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Erst vor einem Jahr ist Dana von Suffrin nach Grünwald gezogen. Hier fühlt sie sich wohl. 

Debütroman geht durch die Decke

Mit „Otto“ von Preis zu Preis

Mit ihrem Debütroman „Otto“ ist Dana von Suffrin (34) aus Grünwald eine anrührende Familiengeschichte gelungen, die von den Feuilletons hochgelobt wird und den Debütpreis des Buddenbrookhauses in Lübeck sowie den Ernst-Hoferichter-Preis erhalten hat.

Im Münchner Merkur spricht die Autorin über ihr Erstlingswerk. Am Freitag, 24. Januar, um 19 Uhr liest sie in der Pullacher Bücherei daraus.

Wie sind Sie auf „Otto“

gekommen?

Die Idee zum Roman hatte ich schon lange. Es hat sich ein paar Jahre in meinem Kopf formiert und ich musste es dann nur mehr oder weniger herunterschreiben. Das hat nicht wahnsinnig lange gedauert, vielleicht ein halbes Jahr. Ich wollte eine Familiengeschichte schreiben, die sehr kritisch ist. Oft sind sie mir zu positiv oder zu negativ dargestellt, es sollte bei mir etwas Ambivalentes sein. Die Familie, wie sie halt wirklich ist.

Das heißt, es ist sehr viel Autobiografisches darin?

Ich glaube, beim Schreiben muss das so sein. Der Vater ist mit eingeflossen. Allerdings wollte ich einen Typus gestalten, weshalb auch noch viele andere Leute und viel Fantasie mit hineingekommen sind.

Hat Ihr Vater – wie die Romanfigur – darum gebeten, die Familiengeschichte aufzuschreiben?

Ja, einen solchen Moment gab es tatsächlich. Was ich übernommen habe, das ist der Vater, der spät Kinder bekommt. Ich bin Historikerin und ich kenne es daher, dass ältere Leute das Bedürfnis entwickeln, ihre Geschichte noch einmal auszubreiten und festzuhalten. Mich hat auch sehr interessiert, wie eine solche Biographie aussieht, wie man sie erzählt, was man mit aufnimmt, weglässt oder erfindet. Das sind Prozesse, die gar nicht willentlich gesteuert sind. Das macht man oft unbewusst und versucht, seine Identität rund zu kriegen.

Haben Sie ein Vorbild für die Form, die Sie gewählt haben?

Wer mich ganz stark beeinflusst hat, war Natalia Ginzburg, eine italienische Schriftstellerin des vorigen Jahrhunderts. Sie hat ein Familienlexikon geschrieben. Da geht es viel um eine starke Vaterfigur, es spielt in den 1930er-Jahren.

Momentan blühen die kreativen Schreibwerkstätten, haben Sie selbst daran teilgenommen?

Nein. Ich, ich habe schon oft kleinere Sachen geschrieben, hätte aber früher nie gedacht, dass es sich in eine solche Richtung entwickelt. Ich habe angeblich sehr früh angefangen zu sprechen und zu erzählen. Nein, also ehrlich gesagt war das für mich ein Wunder, dass daraus etwas geworden ist.

Ist das Schreiben für Sie ein Kontrapunkt zum eher trockenen Wissenschaftsbetrieb?

Ein Teil ist sehr ähnlich. Als Historikerin muss ich auch ein Narrativ finden. Auch die Disziplin und viele Stunden, in denen man frustriert ist, weil nichts gelingt. Die Technik ist nicht so unterschiedlich. Aber im Unterschied zum wissenschaftlichen Betrieb war es für mich befreiend, dass ich mir etwas ausdenken kann und keine Fußnoten setzen muss.

Das Gespräch führte
Marc Oliver Schreib.

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