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Streitobjekt: Die Broschüre zum Haus der Begegnung. 

„Unlauterer Wettbewerb“

Werbung mit Steuergeldern? - Ärger um teure Architekten-Broschüre

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Grünwald baut mit dem Haus der Begegnung (HdB) das zweitgrößte Projekt in seiner Geschichte. Im Anschluss erscheint auf Kosten der Gemeinde ein Heft, in dem die Architekten im Vordergrund stehen. 

Grünwald– Gemeinderat Helmut Kraus (PBG), selbst Architekt, holte vor einigen Tagen aus seinem Briefkasten eine Postwurfsendung. Eine Werbebroschüre zum Haus der Begegnung, edel aufgemacht, mit einem Vorwort des Bürgermeisters.

Das Mehrgenerationenhaus, so Kraus, sei 2017 fertiggestellt worden: „Da hat es uns natürlich etwas verwundert, dass so eine schöne Hochglanzbroschüre kurz vor der Wahl verteilt wird.“ Im Impressum sei das Architekturbüro Goergens & Miklautz genannt als Herausgeber. Kraus wollte wissen, ob die Gemeinde das Heft gesponsert hat und wer ist für den Inhalt verantwortlich ist.

Die Antwort von Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU) erfolgt prompt und ausführlich. Das Haus der Begegnung sei das zweitgrößte, von der Gemeinde Grünwald jemals realisierte Projekt. Und wie in der Gemeinde seit Jahrzehnten üblich, habe man auch in diesem Fall eine Publikation bringen wollen. Bei der Eröffnung der Römerschanz und des August-Everding-Saales habe Bürgermeister Hubertus Lindner das Vorwort verfasst. Im Fall des Gymnasiums und der Erdwärme einige Jahre später dann Jan Neusiedl. Im neuesten Heft seien auch wieder Architektur und Zweckbestimmung aufgeschlüsselt.

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Späte Veröffentlichung wegen Nacharbeiten

Angesichts der vielen Service- und Nutzungsmöglichkeiten im Haus der Begegnung ist es nach den Worten des Bürgermeisters sinnvoll, dass die Grünwalder viel darüber erfahren. Das HdB sei in Stufen verwirklicht worden. Im Herbst/Winter 2017 hätten soziale Einrichtungen wie die Nachbarschaftshilfe, die Tagespflege und der Kindergarten das Gebäude beziehen können. Ein halbes Jahr später waren demnach die ersten Wohnungen bezugsfertig. Erst im Frühjahr 2019 habe es den Feinschliff an den Außenanlagen gegeben. Im Anschluss daran, so erklärte der Bürgermeister weiter, fragte das Architekturbüro bei der Gemeinde nach, ein Heft herauszugeben. Eine solche Broschüre sei von vornherein eingeplant worden, auch bei der Kostenberechnung.

Mit der Herausgabe der Broschüre war die Gemeinde einverstanden, auch mit dem Grußwort des Bürgermeisters. Neusiedl: „Allerdings habe ich da nicht hineingeschrieben, dass es ein CSU-Antrag war. Das hat auch dort nichts verloren.“ Mit der Herausgabe musste noch abgewartet werden, bis das Sozialcafé Treffpunkt eröffnet hat. „Es ist ja ein Herzstück der Einrichtung.“ Die Auslieferung habe sich daher verzögert.

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Kosten für die Broschüre: 30.000 Euro

Für das Projekt sind alles in allem 39 Millionen Euro veranschlagt worden. Nach Auskunft des Projektsteuerers werde die Gemeinde deutlich unter dem Kostenrahmen bleiben. Es sei mit 38 Millionen Euro zu rechnen. In dem Paket war laut Neusiedl auch eine Darstellung der Architektur und der Hintergründe enthalten. Bezahlt ist es von der Gemeinde Grünwald, für Inhalt und Redaktion ist das Architekturbüro verantwortlich. Der Kostenrahmen inklusive Verteilung lag bei 30.000 Euro, dieser werde auch eingehalten.

Aufgrund von Fragen aus der Bevölkerung habe sich Hauptamtsleiter Tobias Dietz an die Rechtsaufsicht im Landratsamt München gewandt. Dort könne man keine rechtliche Beanstandung feststellen. Unter anderem sei das Haushaltsvolumen der Gemeinde so groß, dass ein solches Heft nicht ins Gewicht fallen würde bezüglich der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit.

„Unlauterer Wettbewerb“

Als ortsansässiger Architekt wollte Helmut Kraus das so nicht gerne stehen lassen und hakte nach. Wenn solche Broschüren in die Briefkästen wandern mit Unterstützung der Gemeinde. „Das würde ich schon als unlauteren Wettbewerb empfinden.“ Denn hier stehe klar das Architekturbüro im Vordergrund. Kraus erwartet, dass eine solche Broschüre im Namen der Gemeinde herausgegeben wird, wenn sie schon das Budget dafür schafft.

Für diese Argumentation äußerte der Rathauschef Verständnis und sagte zu, dass ein solches Produkt künftig von der Gemeinde herausgegeben werde. „Ich war da selber auch nicht glücklich“, sagt Neusiedl. Er habe davon erfahren, als der Druck schon fertig war. „Das macht es nicht besser, denn die meisten wissen, dass mir die Korrektheit sehr wichtig ist.“

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