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Minderjährige Flüchtlinge.

„Alle sind gut integriert“

Motivierte WG: Flüchtlingshaus in Grünwald ein Erfolgsmodell

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
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Die Anwohnersorgen waren offenbar unbegründet: Ein Haus für minderjährige Flüchtlinge in Grünwald hat sich zum Erfolgsmodell gemausert.

Grünwald – Vor Baubeginn hatten die Nachbarn Alarm geschlagen. Im gemeindlichen Wohnhaus in Grünwald zogen vor zwei Jahren minderjährige Flüchtlinge ein. Der befürchtete Krach und Ärger blieben aus, Ängste erwiesen sich als unbegründet. Mittlerweile sind die Nachbarn mit der Situation nebenan voll und ganz einverstanden.

Einen Einblick in das WG-Leben der Flüchtlinge gewährte jetzt Barbara Portenlänger-Braunisch (CSU) im Gemeinderat, die seit zwei Jahren als Geschäftsführerin von Soziale Dienste Psychiatrie mit der Jugendwohngruppe Grünwald betraut ist: Zwölf Plätze sind hier vorgesehen für Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren. Es geht hier um die Betreuung von Jugendlichen, die traumatisiert sind, weil sie aus Ländern kommen, in die von Krisen und Krieg erschüttert werden. Der Träger ist bei Problemen nahezu 24 Stunden ansprechbar für die Jugendlichen, die in der aktuellen Besetzung aus Afghanistan, Syrien, Ägypten, Pakistan, Sri Lanka und Eritrea stammen. 

 Acht der zwölf Bewohner leben bereits seit der Eröffnung des Wohnhauses im Jahr 2017 in dem Haus und werden auf ein selbstständiges Leben in Deutschland vorbereitet, wie die Geschäftsführerin des Sozialdienstes ausführte. Die Flüchtlinge haben einen Aufenthaltstitel für vier Jahre, acht von ihnen leben seit zwei Jahren in der Wohngemeinschaft. Hier treffen nach den Worten von Portenlänger-Braunisch Menschen mit unterschiedlichen Ethnien und Religionen aufeinander. Sie bilden mittlerweile einen festen Zusammenhalt.

Gemeinsam feiern die Religionen Weihnachten

Für Portenlänger-Braunisch besonders erwähnenswert: Sunniten, Schiiten, orthodoxe Christen und Konfessionslose feierten im vergangenen Jahr zu Weihnachten gemeinsam die Mitternachtsmesse in der Kirche von Kloster Schäftlarn. In der WG habe sich eine gute und konstruktive Gemeinschaft entwickelt, verrät Portenlänger-Braunisch. Die Jugendliche engagierten sich in der Gemeinde im Helferkreis und besuchten den TSV. Drei von ihnen machen eine Ausbildung bei Grünwalder Firmen als Elektriker, Anlagen-Mechatroniker und Restaurantfachmann. Einer von ihnen will Fachverkäufer im Sportbereich werden, ein weiterer arbeitet für einen Kurier-Express. Sie liegen wochentags regelmäßig um 22 Uhr erschöpft vom Pensum im Bett, weiß die Grünwalderin. Bei Verspätungen melden sie sich bei den Betreuern, zu denen der enge Bezug auch nach dem Auszug bestehen bleiben soll. Sie gehen nach Unterhaching und Pullach in die Mittelschule, einer besucht die Schauspielschule in Unterhaching.

Auch Freizeit findet gern gemeinsam statt

Auch an Freizeitaktivitäten nahmen die Jugendlichen teil: etwa an einer Fahrt zum Reichstagsgebäude nach Berlin. Sie grillen gemeinsam an der Isar und gehen an den Sommerwochenenden zum Deininger Weiher und nach Starnberg zum Baden. Achim Zeppenfeld (SPD) hat im Helferkreis viel mit den Bewohnern zu tun. Er repariert die Fahrräder, auf denen sie unterwegs sind. „Wenn sie die Schlüssel verlieren, komme ich mit der Flex.“ Er ist begeistert, wie gut sie alle in kurzer Zeit Deutsch gelernt haben. Gleichzeitig treibt ihn die Frage um, ob ihr Status sie vor Abschiebung schützt. Er fühlt sich nicht wohl bei dem Gedanken, dass das Damoklesschwert über ihnen schwebt.

In diesem Punkt kann Portenlänger-Braunisch keine Entwarnung geben: „Alle sind gut integriert, stecken mitten in einer Berufsausbildung.“Die Rückführung, vor allem nach Afghanistan, sei höchst problematisch. Dass sie aber hier bleiben können, lasse sich von keinem mit Gewissheit sagen. Susanne Kruse (Grüne) freute sich sehr, dass alle Bewohner erfolgreich zur Schule gehen und eine Ausbildung machen. Ihre Kollegin Ingrid Reinhart-Maier fügte hinzu: Es ist eine vorbildliche Geschichte.“

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