Für den Weg ins Impfzentrum in Oberhaching dürfen über 80-Jährige in Grünwald möglicherweise bald kostenlos das Taxi nehmen.
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Für den Weg ins Impfzentrum in Oberhaching dürfen über 80-Jährige in Grünwald möglicherweise bald kostenlos das Taxi nehmen.

Grünwald prüft Modell für bedürftige Senioren ab 80

Mit dem Taxi zur Corona-Impfung?

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
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Nicht jeder betagte Senior aus Grünwald ist mobil genug, um zum Corona-Impfzentrum nach Oberhaching zu kommen. Die Gemeinde prüft deshalb nun Gratistaxifahrten.

Grünwald – Das nächste Impfzentrum von Grünwald aus befindet sich in Oberhaching. Aber wie gelangen die älteren Grünwalder dort hin, wenn genügend Impfstoff vorhanden ist und schnell vorgegangen werden soll? Da bietet sich die Nachbarschaftshilfe als Fahrdienst an. Aber die CSU-Fraktion hat noch einen zweiten Vorschlag zur Prüfung im Gemeinderat eingebracht, wie mögliche Engpässe zu vermeiden wären.

Mit dem Taxi, das von der Gemeinde kostenlos bezahlt werden könnte. Die CSU denkt an Grünwalder ab 80 Jahre. Eine Voraussetzung sollte auch sein, dass die Senioren nicht in Altenheimen wohnen und auch sonst alleine nicht die Möglichkeit haben, gut dorthin zu kommen.

Ingrid Reinhart-Maier (Grüne) fand, dass der Antrag ein bisschen spät kommt. Sie hat sich umgehört und glaubt, dass fast alle über 80-Jährigen in Grünwald Gott sei dank inzwischen geimpft seien. Außerdem organisiere die Nachbarschaftshilfe in Zusammenarbeit mit der Gemeinde die Fahrt ins Impfzentrum sehr gut. Sie hat nichts dagegen, dass jemand mit dem Taxi nach Oberhaching transportiert werde, hält das Zusatzangebot aber für überflüssig. Die Frage sei auch, ob der Dienst überhaupt in dieser Form angeboten werden könne. Die Abwicklung hält sie nicht für banal, auch wenn sie die Idee grundsätzlich unterstützt.

Barbara Portenlänger-Braunisch (CSU) ist selbst im Vorstand der Nachbarschaftshilfe. Sie versichert, dass die Taxis nötig werden, wenn der Impfstoff in großen Mengen verteilt wird. Bislang hatte der soziale Verein lediglich fünf Fahrten zu verbuchen und war lange nicht ausgelastet.

Nachbarschaftshilfe könnte mit Fahrdienst bald überfordert sein

Eines wollte Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU) gleich einmal aus der Welt räumen. Bei Weitem seien nicht alle 80-Jährigen in Grünwald geimpft. Er geht davon aus, dass die Frequenz der Immunisierung in Oberhaching deutlich erhöht werden könne, wenn erst ausreichend viel Serum vorhanden sei.

Möglicherweise könne die Nachbarschaftshilfe das allein dann nicht mehr leisten: „Sie müssen die Person zu Hause abholen, beim Einsteigen behilflich sein, hinüberfahren und nach der Impfung noch 20 Minuten warten, bis die Ruheraumzeit vor bei ist.“ Der Sozialverein habe nur zwei Autos zur Verfügung und wenn eine Tour mindestens eine Stunde dauere, könne es eng werden.

Neusiedl hält es daher für sinnvoll, die Variante mit dem Taxi zu untersuchen. Extra Nachweise werde man nicht verlangen, das Angebot solle niederschwellig sein. Auch an möglichen Impftagen in Grünwald, was gemeinsam mit dem Landkreis künftig geplant ist, könnte das Taxiangebot helfen und ein wenig Druck aus dem Kessel nehmen. „Wir wollen nicht, dass Grünwald kostenlos Taxi fährt. Das Angebot ist daher auch zunächst für die Senioren ab 80 gedacht.“ Die gute Nachricht: Die Grünwalder Altenheime sind durchgeimpft, auch die zweite Impfung sei schon erfolgt.

Warum die Fahrt nicht gleich für alle möglich machen? Achim Zeppenfeld (SPD) hat recherchiert. Nach seinen Erkundungen sind 1198 Personen in Grünwald über 80 Jahre alt. Davon leben etwa 400 bis 500 in Pflegeeinrichtungen. Wenn sich 80 Prozent impfen lassen wollen, blieben noch 400 Menschen übrig. Nach seiner Einschätzung redet man am Ende von 50 bis 70 Personen in Grünwald, die eine solche Fahrt nur mit Mühe selbst bezahlen könnten. Die Gemeinde gehöre nicht gerade zu den ärmsten, weshalb er anregte, die Altersgrenze ganz wegzulassen. Wer in der Gemeinde glaubhaft versichern könne, dass er nicht gut bei Kasse sei, solle dann zum gegebenen Zeitpunkt eine solche Fahrt umsonst haben dürfen. Diese ganzheitliche Lösung kann die Gemeinde allerdings nicht anbieten, wie der Bürgermeister einwendete, weil ihr dazu die nötigen Datengrundlagen fehlen, um eine Bedürftigkeit festzustellen.

Auf 70 Jahre wollte Tobias Brauner (PBG) das Alter gerne herunter setzen. Den Taxibetrieben würde eine solche Lösung sicher in der Existenznot helfen. Er findet den CSU-Antrag richtig und möchte ihn gerne unterstützen. Sein Zusatz wurde mit in den Prüfbeschluss aufgenommen. Der Gemeinderat stimmte einstimmig für die Prüfung des Taxi-Modells.

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