Diese zeichnerische Ansicht der Grünwalder Einkehr entstand im Jahr 1905.
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Diese zeichnerische Ansicht der Grünwalder Einkehr entstand im Jahr 1905.

Historie

Rettung der Grünwalder Einkehr: Einblick in ein Stück Ortsgeschichte

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
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Wer nicht nur durch Grünwald hindurchfährt, sondern eine gewisse Verbundenheit mit dem Ort verspürt, der wird sich sehr darüber freuen, dass die Grünwalder Einkehr in ihrer jetzigen Form erhalten bleibt. Turbulente Zeiten hat dieses Stück Orts Geschichte bereits hinter sich.

Grünwald - Die Gemeinde hat sich nach Kräften und erfolgreich darum bemüht, einen Ensembleschutz beim Bayerischen Landesamt für Denkmalschutz zu erreichen. Der Denkmalrat entschied jetzt in diesem Sinne.

Die einzige Chance der Gemeinde, hier einen Bestandsschutz zu erreichen, lag darin, einen Zusammenhang zwischen der Heilig Blut Kapelle gegenüber und der Einkehr herzustellen. Die Kapelle ist nämlich das einzige Bauwerk, das von der einstigen Schwaige in Geiselgasteig erhalten ist, wie Wolfgang Kuny in der Vereinszeitschrift der Freunde Grünwalds vom August 2020 in einem Aufsatz unter dem Titel „Vorschlag für einen Sonntagsausflug ins Isartal im Jahr 1901“ schreibt. Pächter Balthasar Ranckhenpacher habe sie 1627 zum Dank für seine Heilung von schwerer Krankheit erbaut. Auch heute wieder scheint sie Glück für den Ort und seine Bewohner zu bringen, indem sie den Ortseingang vor einer stark verändernden Bebauung schützt.

Gaststätte wurde 1881 eröffnet

Hier hat sich schon im 15. Jahrhundert eine der Schwaigen befunden, die das Jagdgebiet der Wittelsbacher Herzöge am Hochufer der Isar säumten. Es folgt eine turbulente Geschichte des Gutes im Besitz des Adels, der im 19. Jahrhundert das Gut nicht mehr halten kann. Die Schwaige wurde, wie Wolfgang Kuny, weiter berichtet, 1828 an den Münchner Weinhändler Anton Bader verkauft, und in der Folgezeit veränderte sich das Aussehen und auch die Nutzung stark. „Die Eigentümer wechselten oft.“ Es folgen Immobilienspekulationen. Interessant wird es in der Zeit der Industrialisierung, um 1870, als der königlich bayerische Major Camille Graf von Seyssel d’Aix, das Anwesen am Isarhochufer erwarb. Auf die Dauer habe der Graf den Ausflugsverkehr ins Isartal im Blick gehabt: Seine Gaststätte „Zur Einkehr“ wurde 1881 eröffnet: mit Weißbierbrauhaus, Gasträumen und einer Kegelbahn. Wie es im ersten Band der Grünwalder Chronik heißt, seien die übrigen Gebäude von diesem Komplex abgetrennt worden. In jüngster Zeit wurde das Rumpfstück Einkehr den modernen Ansprüchen der Gastronomie angepasst mit einer starken Veränderung im Inneren, dem Abriss des Salettls und einem Neubau an gleicher Stelle.

Dieses Bild der Gaststätte hat man heute noch vor Augen.

Grünwalder Freunde sind erleichtert

Für die Freunde Grünwalds ist der durch den Denkmalschutz garantierte Erhalt des Geiselgasteig-Ensembles ein Grund zur Freude. Sie setzten sich vor Jahren schon für den Erhalt der Grünwalder Burg in Staatsbesitz ein. Hier ist in allererster Linie der verstorbene Heimatpfleger und Ehrenbürger Hans Waldhauser zu nennen, der sich sicher auch über die neuerliche Entwicklung gefreut hätte. Der Vorsitzende des Vereins, Thomas Lindbüchl, hatte schon gar nicht mehr an einen Erhalt der Einkehr geglaubt. Doch jetzt sagte er: „Ich bin maximal erfreut.“ Denn nach der Burg sei dieser Platz ein wichtiger Teil der Grünwalder Geschichte und Erinnerung. Er empfand den Umbau der Einkehr vor etwas mehr als zehn Jahren bereits als schlimmen Eingriff, den man habe hinnehmen müssen.

Jetzt erhoffen sich die Freunde Grünwalds, dass mit dem neuen Eigentümer der Einkehr konstruktive Gespräche geführt werden über die künftige Nutzung. Lindbüchls Befürchtung: Es könnten Wohnungen auf dem jetzigen Parkplatz entstehen. Aber es gebe ja laut Gemeinderatsbeschluss eine Veränderungssperre plus Aufstellung eines Bebauungsplanes. Da gehe es darum, den bestehenden Rest der einstigen Einkehr in seiner ortsprägenden Gestalt weiterhin zu wahren.

Die ehemalige Schwaige mit Gutshof und Kapelle im Jahre 1912.

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