+
Seine Parkscheibe wird Christian Geigle jetzt immer sichtbar auf das Armaturenbrett legen.

Plötzlich war die Parkscheibe Pflicht

Abzockfalle? Park-Ärger an Grünwalder Supermarkt

  • schließen

An einem Rewe-Supermarkt in Grünwald kann man ab sofort nur noch mit Parkscheibe kostenlos parken. Wer die vergisst, riskiert schnell einen Strafzettel. So ist es auch einem Grünwalder ergangen. Doch der will jetzt gerichtlich dagegen vorgehen. 

Grünwald – Christian Geigle spielt gut Tennis und schlägt die Bälle mit der nötigen Härte zurück. Jetzt hatte er ein Erlebnis mit dem Rewe-Markt in Grünwald, das er nicht auf sich sitzen lassen möchte. Seit 15 Jahren kaufen Christian Geigle und seine Frau an der Lena-Christ-Straße ein. Seit ein paar Wochen wird hier der Parkraum überwacht. Wer keine Parkscheibe ordnungsgemäß eingestellt hat, erhält einen Strafzettel von der Firma „Fair parken“ mit Sitz in Düsseldorf. Am BMW fand sich jetzt bei einem Einkauf ein Strafzettel unter dem Scheibenwischer.

Als sich der Grünwalder beim nächsten Einkauf umschaut, sieht er die neu aufgestellten Schilder. Erst jetzt fallen sie ihm auf: Auf ihnen steht zu lesen, dass der Autofahrer mit Befahren des Parkplatzes einen Vertrag abgeschlossen habe und zur Auslage der Parkscheibe verpflichtet sei, andernfalls erfolge eine Bestrafung. Etwa in der Hälfte der Fahrzeuge ist eine Parkscheibe auf die gültige Uhrzeit hinterlegt. Dann gibt es noch die Mitarbeiter von Rewe, die eine Extraberechtigung hinter die Frontscheiben gelegt haben. Patienten der Arztpraxen, die im selben Gebäude untergebracht sind, parken außerhalb, also nicht auf dem Rewe-Parkplatz.

Grünwalder wehrt sich gegen „plötzliche Einführung“ des Parkscheiben-Systems

Christian Geigle findet, gegen eine „Parkraumbewirtschaftung“ sei zunächst einmal nichts einzuwenden: „Sie liegt ja im Verantwortungsbereich des Betreibers.“ Aber die plötzliche Einführung nach Jahrzehnten des umstandslosen Parkens, die Nichtinformierung der Kunden im Vorfeld und die Nichteinhaltung einer Übergangszeit erscheinen ihm sehr fragwürdig.

Geigle geht es nicht um den ursprünglichen Betrag von 24,90 Euro, er will hier nicht kleinlich sein, sondern ums Prinzip. Deshalb hat sich juristischen Rat geholt: „Bei AGBs heißt so etwas überraschende Klausel und wird von den Gerichten regelmäßig als unzulässig eingestuft.“ Er geht davon aus, dass viele weitere ahnungslose Grünwalder, in die Abzockfalle an der Lena-Christ-Straße geraten sind.

Bei „Fair parken“ wird ein anderes Bild gezeichnet. In der Regel, so die Ansprechpartnerin, gebe es eine Einführungsphase, in der Hinweiszettel und Parkscheiben verteilt werden. Außerdem würden die Kunden auf dem Parkplatz zunächst auf die Neuregelung angesprochen, dass eben zukünftig eine Parkraumüberwachung stattfindet.

Rewe: Letzte Möglichkeit, den Parkplatz im Sinne unserer Kunden freizuhalten

Ganz ähnlich argumentiert auch Rewe und erklärt, warum eine Parkraumüberwachung nötig wurde: Grundsätzlich sei die Parkplatzüberwachung das äußerste Mittel, wenn alle Versuche, selbst das Dauerparker-Problem durch Bitten und Aushänge nicht in den Griff zu bekommen sei. Rewe-Sprecherin Ursula Eggers: „Es ist für uns die letzte Möglichkeit, den Parkplatz im Sinne unserer Kunden freizuhalten. Wir wollen jedem Kunden für die Dauer seines Einkaufs einen kostenfreien Stellplatz garantieren.“

Allerdings habe die unberechtigte Nutzung der Rewe-Parkplätze in Grünwald Ausmaße angenommen, die dazu führten, dass Kunden wegen fehlender Parkmöglichkeit den Markt nicht mehr besucht hätten. „Es gab massive Beschwerden seitens Kunden.“ Rewe sah sich gezwungen, zu handeln.

Eine Parkscheibe mit eingestellter Ankunftszeit im Fahrzeug zu hinterlegen, ist an vielen öffentlichen und privaten Parkplätzen gelebte Praxis. Rewe ist der Auffassung, dass diese kleine Mühe als Äquivalent für einen freien und kostenlosen Parkplatz hinnehmbar ist.

Plakate und Informationen im Vorfeld

Die Einführung der Parkraumüberwachung sei in Grünwald in mehreren Stufen erfolgt. Ab Mitte Mai habe die beauftragte Firma „Fair parken“ 14 Tage lang die Leute auf dem Parkplatz angesprochen und sie informiert, dass ein neues System eingeführt wird – mit dem Hinweis, dass sie die Parkscheibe während ihres Einkaufs ins Auto legen müssten. Sprecherin Eggers: „Zudem haben wir Plakate im Markt ausgehängt, an der Kasse wurde jeder Kunde darauf angesprochen, wir haben kostenlos Parkscheiben verteilt.“ Ab 1. Juni sei dann bei Nicht-Hinterlegung der Parkscheibe ein Bußgeld in Höhe von fünf Euro fällig geworden, nach weiteren 14 Tagen in Höhe von 9,95 Euro, ab 1. Juli gilt die volle Höhe.

Außerdem schlägt Rewe vor: Wenn ein Kunde einmal die Parkscheibe vergessen habe, könne er den Strafzettel stornieren lassen. Er müsse dafür die auf dem Strafzettel angegebene Telefonnummer anrufen sowie seinen Kassenzettel Fair Parken zukommen lassen. „Oder er meldet sich im Markt, dann lassen unsere Mitarbeiter das Aktenzeichen stornieren, wenn der Kunde nachweisen kann, dass er bei uns eingekauft hat“, erklärt Rewe. Wenn man den Kunden die Hintergründe erkläre, hätten sie großes Verständnis dafür und seien erleichtert darüber, wieder einen Parkplatz zu finden.

Als Stammkunde von all den Aktionen nichts mitbekommen

Christian Geigle kauft regelmäßig alle paar Tage im Rewe ein und erklärt, er habe von all diesen Aktionen nichts mitbekommen. Kassenzettel hebe er grundsätzlich nicht auf. In jedem Fall will er die Sache vor Gericht gehen lassen. „Je nach Ausgang des Verfahrens werde ich den Rewe-Markt zukünftig meiden.“ Aber der Grünwalder ist zuversichtlich, dass das Verfahren zu seinen Gunsten eingestellt wird.

Passend zum Thema: 

Sauerlach: Kameras filmen Kennzeichen: So sollen Dauerparker abgeschreckt werden

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Lärmschutzwand in Unterhaching: Bürger machen Druck
Erst weder Lärmschutzwall noch -wand, dann Waldumbau als Puffer für den Autobahnkrach, jetzt vielleicht doch eine Lärmschutzwand auf einem Wall: Das Thema wabert seit …
Lärmschutzwand in Unterhaching: Bürger machen Druck
Wie aus einer Elternidee ein Vorzeige-Kindergarten-Konzept wurde
Als Ute Fiedler aus Hohenbrunn für ihre Tochter einen Betreuungsplatz gesucht hat, war sie von einer regulären Kindertageseinrichtung  nicht begeistert. Sie suchte eine …
Wie aus einer Elternidee ein Vorzeige-Kindergarten-Konzept wurde
Experte warnt vor Cannabis-Konsum: „Jugendliche können sich dumm kiffen“
Kiffer werden immer jünger, das Gras immer stärker: Welche Gefahren Cannabis, gerade für Jugendliche, birgt, erklärt der Chefarzt für Suchtmedizin und Psychotherapie am …
Experte warnt vor Cannabis-Konsum: „Jugendliche können sich dumm kiffen“
Lebensgefahr auf der Isar: Baum noch immer nicht geborgen - Fahrverbot bleibt bestehen
Der quer liegende Baumstamm in der Isar, der bereits mehrere Boote auf der Isar zum Kentern brachte, konnte noch immer nicht geborgen werden. Das Fahrverbot bleibt …
Lebensgefahr auf der Isar: Baum noch immer nicht geborgen - Fahrverbot bleibt bestehen

Kommentare