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Die virtuelle Realität - erlebbar mit Brillen.

FDP will Standort für "Start Ups" auf dem Bavaria-Film-Gelände

Mediencampus in Grünwald: Kreistag sehr skeptisch

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Grünwald - Die FDP-Kreistagsfraktion will einen neuen Mediencampus auf dem  Bavaria-Film-Gelände. Der Bürgermeister und viele Kreisräte sind nicht begeistert.

Über ein Jahr lang ist der FDP-Antrag für einen neuen Mediencampus im Landkreis München im Kreisausschuss nicht behandelt worden. Als er in der jüngsten Sitzung zur Sprache kam, sorgte das Thema für eine hitzige Diskussion. 

Der Antrag selbst hatte wenig Brisanz. Die FDP-Kreistagsfraktion setzt sich für den Aufbau eines neuen Gründerzentrums für junge Medienunternehmen ein, so genannte „Start-Ups“. Der Schwerpunkt soll dabei auf Firmen gelegt werden, die sich mit der „Virtual Reality“ (virtuelle Realität) beschäftigen. Ein aufstrebender Zweig der Computerspiel- und Filmindustrie, wie FDP-Kreisrat Tobias Thalhammer versicherte. 

„Diese Technologie ist Zukunftsmusik“, sagte Thalhammer. Daher müsse man schon die Weichen stellen und für die nötigen Gebäude und die Infrastruktur sorgen, um den Landkreis als Medienstandort zu festigen und für junge Gründer attraktiv zu machen. Erste Unternehmen hätten bereits Interesse signalisiert. Namen wollte Thalhammer keine nennen. 

Für Aufregung sorgte der Standort, der den Liberalen für den „Start-Up“-Campus vorschwebt: das Gelände der Bavaria-Filmstadt in Grünwald. Thalhammers Anmerkung, die Gemeinde hätte durchaus Interesse an einer Ansiedlung, quittierte Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU) trocken mit: „Nur die FDP. Aber da kennen Sie meine Gemeinde wohl besser als ich.“ 

Auf Nachfrage bestätigte Neusiedl, dass der Antrag im Grünwalder Gemeinderat zwar diskutiert wurde, zu einem Ergebnis ist man im November 2014 aber nicht gekommen. Vielmehr wurde die FDP dazu aufgefordert, den Antrag nochmals zu überarbeiten und ein „fundiertes Konzept“ vorzulegen. Das sei bisher aber nicht geschehen. 

„Uns hat sich damals nicht erschlossen, was wir als Gemeinde dazu beitragen sollen“, begründete Neusiedl die Entscheidung. „Wir können ja nicht mit fremder Leute Geld und Grundstück planen.“ Das gehört nämlich nicht der Gemeinde, sondern der Bavaria Film GmbH. Dass er generell nicht all zu viel vom Vorhaben der FDP hält, merkte man dem Grünwalder Rathauschef an. Er selbst sprach gar von einem reinen „Showantrag“. 

Und auch die anderen Fraktionen konnten sich nicht wirklich für den Antrag erwärmen. Allen voran die Freien Wähler um Michael Sedlmeier. Der wies darauf hin, dass es nicht die Aufgabe des Landkreises sei, in solchen Fällen aktiv zu werden. Derartige Projekte könne man zwar fördern, aber nicht „einfach etwas hinstellen“ und darauf hoffen, dass sich etwas ergibt. 

Diese Aussagen wollte FDP-Mann Thalhammer nicht kommentarlos auf sich sitzen lassen. Er warf den Freien Wählern vor, die „Fortschritts-Verweigerer im Landkreis“ zu sein: „Wenn Sie Ahnung hätten, wüssten Sie, dass gesteigertes Interesse der Unternehmen besteht.“ Ingrid Lenz-Aktas (SPD) versuchte zu vermitteln und schlug vor, erst einmal abzuwarten, ob entsprechende Unternehmen auf die Verwaltung zukommen. „Wir können die Rechnung nicht ohne den Wirt machen“, fasste Landrat Christoph Göbel (CSU) die Bedenken seiner Kreistags-Kollegen zusammen und beschwichtigte. So lange nicht klar sei, ob überhaupt Interesse seitens der Wirtschaft an einem Campus besteht, werde man ein solches Projekt auch nicht weiter verfolgen. 

Momentan ist der Landkreis an drei Gründerzentren als Gesellschafter beteiligt. Mit dem kürzlich nach München abgewanderten „Werk1.Bayern“ ist eines darunter, dass sich dem von der FDP favorisierten Technologiebereich verschrieben hat. „Damit ist wesentlichen Motiven des FDP-Antrags bereits Rechnung getragen“, heißt es in der Beschlussvorlage. Daher entschieden sich die Kreisräte dafür, den Antrag zunächst zu vertagen und die Entwicklung des „Werk1.Bayern“-Gründerzentrums abzuwarten. SPD-Kreisrat Edwin Klostermeier sorgte mit seinem persönlichen Standpunkt für Gelächter im Sitzungssaal: „Virtuelle Welten brauche ich nicht fördern, die reale Welt ist kompliziert genug.

Florian Prommer

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