Interview

„Wir sind unser eigener Festwirt“

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Grünwald– Das Dorffest in Grünwald wird in diesem Jahr den üblichen Rahmen sprengen. Zum 125-jährigen Bestehen des Burschenvereins „Einigkeit“ haben sich die Aktiven auf einen fünftägigen Marathon mit Höhepunkt am Sonntag, 18. Juni,eingelassen und wollen die Verpflegung und Organisation komplett aus eigener Kraft stemmen. Der Münchner Merkurwollte vom Vorsitzenden Quirin Strobl wissen, wie man eine solche Feier ausrichtet.

-Herr Strobl, muss das Zelt heuer größer sein als sonst?

Es ist diesmal mehr doppelt so groß mit fast 1500 Sitzplätzen innen (außen 600). Das haben von einem Zeltbauer ausgeliehen, der unter anderem auf der Wiesn Zelte aufstellt. Es ist 20 Meter breit, 50 Meter lang. Das bauen wir am selber auf und sparen uns so viel Geld. Unser reguläres Zelt verwenden wir als Küchenzelt. Wir haben unseren eigenen Koch im Verein, Fabian Huber, einen ausgebildeten Profi.

-Viele Vereine geben das Kulinarische an Festwirte ab...

Genau. Die bringen dann das notwendige Know-How und das nötige Equipment mit. Dann können die Vereine selbst feiern. Wir haben uns aber vor knapp eineinhalb Jahren dazu entscheiden, alles selbst in die Hand zu nehmen. Wir sind über 70 aktive Mitglieder. So viele wie nie zuvor in der Vereinsgeschichte. Hinzu kommen sechs Anwärter, die noch aufgenommen werden. Das heißt, wir kratzen an den 80. Auf jeden Fall haben wir so viel Mannkraft, dass wir unser eigener Festwirt sein können.

-Das heißt?

Wir kochen alles ausnahmslos selber. Am Samstag, 17. Juni, gibt es Spanferkel zum Familiennachmittag, der Fabi macht einen Kaiserschmarrn. Das muss man für über 1000 Personen auch erst einmal hinbekommen.

-Mit solchen Mengen zu kalkulieren ist alles andere als einfach, oder?

Das kriegen wir hin. Wie bei Burschenfesten üblich, wird es mal den ein oder anderen Stau geben: Wenn zum Beispiel 100 Leut’ auf einmal einen Schweinebraten haben wollen.

-Was wird ausgeschenkt?

Augustiner aus dem Holzfass. Viele stellen sich einen Stahltank hin, aber das ist eben nicht das Gleiche.

-Wie viele Liter habt ihr denn im Auge?

Das darf ich leider nicht sagen. Aber man kann es sich ausrechnen. Wenn es brechend voll ist, werden viele nicht nur eine Mass am Abend trinken, im Schnitt eher zwei Mass pro Person. Und dann laufen da schon ein paar tausend Liter durch. Wir haben extra eine zweite Schenke, damit es nicht zum Stau kommt. Denn wenn es kein Bier gibt, werden die Leute eher unruhig. Die zweite Schenke wird übrigens von unseren Altburschen bedient, unter anderem Robert Zettel, Reinhold Splettstößer, Rudolf Houzer und André Rummenigge. Seit einem Jahr machen wir nichts andere mehr als organisieren. Ich studiere nebenher noch Bauingenieurwesen in Konstanz und fahre ein bis zweimal pro Woche nach München. Die drei Stunden im Auto benutze ich, um Telefonate zu führen und E-Mails via Sprachsteuerung zu schreiben. Da gab es Fahrten, bei denen ich keine Minute Radio gehört habe, und stattdessen mit dem Dekorateur fürs Zelt oder mit dem Metzer telefoniert habe. Man nutzt jede freie Sekunde.

-Ein logistischer Kraftakt. Haben Sie beim Essen genauere Angaben zu den Mengen, die Sie einplanen?

Beim Kartoffelsalat sind es 950 Kilo. Die werden in der Woche zuvor zubereitet, damit er schön durchziehen kann. 200 Kilo Obazda, 1200 halbe Hendl. Wir beziehen unsere frischen Waren von ortsansässigen Geschäften. Man könnte alles bei der Metro kaufen, aber wir sind ein Traditionsverein und zahlen lieber 50 Cent mehr, und dafür bleibt das Geld am Ort.

-Sie legen viel Wert auf die Dekoration?

Ja, die Leute sollen ja möglichst oft kommen. Deshalb wird uns Augustiner das komplette Zelt superschön dekorieren mit Girlanden, Kränzen und weißblauen Stoffbahnen, damit es ansprechend aussieht und nicht wie eine Plastik-Zelthalle.

-Hinzu kommen die Auftritte, die als Magnet wirken.

Genau. Am ersten Tag haben wir bayerisches Kabarett mit Blasmusik untermalt: „Da Huawa da Meier und i“. Die einzige Veranstaltung mit Kartenvorverkauf. Er läuft gut. Wir wollten jemand Bekanntes im Münchner Raum, damit das Zelt auch voll wird. Aber es soll gleichzeitig ein Dorffest bleiben. Sinn der Sache ist ja nicht, dass plötzlich 10 000 Menschen vor dem Zelt stehen wegen einer populären Band. Wir sind Studenten, Schüler, Auszubildende und alle keine Profis in dem Geschäft. Wir wollen es halbwegs entspannt halten.

Das Gespräch führte

Marc Oliver Schreib.

Über die Gründungsversammlung der Burschen gibt es keinerlei Aufzeichnungen mehr, aber noch ein schönes Foto der Mitglieder. 

Jubiläumsfeier:

Schirmherr der außerordentlichen Festivität ist Bürgermeister Jan Neusiedl, der am Mittwoch, 14. Juni, um 16 Uhr das fünftägige Fest eröffnet. Um 20 Uhr treten „Da Huawa da Meier und i“ auf. Es spielt die Deininger Blaskapelle.

Tags darauf, an Fronleichnam, gibt es um 11.30 Uhr ein zünftiges Weißwurstfrühstück, wozu Pfarrer Anton Lötscher offiziell einlädt. Und um 14 Uhr startet ein kurzweiliges Schafkopfrennen. Die Showband Buck Roger & The Sidetrackers“ übernehmen ab 17 Uhr den musikalischen Part, am Freitag um die gleiche Zeit hat die Band „Nachtstark“ ihren Auftritt.

Es folgt ein ereignisreiches Wochenende: Mit einem Spanferkelessen um 12 Uhr wird am Samstag der Familientag auf dem Festgelände gegenüber dme Gymnasium eingeläutet. Gegen 13 Uhr spielt die mir Preisen bedachte Münsinger Blaskapelle auf, und am Abend rocken die Cagey Strings das Zelt. Einen Vorverkauf gibt es für diese Veranstaltung nicht. Eigentlicher Festtag ist am Sonntag: Um 6 Uhr erfolgt der Weckruf der Böllerschützen. Um 8 Uhr werden die Vereine empfangen bei einem zünftigen Weißwurstfrühstück. Der Fahnenumzug beginnt um 10 Uhr, Einzug ins Festzelt ist um 12 Uhr. Partyband Nirwana begrüßt die eintreffenden Gäste, und um 13 Uhr herrscht bereits Barbetrieb. An jedem Festtag wird es eine Abendkasse geben.

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