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Es holpert zu arg: Die Tage für das graue Mosaiksteinpflaster auf dem Luitpoldweg in Grünwald sind gezählt. 

Grünwalder Ortsmitte

Saubere Lösung oder doch nur Stückwerk?

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Der Planungsstillstand am Luitpoldweg ist behoben. Wie Thomas Bühler (CSU) es jetzt im Gemeinderat formulierte: „Der große Wurf ist es nicht geworden. Dafür aber eine ordentliche und saubere Lösung.“

Grünwald – Gestalterisch sei wegen der Eigentumsverhältnisse nicht mehr möglich gewesen. Was heißt das konkret? In den nächsten Monaten bekommt der zentral gelegene Durchgang nach einem Beschluss im Grünwalder Gemeinderat ein neues Aussehen. Nachdem fünf Jahre lang kein entscheidender Fortschritt zu verzeichnen war, wird der Verbindungsweg von der Rathausstraße zum Derbolfinger Platz jetzt ein neues Pflaster erhalten. Auch an den Eingangsbereichen zu beiden Seiten sind Arbeiten zum barrierefreien Ausbau notwendig.

Vor vielen Jahren kam die erste Fernwärmeleitung in die Rathausstraße. Die Sanierung des Asphalts wurde zurückgestellt, weil nicht klar war, wie die Gestaltung der Ortsmitte sein wird. Jetzt soll es zügig gehen. In einem ersten Schritt ist der Derbolfinger Platz dran – der verkehrstechnische Knotenpunkt der Gemeinde. Er wird innerhalb von drei Wochen in den Sommerferien barrierefrei umgebaut. „Wir müssen die öffentliche Busse für Rollstuhlfahrer und anderweitig behinderte Menschen zugänglich machen“, sagt Bauamtsleiter Stefan Rothörl auf Nachfrage des Münchner Merkur. Unter anderem wird der Gehweg, der an der Trambahnschleife herumführt, auf zwei Meter verbreitert. Ein Zebrastreifen kommt hinzu. Die kleineren Fraktionen hätten den Übergang gerne als lineare Fortsetzung des Luitpoldweges gesehen.Im Zuge dessen hätte man allerdings zwei bis drei Parkplätze streichen müssen (siehe Foto). Die Durchsicht zum Derbolfinger Platz, so die Überzeugung einiger Gemeinderäte, zum Springbrunnen wäre wunderbar, städtebaulich wünschenswert. Doch es bleibt wie geplant – mit dem Argument, dass die Gewerbetreibenden auf jeden Parkplatz angewiesen seien.

Für Trambahnfahrgäste, die ankommen, gibt es künftig mit dem Zebrastreifen ein neues Angebot. Im Zuge der Arbeiten soll auch der Luitpoldweg angegangen werden. „Aber den werden wir nicht ganz schaffen“, sagt Bauamtsleiter Rothörl. Anstelle des holprigen Mosaiksteinpflasters mit Entwässerungsrinne in der Mitte wird ein rutschfester Belag ausgesucht – für Rollstuhlfahrer, Rollatoren und Reisende mit Koffern ideal. Damit Winterdienst und Feuerwehr mit ihren schweren Fahrzeugen gut rangieren können, ist kein zusätzliches Grün vorgesehen. Zum Glück gibt es einen üppigen Baumbestand in den Privatgärten, der in den Weg hineinragt. Das sieht der Gemeinderat mehrheitlich als ausreichend an. Rothörl: „Wenn ich jetzt hier eine Möblierung rein bekomme mit kleinteiligen Blumenbeeten, dann verkommen die Grünflächen sehr schnell zum Hundeklo. Vandalismus und Beschädigungen aller Art könnten die Folge sein.“

Viel Raum gibt es für die Radler, die hier künftig auch offiziell durchfahren dürfen: Eine überdachte Anlage mit 62 Fahrradabstellplätze kommt obendrauf. Zusätzliche zwei Seniorenbänke am Derbolfinger Platz sind neben dem Rondell vorgesehen. Die Standuhr neben den Taxiparkplätzen muss versetzt, die Busbucht umgebaut werden. Der Randstein wird höher für einen bequemen Einstieg. Wenn das Wetter mitspielt, ist im Herbst nach dem Luitpoldweg auch noch die Rathausstraße dran.

Das zuständige Ingenieurbüro soll außerdem die Möglichkeit einer indirekten Beleuchtung prüfen, gemeint sind zum Beispiel angestrahlte Bäume oder ein Lichtband in einem Mauerstreifen. Damit wird sich demnächst der Bauausschuss befassen.

Mit dem Konzept waren die kleineren Fraktionen ganz und gar nicht einverstanden, unter anderem die PBG: Sie hält das Vorhaben für Stückwerk. Die Lösung könne vielleicht als Diskussionsgrundlage für eine Bürgerbeteiligung dienen, mehr nicht. Dietmar Jobst gegenüber dem Münchner Merkur: „Die einmalige Chance wurde nicht genutzt, aus der Ortsmitte eine gute Stube Grünwalds zu machen.“

Warum nicht die Bürger beteiligen? Ein entsprechender Antrag von Achim Zepppenfeld (SPD) wurde abgelehnt. Der Sozialdemokrat empfand die vorgestellten Lösungen als ungenügend. Ein schlüssiges Konzept zum Rad- und Fußgängerverkehr, Beleuchtung, Begrünung? Fehlanzeige, wie er zu Protokoll gab. Auch Michael Ritz (FDP) gab eine Erklärung ab: Er wollte im Zuge der Sanierung eine Elektrotankstelle für Autos und Fahrräder haben – als Signal für eine zukunftsorientierte Gemeinde.

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