Unwetter in Bayern: Amtliche Warnung vor schweren Gewittern und heftigem Starkregen

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Direkt vor der Gartenterrasse von Johann Ebner in Grünwald rasselt die Trambahn vorbei. Der Anwohner diagnostiziert per Lärm-Messgerät: Der Krach ist unzumutbar. 

Ein Mann misst nach

Trambahn-Krach: Grünwalder ärgern sich über Lärm am Gleis - MVG macht wenig Hoffnung

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
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Die Trambahn-Linie nach Grünwald ist der Gemeinde wichtig. Doch die direkten Anwohner ärgern sich über den Krach, der aus ihrer Sicht zu vermeiden wäre.

Grünwald – Gerade hatte Johann Ebner (71) Geburtstag. Und der Grünwalder hätte sich gefreut, wenn er als Geschenk eine leisere Tram auf leiserem Gleisbett vor die Nase bekommen hätte. Stattdessen feuert er eine Schimpfkanonade auf die MVG ab. Nach seinem Empfinden ist in den vergangenen Monaten die Lärmsituation entlang der Trasse eskaliert. In der Bürgerversammlung sprach der Grünwalder bereits vor Jahren von einem Krach wie bei russischen Kampfpanzern.

Die neuen Züge laufen nicht rund

Der Anwohner am Trambahngleis – 200 Meter südlich der Haltestelle Ludwig-Thoma-Straße – misst seit Jahren den Schall. Vor seiner Hecke fährt die Tram Maximalgeschwindigkeit. Es sei keine Seltenheit, wenn er und seine Frau 20 Stunden am Tag teils über 85 Dezibel im Luftschall verzeichnen. Das, so Ebner, ist auf die neuen Trambahnen Avenio zurückzuführen. Sie sollen die alte Flotte in München Stück für Stück ersetzen. „Die neuen Züge sind auch bei uns in Grünwald probeweise gefahren. Sowohl die längeren als auch die ganz kurzen, die so genannten Baby-Trams“, sagt Ebner. Daraufhin hätten sich viele Anwohner über verheerende Auswirkungen des neuen Lärms auf die Gesundheit beschwert. Ebner diagnostiziert: „Unser ganzes Haus hat in noch nie gekannter Weise vibriert.“ Wer selbst mit der Tram fahre, sehe, dass zahlreiche Anwohner sich bereits mit bis zu vier Meter hohen Mauern, Zäunen, Wällen schützen. Johann Ebner zieht sie als stumme Zeugen seiner Kritik heran. Aber der Schall finde seinen Weg in die Gärten und Häuser – dem Schutz zum Trotz.

Der zuständige Leiter für Trambahnsysteme hat dem Grünwalder schriftlich geantwortet und habe zugegeben, dass die Avenio-Züge nicht so rund liefen wie erhofft. Die MVG arbeite daran. In Grünwald sind darüber hinaus ältere Dreifach- und Vierfach-Garnituren seit etwa 20 Jahren im Einsatz. Die neuen seien, so Ebner, vielleicht sogar ein gut gemeinter Versuch der MVG, wo doch die alten in Grünwald schon zu Beschwerden geführt hätten. Aber das Radsystem der Avenio-Züge weise einen erheblichen Mangel auf, wie Ebner aus zuverlässiger Quelle herausgefunden haben will. Da gelte es, nachzuarbeiten.

MVG reagiert

Vor ein paar Wochen hat der 71-Jährige einen Trupp der MVG an den Gleisen erspäht. Der Leiter für die Schienensysteme versuchte mit seinen Fachleuten herauszufinden, worin die Unzufriedenheit auf der Grünwalder Trasse begründet ist.

Zumindest kleine Teilmaßnahmen würden diskutiert. Zum Beispiel könne man die Dämpfer zwischen Gleis und Betonschwelle erneuern, schlägt Ebner vor. Sie sind 25 Jahre alt, der ausgehärtete Gummi tauge nicht mehr, um die Erschütterungen abzufangen. Auch die Gleise seien verschlissen. Ebner spricht zugespitzt vom Kopfsteinpflastergleis. Der 71-Jährige sagt: „Wenn man es neu bauen würde, dann müssten Grenzwerte eingehalten werden, die deutlich niedriger sind als die in Grünwald gemessenen.“

In der Stadt München würden durchgehende Betonschwellen gegossen. Es gebe ein Rasengleis und super Dämpfung – schon auf kurze Distanz höre man keinen Unterschied zwischen Bus und Tram.

In Grünwald dagegen erzeuge die Elektrische beim Fahren die Lautstärke eines Presslufthammers. „Wir leben hier mit dem denkbar schlechtesten System eines Trambahngleises.“ Abschaffen will Ebner die Tram nicht. Sie sei Teil des Grünwalder Lebens und solle es bleiben. Nur besser solle sie werden.

Große Konferenz bringt keinen Durchbruch für den Lärmschutz

Der Anwohner hoffte zum Beispiel darauf, dass bei der jüngsten Fahrplankonferenz mit Gemeinde, Landkreis und MVG Bahnbrechendes besprochen wird. Aber laut dem Grünwalder Geschäftsleiter Tobias Dietz, der zugegen war, ist an eine Schienenerneuerung in nächster Zeit nicht gedacht. „Die MVG sagt klipp und klar: Da ist aktuell nichts sanierungsbedürftig und auch die nächsten Jahre nichts in Planung. Und daran halten wir uns als Gemeinde.“ Eine entsprechende Pressemitteilung der MVG bestätigt und unterstützt die Aussage. Der Fahrplan übrigens, so viel ist sicher, bleibt gleich.

Aber es zeichnet sich nach dem Dafürhalten Johann Ebners auch teilweise eine gute Zusammenarbeit mit der MVG ab. Mittlerweile versorgt er deren Werkstatt mit Hinweisen, wenn bei einer bestimmten Trambahnnummer das Problem weiter vorne oder weiter hinten auftritt. Das hört er daran, ob die Garnitur eher dröhnt oder ob sie schlägt. Am liebsten wäre ihm jedoch, dass er es gar nicht mehr wahrnimmt.

Die Auseinandersetzung führt er, wie er sagt, nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Nachkommen. Ebner sagt: „Irgendwie erinnert mich das Ganze an die heiligen Kühe in Indien. Sie gehören zum Stadtbild, dürfen aber nicht angetastet werden.“

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