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Vor dem Anwesen an der Ludwig-Thoma-Straße in Grünwald: (v.l.) Barbara Portenlänger-Braunisch sowie Uli und Angelika Portenlänger

Familienstammbäume im Landkreis

Die Portenlängers gab es schon, als Grünwald noch ein Dorf war

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In einer Serie stellt der Münchner Merkur Familien vor, die seit Generationen am Ort leben und eng mit der Gemeinde verwurzelt sind. Heute: die Familie Portenlänger. 

Grünwald – Wenn es einen örtlichen Schwerpunkt der Portenlängers in Grünwald gibt, dann ist es der „Alte Wirt“ im Herzen der Isartalgemeinde gegenüber der Verfassungslinde, die 1808 gepflanzt wurde, und dem Maibaum. Uli Portenlänger (57) betreibt hier seit den 1990er Jahren einen Gasthof mit Hotel, seit Jahren bio-zertifiziert. Aber im Grunde ist die uralte Grünwalder Familie an ganz vielen Orten präsent, wie die jüngsten Nachfahren Barbara Portenlänger-Braunisch, Angelika Portenlänger und ihr Bruder Uli beim Gespräch im Garten des Elternhauses beweisen. Sogar der 500 Jahre alte Schweindlhof an der Dr.-Max-Straße ist eng mit dem Namen verbunden. Er ist einer der ältesten Bauernhöfe Grünwalds, in dem heute Hubertus Graf von Kerssenbrock Orgeln restauriert.

Als Grünwald noch ein Dorf war

Es ist eine harte Zeit Ende des 18. Jahrhunderts in Grünwald, als der junge Johann Portenlänger auf dem Schweindlhof Erbrecht erhält und sich an die Feldarbeit macht. Damals gab es insgesamt sieben Familien in Grünwald, ein überschaubares Dorf. Allem Anschein nach liebt der Urahn die Freiheit und das Bier sehr. Das ist den Dorf-Altvorderen suspekt. Er habe „die Feldgründe nicht gehörig anbauen können, weil er ständig mit dem Getreide in die Schranne nach München fährt“, heißt es im ersten Band der Grünwalder Chronik. Der junge Mann wird zur Heirat verurteilt und gibt der gerichtlichen Anordnung nach, seine Angetraute ist Maria Rieger, mit der er den „Hof in die Höhe“ bringt. Die Tilgung der Hofschulden ist binnen weniger Jahre möglich.

Eine historische Aufnahme des „Alten Wirts“, die Gaststätte der Portenlängers. 1983 wurde der Neubau eröffnet, das größte Projekt der Familie.

In den folgenden Jahrzehnten hatten die Portenlängers in Grünwald einen Bauernhof, allerdings einen sehr kleinen – wie Uli Portenlänger weiß. Harte Arbeit bestimmte den Tag von Georg Portenlänger, der mit Beginn seiner Volljährigkeit, die damals mit 21 Jahren begann, den Hof am Marktplatz übernahm und auch heiratete. Das war 1892. Die Oberpfälzerin Maria Frank war seine Angetraute.

Der Bürgermeister und die Trambahn

Weil er tüchtig war, wählten ihn die Dorfbewohner zum Bürgermeister. In seine Zeit fiel der Bau der Trambahn, die fortan die Stadtbewohner hinaus aufs Land brachte und die Gastwirtschaft zum Erblühen brachte. Nicht nur der „Alte Wirt“, auch das Café Fischer sah damals seine glücklichsten Tage.

Die Feldarbeit war trotzdem immer noch wichtiger als alles andere, weshalb der Bürgermeister auch den Hochzeitstermin von Otto Lindner und Lore Humser (den Eltern des späteren Bürgermeisters und Ehrenbürgers Hubertus Lindner) vergaß. Also musste er kurzfristig mit der Kutsche vom Acker geholt werden. Zum Umziehen war keine Zeit mehr, wie Max Ernst in seinen Grünwalder Porträts berichtet. Also erschien der Standesbeamte im Gehrock, den er über sein Arbeitsgewand gezogen hatte mit erdigen Stiefeln und „umgeben mit den besten Düften natürlicher Düngung“ zum feierlichen Anlass. Er legte die Amtskette um und nahm eine Zigarre aus dem Kisterl. Bürgermeister Portenlänger war ein ganz gemütlicher, während seine Gattin, wie es heißt, eher aufs Geld geschaut haben soll.

Familienzweige wieder vereint

Den Termin einer anderen Hochzeit konnte sich der Bürgermeister verständlicherweise besser merken: Bei dieser trafen sich zwei Linien des Familienstammbaums nach langer Zeit wieder: Sohn Georg Portenlänger hatte um Anna geworben, ebenfalls eine geborene Portenlänger aus Portenläng bei Brunnthal – hier steht das 800 Jahre alte Stammhaus der Familie. Standesbeamter im Grünwalder Rathaus war Bürgermeister Portenlänger, und die beiden Trauzeugen hießen wie? Richtig, Portenlänger. Wie die Nachfahren berichten, war die Linie des Großvaters 1750 aus Portenläng weggegangen und hatte Grünwald als Wohnsitz auserkoren. Gegen 1900 haben sich hier die Zweige wieder vereint.

Etwa zu dieser Zeit beginnt auch die Geschichte des Alten Wirts, in dem sich über viele Jahrzehnte das gesellschaftliche Leben im Kern abspielte, es pulsierte auf der Straße und im Wirtshaus. Hier versammelten sich die Charakterköpfe des Dorfes, mindestens zwei Stammtische waren jeden Tag besetzt – oft in zwei Reihen. Barbara Portenlänger-Braunisch weiß aus ihrer Kindheit: „Diese Stammtischkultur gibt es heute eigentlich kaum mehr.“ Die Gäste spielten Karten, diskutierten und politisierten, bis tief in die Nacht hinein Und wer nach Mitternacht noch nicht genug hatte, der wankte noch den Marktplatzberg zur Hüttn – eine Kneipe – hoch. In der Früh mussten direkt im Anschluss die Weißwürscht gemacht werden. Vater Georg Portenlänger holte den Schlaf bei solchen Gelegenheiten tagsüber nach.

Der „Alte Wirt“ wird erweitert

Das größte Projekt in der Ära von Georg und Irene Portenlänger war der Neubau, der im Jahr 1983 eröffnet wurde. Die Erweiterung kam zu einer Zeit, in der sich andere Ehepaare zur Ruhe setzen. Aber Vater Georg hatte seine Visionen und setzte sie auch durch. Mit der Eröffnung kamen auch die Kinder wieder zurück, die zwischenzeitlich – schon mit 15, 16 und 17 Jahren nach Paris, Somalia, Hamburg oder Mexiko ausgeflogen waren, um die Welt kennenzulernen und die Freiheit einzuatmen. Wieder zu Hause halfen sie alle mit, die große Bürde des teuren Erweiterungsbaus zu tragen, und Uli Portenlänger übernahm schließlich Ende der 1980er Jahre die Gastwirtschaft.

Vor 30 Jahren hat Georg Portenlänger ein Treffen aller Familienmitglieder ins Leben gerufen. „Er hat alle eingeladen, die irgendwie erreichbar waren.“ Es feierten rund 230 Portenlängers ihre engere oder weitere Verwandtschaft. Wo? Natürlich im „Alten Wirt“.

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