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Die Pläne für eine Villa auf dem alten Luftschutzbunker sind geplatzt.

Landratsamt lehnt Nobelbau in Grünwald ab

Aus dem "Schlösschen" wird doch nichts

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Grünwald - Erst ja, dann nein - und diesmal endgültig. Das Landratsamt lehnt den Bau der Villa "Bunker" ab - gleich aus mehreren Gründen.

Es hätte das mit Abstand wertvollste architektonische Ensemble in Grünwald stark verändert. Direkt gegenüber der Burg, neben dem Schlosshotel und unweit der Kirche St. Peter und Paul, wollte der Münchner Immobilienmagnat Manfred Rübesam eine Villa in neugotischer Bauweise mit Erker, Zierfiguren und Rundbögen errichten – auf einem ehemaligen Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg.

Dem konkreten Plan erteilte das Landratsamt München jetzt in mehrfacher Hinsicht eine Absage. Mit Erstaunen haben die Mitglieder des Bauauschusses das Schreiben aus dem Landratsamt zu Kenntnis genommen. Bauamtsleiter Stefan Rothörl gab die Worte wieder: „Das Landratsamt stellt fest, dass der Erdhügel zum Bunkerbauwerk von Menschen Hand als Bestandteil der Bunkeranlage aufgeschüttet worden ist und demzufolge der Bezugspunkt zur natürlichen Geländeoberfläche nicht die Oberkante des Bunkers, sondern die angrenzenden Nachbargrundstücke sowie die Zeillerstraße heranzuziehen sind.“ 

Die Villa „Bunker“ würde sich drei Meter über Geländeniveau erheben. Zu viel des Guten. Außerdem kam die Behörde zu der Auffassung, dass eine denkmalschutzrechtliche Erlaubnis nötig ist. Denn der geplante romantisierende Baukörper trete durch seine äußere Erscheinung in ein Konkurrenzverhältnis zum Baudenkmal, der Burg Grünwald. Er wirkt sich demnach negativ auf das Erscheinungsbild der spätmittelalterlichen Burganlage gegenüber aus. 

Diese Argumentation hatten die Gegner der Pläne im Bauausschuss fast wortgleich benutzt. Das Pikante dabei aber ist: Die Grünwalder Verwaltung hatte lange vor der Diskussion im Bauausschuss extra im Landratsamt nachgefragt und wissen wollen, wie an der Stelle gebaut werden darf. Das Ergebnis dieser ersten Auskunft lautete, dass der Denkmalschutz keinerlei Rolle spiele und dass der aufgeschüttete Erdhügel als natürliche Geländeoberfläche gelten dürfe.

Wie kann es sein, dass sich die zwei Aussagen diametral widersprechen? Der Bauamtsleiter erklärt die Diskrepanz damit, dass das Landratsamt in Anbetracht der konkreten Pläne mit klaren Größenangaben und der Ausgestaltung zu dem entgegengesetzten Schluss gekommen sei. Ein Triumph für den Bauausschuss. Hier war der Bau mit 8:3 Stimmen abgelehnt worden. Und die drei Stimmen dafür kamen ohnehin nur deshalb zustande, weil man der Erkundigung der Verwaltung gefolgt war. 

Reinhard Splettstößer (CSU) hat es schon damals nicht verstanden, wie das Landratsamt zu einer zunächst positiven Einschätzung einer solchen Bauweise haben können. Für ihn wäre es eine Katastrophe gewesen, wenn die Pläne umgesetzt worden wären, „an einem der schönsten Flecken in Grünwald einen solch aufdringlichen Bau im Stile des Schlosses Neuschwanstein hinzusetzen“. Das hätte seiner Meinung nach den Rahmen gesprengt. Auch Alexander Steininger (CSU) und Ingrid Reinhart-Maier (Grüne) dürfen sich bestätigt sehen. Beide lehnten das Ansinnen des Bauwerbers Manfred Rübesam ab. Dieser muss sich nun etwas anderes einfallen lassen. Sein Anwesen muss sich stärker ins Ortsbild eingliedern, darf nicht in ein Konkurrenzverhältnis zur historischen Bebauung treten und sich auch nicht über die restliche Bebauung in der Höhenentwicklung erheben.

Marc Oliver Schreib

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