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Zu einem der ältesten Gebäude Grünwalds gehört auch der Schweindlhof. 

Sorge um historische Gebäude

„Anarchie am Marktplatz“: Grünwalder fordern Verbot für Silvesterböller

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Morgen ist Silvester. Und auch in Grünwald werden sicherlich Raketen und Böller in den Himmel geschossen. Genau das bereitet einigen Grünwaldern Sorge. Sie warnen vor einer möglichen Zerstörung historischer Bauten, wenn die Raketen in der Silvesternacht einschlagen.

VON MARC OLIVER SCHREIB

Grünwald – Edith Wassermann (SPD), Schriftführerin der Freunde Grünwalds, dachte in der Gemeinderatssitzung an den Schweindlhof, an die Burg und an den Bauernhof, in dem der Isardruck residiert. Im Schweindlhof wohne unter anderem jemand, der behindert sei und im Brandfall allein nicht schnell genug herauskomme. „Jedes Jahr nimmt die Anzahl der Feuerwerkskörper zu. Daher liegt es mir am Herzen, etwas zum Schutz von Menschen und Gebäuden zu unternehmen“, sagt Wassermann.

Vorsitzender fordert Verbot

Der Vorsitzende der Freunde Grünwalds, Thomas Lindbüchl (CSU), blies ins gleiche Horn. Er hatte bereits im vergangenen Dezember im Verwaltungsausschuss nachgefragt, inwieweit es möglich sei, an Silvester rund um die Grünwalder Burg, das Altenheim Römerschanz und das Rathaus bis hinauf zum Schweindlhof die Böllerei zu verbieten.

Ein paar Monate später kam nach einer rechtlichen Prüfung der Vorschlag, es bei einem offiziellen Appell an die Bürger zu belassen, beim Abbrennen von Feuerwerkskörpern besondere Vorsicht walten zu lassen und auf die Tiere Rücksicht zu nehmen. Der Aufruf findet sich in der jüngsten Ausgabe des gemeindlichen Amtsblattes.

Gemeinde sagt: Kontrolle des Verbots nicht möglich

Ein generelles Abbrennverbot von Feuerwerkskörpern könne, so die Einschätzung der Verwaltung, nur in Altstädten mit historischen Gebäuden und einer erhöhten Brandgefahr erteilt werden. Zu denkmalgeschützten Gebäuden müsse ein Sicherheitsabstand von 200 Metern eingehalten werden. Die geografischen Voraussetzungen sind zwar in Grünwald gegeben, aber die Kontrolle des Verbotes durch die Polizei und Ahndung von Bußgeldern im Sperrbereich sah die Verwaltung als nicht umsetzbar an.

„Lebensgefährlicher Feinstaub und Brandgefahr“

Lindbüchl wiederholte trotzdem seinen Vorstoß mit den Worten: „Die Zeit hat uns überholt in Grünwald. Ich finde das schade, denn am Silvestertag herrscht Anarchie am Grünwalder Marktplatz.“ Es sei zu diesem Zeitpunkt an diesem Ort schon lebensgefährlich in Bezug auf Feinstaub. Die Brandgefahr komme hinzu. Lindbüchl: „Hoffentlich schaffen wir es, dass wir hier nicht nur Grünwald heißen, sondern auch ökologisch denken.“

Zweiter Bürgermeister Stephan Weidenbach (CSU) äußerte Verständnis für die Sorgen, brachte aber auch seine Bedenken gegenüber dem Vorstoß vor. Er könne sich nicht vorstellen, wie die Grünwalder Polizei das Treiben sinnvoll überwachen solle, wie die Bußgelder zu verteilen wären und wie die Beamten den Beweis führen sollten, von wo aus die Raketen gezündet worden sind.

Schützenswerte Gebäude

Thomas Lindbüchl lässt sich nicht beirren. Er wandte sich kurz vor Silvester mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit und beklagt das „nicht so selbstbewusste Vorgehen“ des Gemeinderates: Mit dem Schweindlhof habe man in Grünwald einen letzten noch erhaltenen Hof in kompletter Holzbauweise. In der alten Tenne sei zudem die Orgelwerkstätte mit Lagerung uralter, wertvoller Orgeln von Hubertus von Kerssenbrock untergebracht und auch das Holzlager für den Orgelbau. Das alles sei schützenswert, aber auch stark brandgefährdet. Er hätte sich gewünscht, einen Kreis um die Burg und den Schweindlhof zu ziehen, in dem Böller und Silvesterraketen komplett verboten sind. So aber müsse nun der Eigentümer wieder eine Silvesternacht in Angst und „bewaffnet mit Eimern ausharren“. Nächstes Jahr will Lindbüchl wieder einen Vorstoß wagen.

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