Die Grünwalder Einkehr steht noch. Nach dem Abriss sollen laut jetzigem Stand Wohnungen errichtet werden.
+
Die Grünwalder Einkehr steht noch. Nach dem Abriss sollen laut jetzigem Stand Wohnungen errichtet werden.

Wohnungen anstatt Wirtshaus

Nach über 100-jährigem Bestehen: Beliebtes Grünwalder Ausflugslokal wird abgerissen - neue Pläne stehen bereits

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
    schließen

Erst vor 13 Jahren ist die Grünwalder Einkehr renoviert und erweitert worden. Doch Eigentümerin Arabella Schörghuber hat das Anwesen jetzt verkauft. Der Abriss steht bevor.

Grünwald - Viele dürfte es wie ein Donner rühren: Die Grünwalder Einkehr wird abgerissen. Eigentümerin Arabella Schörghuber hatte das Anwesen verkauft, jetzt sollen an die Stelle drei Wohnhäuser treten. Die Gemeinde will alles dafür tun, um den Charakter des nördlichen Ortseinganges in seinem Aussehen einigermaßen zu erhalten. Dafür hat der Gemeinderat jetzt einstimmig die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen, eine Veränderungssperre wird erlassen.

Grünwalder Einkehr wird abgerissen: „Das letzte Mittel, um auf geordneten Weg zu kommen“

Diese beiden Maßnahmen dokumentieren laut Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU) gegenüber dem Münchner Merkur, „wie ernst wir die Situation nehmen. Für uns ist es das letzte Mittel, um auf einen geordneten Weg zu kommen.“ Er ließ jedoch keinen Zweifel daran, dass mit dem neuen Eigentümer der Konsens gesucht werde.

Der architektonische Charakter der Umgebung müsse im Neubau mit berücksichtigt werden. Im vergangenen Jahr verkaufte die Inhaberin die Einkehr, im Februar reichten die neuen Eigentümer konkrete Pläne für einen Neubau ein, an die Stelle der Einkehr sollen 14 Wohnungen rücken, verteilt auf drei Gebäude. Eine Tiefgarage mit 28 Stellplätzen sehen die Planer ebenfalls vor.

Grünwalder Einkehr: Erst der große Umbau, jetzt das Aus

Erst vor 13 Jahren hatten die damaligen Eigentümer das Gebäude mit seinen 3722 Quadratmetern Grund umgebaut und erweitert mit über 400 Plätzen in der Wirtschaft und rund 100 Plätzen im Wirtsgarten. Für die Gastronomie hat sich die Einkehr in den letzten Jahren nicht mehr gelohnt. Hinzu kam, dass die Ehe zwischen Peter Pongratz und Arabella Schörghuber vor drei Jahren geschieden wurde.

Pongratz musste den Betrieb aufgeben, hat sich neu orientiert, bis ihn das Schicksal Ende vergangenen Jahres schrecklich mitspielte. Nach einer Operation fiel er ins Koma und ist seither auf der Intensivstation. Arabella Schörghuber versuchte in den vergangenen Jahren, die Gastronomie erfolgreich weiter zu verfolgen. Offenbar ließ sich das Konzept aber nicht umsetzen, jedenfalls trennte sie sich im ersten Coronajahr von der Grünwalder Einkehr.

Grünwalder Einkehr hat lange Tradition: Vor 850 Jahren das erste Mal urkundlich erwähnt

Aus Sicht der Gemeinde spielt dieser Platz für den Ort eine eminent wichtige Rolle, denn es handelt sich um einen der ältesten Siedlungskerne in Geiselgasteig. Die Einkehr ist vor rund 850 Jahren das erste Mal urkundlich erwähnt worden. Ein paar hundert Jahre später, 1726, erwarb Herzog Wilhelm von Bayern das Anwesen. Er ließ auf dem Hof eine Schwaige errichten und das Gut an Bauern verpachten, wie im Gemeinderat erklärt wurde.

Vor knapp hundert Jahren war dann die Geburt der Einkehr Geiselgasteig als Restaurant im Biedermeierstil. Auch wenn später Häuser in dem Gebiet hinzukamen, sei der Charakter am Ortseingang Grünwalds bis heute erhalten geblieben, wie Anija Schlichenmaier vom Bauamt ausführte. Während die Kapelle als Baudenkmal erfasst ist, gilt das nicht für die Grünwalder Einkehr, die nach etlichen Umbauten bis auf den Torbogen kaum mehr ursprüngliche Bestandteile enthält. Das Bild, das jetzt dort dominiert, soll nach dem Willen der Gemeinde auch künftig abgebildet werden – festgezurrt durch Vorgaben der Wand- und Firsthöhen, der Kubatur und vielem mehr.

Aus für Grünwalder Einkehr: Kein Denkmalschutz für das Wirtshaus

Das Bayerische Amt für Denkmalpflege, der Kreisheimatpfleger, die Gemeinde und die neuen Eigentümer haben sich vor Ort schon einmal getroffen mit dem Ergebnis: Als Einzelbau genießt die Einkehr keinen Denkmalschutz. Nur ein Straßenensemble könne man hier eventuell erkennen. Darüber wird jetzt der Landesdenkmalrat befinden.

Das könne sich ein halbes Jahr oder auch länger ziehen. Bürgermeister Neusiedl: „Wir wollen das Ensemblegefüge in jedem Fall erhalten, egal ob eine Gaststätte drin ist, Wohnungen oder Büros.“ Untersucht werden muss auch, ob sich eine Tiefgarage am Grünwalder Isarhang überhaupt verwirklichen lasse. „Es ist nicht das einfachste Grundstück in Grünwald, direkt neben dem FFH-Gebiet.“

Eine weitere Frage gilt es noch zu klären, ob nämlich im dortigen Mischgebiet eine reine Wohnbebauung möglich ist. Neusiedl: „Wir sind jetzt noch völlig am Anfang.“ Wie wichtig dieser Bereich für Grünwald ist, das betonte am Ende Alexander Steininger (CSU). Dazu gehört für ihn der Erhalt des Gebäude-Eindrucks genauso wie der Kastanien, die den Einkehr-Parkplatz umfassen und eine natürliche Fassade bilden. Der gemeindliche Anwalt ist der Auffassung, dass dieses Ziel erreicht werden kann.

Nach langem Warten haben die Hausärzte im Landkreis München jetzt endlich Corona-Impfstoff. Doch es sind kaum Impf-Berechtigte übrig. Eine kuriose Suche beginnt. Und die Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg schließt fünf Geschäftsstellen im Landkreis und wandelt sie in reine SB-Standorte ohne persönlichen Ansprechpartner um. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Landkreis-München-Newsletter.

(Von Marc Schreib)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare