Beim Garteln: Die Mädchen und Buben vom Kindergarten an der Dianastraße. Foto: Michel

In Haar: Bio-Obst und Gemüse zum Nulltarif

Haar - Seit sechs Monaten gibt es in Haar ein weitum einzigartiges Projekt. „Haar zum Anbeißen" heißt es und verspricht jedem Bürger Bio-Obst und -gemüse zum Nulltarif. Eine erste Erntebilanz fällt positiv aus.

In Andernach, einer Stadt am Rhein in der Nähe von Koblenz, nahm die Bewegung ihren Lauf. Unter dem Motto „Essbare Stadt Andernach“ wurden auf öffentlichen Flächen Nutzpflanzen kultiviert und den 33 000 Einwohnern kostenlos zur Verfügung gestellt. Im Gegenzug kümmerten sich die Bürger ehrenamtlich um die Pflege dieser Flächen.

Als „Haar zum Anbeißen“ kam das Projekt im Frühjahr dieses Jahres in den Landkreis München (wir berichteten). Und schlug ein wie eine Bombe. Während andernorts die Bürger zögern würden, das kostenlose Obst und Gemüse zu ernten, hätten die Haarer sofort mitgemacht. „Vor allem die Salate gehen weg wie warme Semmeln“, erzählt Michael von Ferrari, der als Umweltreferent der Gemeinde das Projekt ins Leben gerufen hat.

Weder hätten sich Randalierer bislang an den Grünanlagen vergriffen, noch hätten Hunde in den Beeten gewütet oder Maßlose ganze Stauden abgeerntet. Nicht einmal Schnecken, ansonsten die wohl größten Feinde der Gemüsegärtner, wollten den Erfolg des Projekts bis dato gefährden. „Sehr positiv“ fällt Michael von Ferraris Halbjahresbilanz von „Haar zum Anbeißen“ daher aus.

15 sogenannte Paten würden sich federführend um die vier Beete, die zusammen eine Fläche von rund 1300 Quadratmetern haben, kümmern. Die einzige Gefahr, so Ferrari, sei bislang gewesen, dass manche Haarer zu vorschnell waren und zu früh ernteten. Ein Pfosten-System an den Beeten - ein grüner Pfosten bedeutet reif, ein roter unreif - soll nun über die Erntefähigkeit der Salate, Kohlrabis, Zucchini oder Kürbisse informieren.

Neben dem rein kulinarischen Faktor beziehunsgweise dem reinen Zur-Verfügung-Stellen von frischem Obst und Gemüse, hat sich bei dem Projekt auch der pädagogische Ansatz bewährt. Drei der vier Anbauflächen sind in unmittelbarer Nachbarschaft zu Kindergärten oder Schulen. Die Kinder und Jugendlichen werden zur Pflege der Beete herangezogen. Auch der gesellschaftliche Aspekt ist nicht zu unterschätzen: Laut Michael von Ferrari kommt man an den Grünflächen immer sofort mit anderen Hobbygärtnern und Gemüsefans ins Gespräch. Zudem laden Sitzbänke oder Duftpflanzen einfach nur zum Verweilen, zum kurzen Innehalten von der Hektik des Alltags ein.

An vier Orten in der Gemeinde ist Haar bislang zum Anbeißen: an der Ferdinand-Kobell-Wiese, am Schul-Zentrum St. Konrad (in Kooperation mit der VHS-Nachmittagsbetreuung), am Kindergarten an der Dianastraße sowie am Grünzug in Eglfing. Trotz des bisherigen Erfolgs hat Umweltreferent Ferrari Verbesserungsvorschläge, etwa dass die Gemeinde die fleißigen Gärtner an der Ferdinand-Kobell-Wiese unterstützt, indem es Wasserleitungen verlegt.

Zudem ist Ferrari immer auf der Suche nach Spenden. Bislang sind die Gemeinde, die Bürger- sowie die Mirja-Sachs-Stiftung die Finanziers von „Haar zum Anbeißen“. Und, klar: „Wir suchen auch ständig Freiwillige, die beim Gießen und Jäten helfen wollen.“ Die große Gefahr, dass das Projekt, einem zarten Pflänzchen gleich, in den kommenden Monaten wieder verkümmert, sieht Ferrari aktuell noch nicht: „Das Jahr macht mir Mut.“ Dennoch würde er sich über weitere Unterstützung freuen.

Die Nutzer seines Angebots kommen laut Ferrari aus allen Gesellschaftsschichten. Das Obst und Gemüse bevorzugt an ärmere Familien zu geben, lehnt er ab: „Das Wichtigste ist, dass die Leute es zu schätzen wissen.“

Ein Erntedankfest

findet am Samstag, 11. Oktober, ab 16 Uhr an der Grünfläche am Schulzentrum St. Konrad statt. Weitere Informationen zum Projekt „Haar zum Anbeißen“ erteilt Michael von Ferrari unter Telefon 0 89/46 00 23 12 oder Silvia Engelhardt von der VHS Haar unter Tel. 089/45 69 85 27. zip

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