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Den offizielle Startschuss für das Kalina-Werk in Unterhaching gab 2009 der damalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (3.v.l.). Außerdem mit dabei (v.l.) Jens Wegmann von Siemens, Bürgermeister Wolfgang Panzer, Geothermis-Geschäftsführer Wolfgang Geisinger, Altbürgermeister Erwin Knapek, Staatsminister Siegfried Schneider und Gerlinde Kittl. 

Stromanlage in Unterhaching

Prestige-Kraftwerk droht das Aus

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In der Kalina-Stromanlage in Unterhaching werden seit vielen Jahren neben den Einnahmen auch viele Kilowattstunden Ärger produziert. Seit Sommer steht das einstige Prestigeprojekt der Energievision der Bundesrepublik Deutschland still. Möglicherweise für immer.

Grünwald/Unterhaching – Vor acht Jahren war der damalige Umweltminister Sigmar Gabriel zur Eröffnung angereist und hatte den Startknopf der Anlage gedrückt. Das hat kein Glück gebracht. Laut dem Geschäftsführer der Erdwärme Grünwald (EWG), Andreas Lederle, wird intern beraten, wie es mit der Stromerzeugungsanlage weiter gehen soll. Auch eine Abschaltung wird in Betracht gezogen.

Dass die Stromerzeugungsanlage eine Belastung für die Gemeindekassen darstellt, ist kein Geheimnis. Der Wert der Beteiligung der Gemeinde Grünwald liegt im Claim, in der Wärmeproduktion und im Wärmeverkauf. „Wir wissen alle, dass Kalina eine herausfordernde technische Angelegenheit ist“, erklärt der EWG-Geschäftsführer vorsichtig. Sei Kollege Wolfgang Geisinger aus Unterhaching kann ihm da nur zustimmen. Schon in der Vergangenheit habe man regelmäßig und intensiv mit der Anlage zu tun gehabt. „Im Moment sind wir in einer Stillstandsphase.“

Der Wärmeverbundpartner Unterhachings, die Gemeinde Grünwald, investierte seit Vertragsbeginn im Februar 2012 bereits 23,5 Millionen Euro in die Zusammenarbeit mit Unterhaching – plus zweimal ein Darlehen von 600 000 Euro. Ein drittes Darlehen über eine Höhe von 1,25 Millionen Euro wurde in Grünwald soeben gewährt, wie aus sicherer Quelle zu erfahren ist. Auch Unterhaching hat sich dazu durchgerungen, noch einmal 1,25 Millionen Euro hineinzustecken, um eine drohende Insolvenz abzuwenden. Damit werden die laufenden Verpflichtungen erfüllt. Aber was ist bei einer größeren Panne?

„Ein Fass ohne Boden.“ So jedenfalls titelte der Münchner Merkur bereits 2013, als Unterhaching weitere vier Millionen Euro in das Vorzeigeprojekt stecken musste. Bereits damals sprach man im Gemeinderat von einer „immensen Belastung“ und einem „Projekt, das schlicht gescheitert“ sei – nämlich aus der Stromerzeugung langfristig vernünftige Einnahmen zu generieren. Klar ist, und daran lässt auch EWG-Geschäftsführer Lederle keinen Zweifel, dass die Beteiligung seines Unternehmens im Wärmeverbund mit Unterhaching dereinst „nicht wegen, sondern trotz Kalina“ erfolgt sei.

Geothermie-Pionier Erwin Knapek, Altbürgermeister von Unterhaching, verfolgt die leidige Geschichte der Strom-Erzeugung: Er glaubt nicht, dass das Kapitel der Kalina-Technologie in Unterhaching abgeschlossen ist. Allerdings: Kaum einer kennt die Anfälligkeit des Systems so genau wie er.

Das Problem, das im Kraftwerk auftritt, liegt seines Wissens nach nicht im Kalina-Prozess selbst, der reibungslos funktioniert. Der Teufel stecke im Material, das für die Wärmetauscher verwendet wurde. „Im Grunde müsste man den besten Edelstahl nehmen, der existiert“, erklärt der studierte Physiker. In Hinsicht auf die Effizienz sei die Kalina-Methode anderen vorzuziehen, weil sie 25 Prozent mehr Energieausbeute liefere. Aber: „Wir hatten von Anfang mit den Wärmetauschern Probleme. Als die Anlage das erste Mal nach Eröffnung durch Umweltminister Gabriel angeschaltet wurde, hat es schon nach einer halben Stunde nach Ammoniak gestunken.“ Die Wärmetauscher waren damals nicht dicht, Gummidichtungen halfen nicht. Also musste geschweißt werden Das Thermalwasser macht auch Probleme mit Calciumkarbonat-Ablagerungen. Durch Zugabe eines Inhibitors kann das nur reduziert, aber nicht gänzlich unschädlich gemacht werden.

Allerdings, das macht Geschäftsführer Wolfgang Geisinger deutlich, dürften die Probleme mit der Stromerzeugung im Kalina-Werk nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Wärmelieferung in Unterhaching, also das Hauptgeschäft, hervorragend funktioniere. Mehr als 50 Prozent der Haushalte in der Gemeinde waren bereits 2015 mit einem Geothermie-Anschluss versehen.

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