+
Spaß auf dem Platz, Ärger hinter den Kulissen: Die Tennisfreunde Grünwald mit ihren eigenen Vereinstrikots. Eine eigene Spielstätte fehlt. 

Entscheidung des Gemeinderats

Tennisfreunde sind wütend: Sie bekommen keinen Platz in Grünwald

  • schließen

Ein sichtlich gereizter Bürgermeister Jan Neusiedl hat jetzt mit CSU-Mehrheit erfolgreich eine Vertragsverlängerung der gemeindlichen Tennisplätze an den Grünwalder Gewerbetreibenden Elter Sports durchgesetzt. Er ist auf zehn Jahre festgeschrieben. Der Beschluss (mit 14:10 Stimmen) zementiert aus Sicht der Tennisfreunde Grünwald, dass sie ihren Vereinssport im Freizeitpark auf unabsehbare Zeit nicht ausüben können.

Grünwald – Die hochemotionale Debatte im Gemeinderat wurde durch die Sportler auf der Tribüne verstärkt, die ihren Unmut oder Beifall kundtaten. Der Hausherr reagierte prompt und unterband die Reaktionen auf der Stelle. Er drohte mit Saalverweis. Gleichzeitig vermutete Neusiedl eine Kampagne gegen sich persönlich – lanciert durch Veröffentlichungen von Pressemitteilungen der Tennisfreunde: „Das ist nicht der Stil, den wir in Grünwald fahren.“

Fragwürdige Unterschriften-Liste

Zum Höhepunkt des Abends stellte Freizeitparkchef Jörn Verleger eine Unterschriftenliste vor mit knapp 450 Unterzeichnern für eine weitere Pacht mit Elter Sports. Als Matthias Schröder (FDP) die Liste einsehen wollte, fiel ihm auf, dass etliche Mehrfachunterzeichner und Kinder darauf standen. Der Freizeitparkchef gab dies gegenüber dem Münchner Merkurzu, bestand jedoch auf der Feststellung, dass es auch weit über 300 Unterschriften wären, würde man die Mehrfachunterschriften herausnehmen.

Es ging an diesem Abend eben auch um eine Machtdemonstration. Rein sachlich gesehen handelte es sich um die Fortschreibung eines Geschäftsverhältnisses zwischen dem Unternehmer Peter Elter und der Gemeinde. Vorgesehen ist eine Mietpreissteigerung um zehn Prozent ab Januar 2018 sowie eine jährliche Zunahme von 2,5 Prozent in den Folgejahren. Dabei geht es um die Verpachtung von fünf Außenplätzen und einer Zweifachhalle, die sich im Eigentum der Gemeinde befinden.

In der Grundkonzeption, die in den 1990er Jahren vom damaligen Bürgermeister Hubertus Lindner unterstützt wurde, sollte das Privatunternehmen die Plätze im Eingangsbereich des Freizeitparks in Erbbaurecht unterhalten, weitere Plätze im hinteren Bereich von der Gemeinde pachten. Ziel war es, sowohl freies Spiel als auch Vereinssport zu ermöglichen.

Die Grünwalder TSV-Vorsitzende Christine Paeschke (CSU) war damals bei der Entscheidung mit dabei, hat rund 30 Jahre Tennis gespielt und war vor der jüngsten Abstimmung in einem Dilemma. Ihr wäre es lieber gewesen, wie sie gegenüber dem Münchner Merkur zugibt, wenn sich eine Einigung angebahnt hätte zwischen dem jungen Verein mit seinen über 300 Mitgliedern und Elter. Das Angebot von Elter Sports – 105 Euro für Kinder, Jugendliche und Erwachsene bis 27 Jahre für die Sommersaison – findet sie attraktiv. Die ablehnende Haltung des Vereins in dieser Hinsicht kann die TSV-Vorsitzende nicht nachvollziehen. Alles in allem kommt sie zu dem Schluss, dass es falsch wäre, jemandem etwas wegzunehmen, der 25 Jahre dem Tennissport in Grünwald eine flexible Grundlage bereitet hat.

In diesem Sinne argumentierte auch ihr Fraktionskollege Thomas Bühler im Gemeinderat. Er wies den Vorwurf von sich, herzlos zu handeln und die Belange eines Vereins zu ignorieren. Vielmehr trage die Gemeinde auch eine Verantwortung gegenüber dem Vertragspartner. Ein weiteres Argument der CSU-Fraktion führte Robert Zettel an: Falls Elter die gemeindlichen Plätze nicht mehr weiter bespielen dürfe, würden ihm die wirtschaftliche Grundlage entzogen. Und das sei gewiss nicht im Sinne der Gemeinde. Einen Vorschlag zur Güte machte Achim Zeppenfeld (SPD). Er empfahl, einen Mediator einzuschalten und weitere Gespräche mit allen Beteiligten zu organisieren. In der Vergangenheit hatte Freizeitparkchef Jörn Verleger die Rolle des Moderators übernommen, mit wenig Erfolg, wie er zugeben musste.

Die Gräben werden immer tiefer

Der Dissens zwischen Mehrheitspartei und kleineren Fraktionen wurde im Laufe der Diskussion nicht kleiner. Statt einer Lösung wurden die Gräben vertieft. Dietmar Jobst (PBG) bedauerte, dass eine große Chance, den Tennisfreunden entgegenzukommen, nicht genutzt worden sei. Die Gemeinde zahle für die Sportförderung mit allem Drum und Dran weit über 600 000 Euro im aktuellen Haushaltsplan. Der Tennisverein komme darin nicht vor. Sein Kollege Oliver Schmidt sprach davon, dass die Gemeinde ihre Prinzipien an den Nagel hängt, wenn sie das bürgerschaftliche Engagement, das im Vereinsleben zutage tritt, ignoriert. Und auch Matthias Schröder plädierte dafür, das Vereinsleben zu stärken. Nicht in Oberhaching, Straßlach oder sonst wo, wohin die Tennisfreunde ausweichen müssen, sondern in Grünwald.

Immerhin: Die Geschäftsführerin von Elter Sports, Melanie Elter, erhält ihr Angebot der Gesprächsbereitschaft aufrecht. Sie garantiert weiterhin vergünstigte Spielkonditionen für Clubmitglieder als Vorschlag zur Güte.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Garching bekommt Waldkindergarten
Endlich: Der Weg ist frei für einen Waldkindergarten in Garching. Lange hat‘s gedauert - aus mehreren Gründen.
Garching bekommt Waldkindergarten
Kommentar: Kardinal trennt, was Gott vereint
Es ist wirklich absurd: In Putzbrunn feiern die Christen beider Konfessionen, dass die Ökumene seit 25 Jahren lebt. Keine Selbstverständlichkeit in Zeiten, in denen …
Kommentar: Kardinal trennt, was Gott vereint
Katholiken und Protestanten sollen getrennt Gottesdienst feiern
Die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen des Ökumenischen Kirchenzentrums in Putzbrunn zeigten, dass die Putzbrunner  hinter dem Gedanken der Ökumene stehen. Doch …
Katholiken und Protestanten sollen getrennt Gottesdienst feiern
Ausnahmezustand in Haching: Das sagt der Polizeichef vor dem „Wiesn-Derby“
SpVgg Haching gegen TSV 1860 München, das gab es zuletzt 2006. Jetzt also wieder - in der 3. Liga. Was sagt der Polizeichef zum Ausnahmezustand beim Wiesn-Derby?
Ausnahmezustand in Haching: Das sagt der Polizeichef vor dem „Wiesn-Derby“

Kommentare