesentliche Teile der Gestapo-Akten. Auch die bisherigen Ergebnisse aus dem Bundesarchiv in Berlin offenbaren große Lücken. „Im Gemeindearchiv Grünwald sind noch in den 1950er Jahren wichtige Quellen ausgesondert und eingestampft worden“, präzisierte Susanne Meinl.

Antisemitismus und Denunziation war Alltag in Grünwald

Trotzdem ging sie der Frage nach, wie sich die Isartalgemeinde verhielt, was ihre Spezifika sind. Ihre erste Fragestellung beschäftigt sich damit, wie sich der Nationalsozialismus in Grünwald gesellschaftlich entwickelte und wer die Entscheidungsträger waren. Wie stand es um Antisemitismus und Denunziation? Wie die Untersuchung zeigt, war beides „ein für Grünwald leider sehr alltägliches Phänomen bis in die letzten Kriegstage“.

Stille Helden

Historikerin Susanne Meinl im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen.

Hervorheben möchte sie die stillen Helden, Frauen wie Männer, die in Gesten und Unterstützungsleistungen gegen die Vorgaben des Regimes handelten. Susanne Meinl hat eine Datenbank mit Mitgliedern der NSDAP angelegt, der Wehrmacht und der Waffen-SS – darunter Multiplikatoren wie Schauspieler, Künstler und Gelehrte sowie Architekten. 

Auch die Besitzverhältnisse nimmt die 55-Jährige ins Visier und prüft die Eigentumsverhältnisse. Dabei geht es um Rückerstattungen. Wer hätte gedacht, dass sich hier beispielsweise ein Heinz Rühmann fand, der als Zweit- oder Drittkäufer ein arisiertes Grundstück vermutlich ohne Wissen um die Vorbesitzer besaß? Meinl nimmt sensible Akten zur Hand, die teilweise den Bereich der Verfolgung erfassen. Diese können momentan nur stichprobenartig geprüft werden – wegen einer fast vollständigen Sperrung durch Schutzfristen. Bekannt ist das grausame Schicksal der Geschwister Hirsch, die aus ihrem Besitz in Grünwald gedrängt werden sollten und versuchten, Suizid zu begehen. Eine der Schwestern starb, die anderen beiden wurden nach den Worten Susanne Meinls gerettet, um dann im April 1942 nach Piaski deportiert zu werden, von wo sie nicht mehr zurückkehrten.

Kurz vor Kriegsende will Himmler die Burg erwerben

Eine Vorliebe für die Burg Grünwald hegte der Reichsführer SS, Heinrich Himmler, „der sich selbst als Reinkarnation Heinrichs des Löwen wähnte“. Kurz vor Kriegsende gab er die Weisung, dass die SS über kurz oder lang in den Besitz des Schlosses gelangen solle. Er schrieb im Februar 1944 an den Leiter des SS-Wirtschaftshauptamtes, Oswald Pohl: „Ich bitte Sie unter der Hand einmal für den Kauf dieses Schlosses zu sorgen. Ich möchte später irgendeine weltanschauliche Schule dorthin tun.“

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