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In der Traglufthalle Wörnbrunn wartet man seit Wochen auf deinen Hitzeschutz und funktionierende Duschen. 

Missstände in den Traglufthallen

Hygieneschock unterm Hallendach

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    Patricia Kania
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Landkreis - Verdreckte, kaputte Sanitäranlagen, kein Hitzeschutz und kein warmes Wasser: Helferkreise, Gemeinden und Flüchtlinge sind entsetzt über die „menschenunwürdigen Bedingungen“, die in manchen Traglufthallen im Landkreis herrschen. Die Schuld sehen viele beim Landratsamt und beim Traglufthallenanbieter „Paranet“.

Offiziell hat sich jetzt ein Flüchtling in einer E-Mail über die Missstände in der Neubiberger Traglufthalle beim Landratsamt und bei der Gemeinde beschwert. Auch Bürgermeister Günter Heyland (FW.N@U) liegt der Brief vor. Darin beschreibt der Flüchtling die Situation in der Halle: Toiletten und Duschen seien verdreckt und würden nicht funktionieren, Armaturen fielen ab und würden nicht ersetzt. Manchmal müssten die Bewohner tagelang warten, bis sie wieder duschen können. Die hygienischen Bedingungen seien unzumutbar. Und das schon seit Monaten. „Ich war schon sehr überrascht, als ich das gelesen habe“, sagt der Bürgermeister. „Vor allem, dass die Zustände schon so lange vorherrschen. Eigentlich gehe ich davon aus, dass es genug Ansprechpartner vor Ort gibt, an die man solche Missstände weitergeben kann.“

Putzplan unter den Flüchtlingen funktioniert nicht

Wenig überraschend ist das alles allerdings für die Helferkreise, die tagtäglich mit den Flüchtlingen Kontakt haben. Norbert Büker, Sprecher des Helferkreises Asyl in Neubiberg, ist das Hygiene-Problem bekannt. „Aber wir können da selbst nichts machen, dürfen uns auch nicht selbst von den Zuständen überzeugen. Der Sanitärbereich ist Privatsphäre“, erklärt Büker. Als Ansprechpartner vor Ort können sie die Mängel weitergeben an die Gemeinde oder an das Landratsamt. Mehr nicht. Das Landratsamt hat einen Reinigungsdienst beauftragt, der zweimal am Tag in den Hallen putzt. Anfangs hätte es laut Büker auch noch funktioniert, einen Reinigungsplan unter den Flüchtlingen zu organisieren. Weil aber eine ständige Fluktuation unter den Bewohnern herrscht und inzwischen nur noch Männer und keine Familien mehr in den Traglufthallen leben, würde das nicht mehr klappen. „Der Gemeinsinn fehlt.“

Kein Hitzeschutz in Wörnbrunner Halle

Und Büker weiß: „Neubiberg ist kein Einzelfall. In allen Traglufthallen des Landkreises gibt es dieses Problem.“ Und tatsächlich kommen vermehrt auch Klagen aus der Traglufthalle Wörnbrunn. Hier sind es nicht nur die verschmutzten Sanitärbereiche. Seit Wochen haben die Flüchtlinge kein warmes Wasser, manchmal funktionieren die Duschen gar nicht, bestätigt Ingrid Reinhart-Maier, Leiterin des Helferkreises in Grünwald. Ärzte, die die Flüchtlinge betreuen, hätten sich schon über die mangelnde Körperhygiene beklagt und auf die Gefahr von Krankheiten aufmerksam gemacht. Außerdem gibt es in der Halle weder ein Kühlaggregat noch eine Hitzeschutzfolie auf dem Dach. „Bei warmen Temperaturen ist es da drin so brütend heiß, das ist nicht auszuhalten und gesundheitsgefährdend“, mahnt Reinhart-Maier. Nicht nur für die Flüchtlinge, sondern auch für die Sozialarbeiter, für den Sicherheitsdienst und die ehrenamtlichen Helfer. Mitarbeiter seien in der Hitze sogar schon kollabiert. Auch die Polizei muss an solchen Tagen vermehrt zu Einsätzen in der Traglufthalle ausrücken. Das Aggressionspotenzial steigt, wegen Kleinigkeiten kommt es zu Streitigkeiten. Das sind die Erfahrungen von Grünwalds Polizei-Chef Andreas Aigner. „Seit Wochen liegen die Aggregate für die Kühlung vor der Halle und werden nicht eingebaut. Seit Wochen gehen Schreiben an das Landratsamt, damit endlich was passiert. Das ist ein Armutszeugnis“, findet Aigner. Helferkreis und Gemeinde haben unzählige Male beim Landratsamt auf die Missstände hingewiesen. Warum nichts unternommen wird, ist für alle Beteiligten unverständlich.

Eine Frage der Zuständigkeit

Die Erklärung dafür ist wohl in der Zuständigkeit zu suchen. Der Landkreis hat die Traglufthallen von der Firma „Paranet“ gemietet. Als Vermieter ist das Unternehmen für die Instandhaltung, Reparaturen und technischen Einrichtungen zuständig (s. Kasten). Aus Haftungsgründen hat der Landkreis wenig Handhabe. Trotzdem gibt es vertragliche Regelungen, welche Standards „Paranet“ in den Traglufthallen zu erfüllen hat. Und hier fordern Helferkreis und Gemeinde das Landratsamt auf, vehementer aufzutreten. „Dann muss man eben mit Mietkürzungen drohen“, findet Ingrid Reinhart-Maier und erinnert daran, dass die Menschenwürde nicht nur eine Sache der Zuständigkeit, sondern der Fürsorgepflicht ist. Um kurzfristig Abhilfe zu schaffen, hat das Landratsamt jetzt einen mobilen Hausmeisterservice eingerichtet. „Mit ersten Reparaturarbeiten wurde bereits begonnen“, sagt Christina Walzner, Sprecherin des Landratsamtes. Auch die Traglufthallen, die noch nicht mit Hitzeschutzfolie oder Kühlaggregaten ausgestattet sind, sollen in den nächsten Tagen nachgerüstet werden.

Das sagt Paranet zu den Vorwürfen: 

Roland Meyer, Projektleiter der Firma „Paranet“ weist die Vorwürfe von sich, das Unternehmen würde sich nicht um vernünftige Lebensbedingungen in den Traglufthallen kümmern. Eine Hitzeschutzfolie könne erst Ende Mai angebracht werden, wenn man sicher gehen kann, dass kein Schnee mehr fällt. „Sonst ist die Statik der Halle gefährdet, weil der Schnee auf dem Dach nicht schmilzt“, erklärt Meyer. Das Kühlaggregat in Wörnbrunn werde noch in den nächsten Tagen eingebaut, versprach er. Weil die aktuellen Warmwasserspeicher nicht für so viele Menschen ausgelegt sind, mussten die Flüchtlinge oft mit kaltem Wasser duschen. „Das haben wir vorher nicht abschätzen können, auch wir machen Fehler und lernen daraus“, sagt Meyer. Die Speicher würden nun gegen größere ausgetauscht. „Wenn man mit uns spricht, versuchen wir alles schnellstmöglich zu beheben“, versichert der Projektleiter. Aber er sieht auch Flüchtlinge und Helfer in der Pflicht. Manche Asylbewerber würden „sehr robust“ mit den Sanitäreinrichtungen umgehen. Da würden Toiletten zerschlagen oder Duschköpfe abgeschraubt und Armaturen herausgerissen. „Da fehlt es vielleicht manchmal auch an Aufklärung.“

Patricia Kania

Siggi Niefergesäß

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