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Kammermusik

Im Adagio flirtet sich’s am schönsten

Grünwald – Endlich: Vor dreieinhalb Monaten hätte Vilde Frang ursprünglich in Grünwald spielen wollen, doch der Termin hatte kurzfristig abgesetzt werden müssen. Die Spannung hatte in der Zwischenzeit bis zum Ersatztermin nur noch mehr zugenommen.

Mit ihrer schlanken, elfenhaften Gestalt entspricht die 30-jährige, bereits international umjubelte Geigenvirtuosin bei den „Grünwalder Konzerten“ im vollbesetzten August Everding Saal gleichsam einem Ideal. Traumverloren, teils mit geschlossenen Augen musizierte sie Werke von Franz Schubert und Johannes Brahms. Weder spröde noch effekthascherisch.

In Norwegen geboren und ausgebildet, wo Edvard Grieg der Inbegriff der Nationalromantik ist, spielt sie auf einem Instrument von Jean-Baptiste Vuillaume von 1866, einer der ersten Geigenbauer der romantischen Epoche. Eine zauberhafte Verbindung, die hier die Interpretin und ihr Instrument eingehen. Dass ihr Herz für Kammermusik schlägt, konnte einem gar nicht verborgen bleiben. Ihr Begleiter, der 1968 in Belgrad geborene Aleksandar Madzar, geht mit Rezitals und Kammermusik auf Tournee und unterrichtet am Königlich-Flämischen Konservatorium in Brüssel. Der Pianist schien im Duo-Spiel aufzugehen, manchmal sogar etwas zu sehr.

Brahms überträgt in der 1. Sonate G-Dur der Geige überwiegend die Führung der Melodie, und Vilde Frang differenziert diesen Part feinfühlig. Sie färbt ihn mit der für den reifen Brahms charakteristischen, sanften Melancholie ein. Dabei ist das Klavier im spannend zu verfolgenden Wechselspiel der Ecksätze mitunter zu dominierend und damit zu laut. Im Adagio hält sich der Pianist naturgemäß sehr zurück, und hier kann die Geigerin eine Art Espressivo mit Innigkeit ausleben. Bei Schuberts Fantasie in C-Dur kommt die Leistung des Pianisten dann aber mit virtuosem Zugriff zur Geltung, und Vilde Frang meistert das Andantino mit nicht weniger als acht hochvirtuosen Variationen über ein Rückert-Lied. Mit einem liedhaften Ton deutet sie den Vorgriff des letzten Wiener Klassikers auf die Romantik an. So bringt das Duo das komplexe Werk in seiner Vielschichtigkeit exemplarisch zur Wirkung.

Wegen einer Schulterverletzung, die sich die Norwegerin zugezogen hatte, mussten die beiden Miniaturen des spanischen Komponisten Isaac Albéniz entfallen. Dafür interpretiert das Duo Bartóks 1. Sonate (op. 21) von 1921 mit einer atemberaubenden Dramatik. Das betrifft den Pianisten schon beim einleitenden Allegro appassionato, wo Schönbergs revolutionäre Tonsprache wie dann auch das Idiom ungarischer Zigeunermusik erscheinen. Nach dem romantischen Ausdruck herrscht nun die herb insistierende Rhythmik der klassischen Moderne mit ihren Dissonanzen und harten Klangumbrüchen. Umso zarter erschienen im Adagio ein geheimnisvoll anmutendes Geigensolo sowie Triller und Flageolett-Passagen. Dabei klingt die Violine kantabel, der herrliche Flügel des August-Everding-Saales ohne allzu viel Härte. So kamen die Musikfreunde aus dem Staunen nicht heraus.
Arno Preiser

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