Feinfühlig beim transparenten Spiel: Pianist Lars David Kellner versteht zu modulieren. Foto: Rammelsberger

Originelles Konzert zum Jubiläum

Haar - Zum 100-jährigen Bestehen des Kleinen Theaters Haar boten Sopranistin Marina Ushchapovskaya und Pianist Lars David Kellner ein sehr originelles Konzert mit Stücken aus dem Jahr 1912. Als Rezitator las Rolf Ege den deutschen Text vor.

So wurden die Besucher in die Erbauungszeit des Jugendstil-Theaters versetzt, musikalisch als Übergang der Spätromantik zur Moderne zu erleben.

Da ein Vorspiel den heterogenen Abend strukturieren sollte, begann Kellner mit Regers „Präludium“ aus den 35 Klavierstücken „Aus meinem Tagebuch“ op. 82. Mit transparentem Spiel verdeutlichte er Bach als Vorbild von Regers eher gefühlvoller Art. Von Rachmaninow, ebenfalls 1873 geboren, spielte er aus den „Etudes tableaux“ op. 33, die dieser weniger für zyklische Wiedergabe denn als Einzelstücke schuf, die in g-Moll. Raffinierte, mit Bravour gestaltete Akkordbrechungen im Wechsel mit einfachen Melodieschritten verrieten den „letzten Romantiker“. Der Miniatur, vielleicht von Böcklins Gemälde „Der Morgen“ angeregt, folgte Janáceks Klavierwerk „Im Nebel“, Ausdruck altersbedingter Stimmungsschwankungen nach gescheiterter Ehe. Hier unterschied Kellner, sanglich muszierend, vom stimmungsvollen Andante ein mitunter geheimnisvolles Molto Adagio, empfindsam musiziertes lyrisches Andante und mit Dramatik aufgeladenes, die Romantik streifendes Presto. Bei Kostproben des Zyklus „Auf verwachsenem Pfad“ schloss er den prägnanten, dann wieder zarten Modulationen des Andante ein träumerisches Allegretto an und ein tanzfrohes Vivo, wo Janácek die Harmonik bis zum Atonalen entwickelt.

Die Sängerin wiederum, die nach Erfolgen unter anderem mit dem St. Petersburger Kammerchor und bei Opernfestivals seit 2003 dem Chor des Staatstheaters am Gärtnerplatz angehört, ergänzte die verinnerlichte Klaviermusik unter anderem bei Janáceks „Fünfzehn mährischen Volksliedern“ (vor 1922). Sie entfaltete ihren vollen geschmeidigen Sopran zu Leuchtkraft, einfühlsam für den slawischen Tonfall und die jeweilige Gestimmtheit. So brachte sie energische wie besinnliche Momente zur Wirkung, wo Spätromantik nachwehte, dann wieder neuartige Harmonien im Raum standen. Bei Kostproben aus den „Romanzen“ gab sie Einblick in das Liedschaffen Rachmaninows im höchst erfolgreichen Jahr 1912. Volle Akkorde bekräftigten den glutvollen Gesang vom Leid, das in der Seele jedes Menschen zu Liebe werden kann, verhalten begleitete Kellner beim Lied eines symbolistischen Dichters. Endlich sang sie die „Vocalise“, Bachs drängendem Melos sowie auch romantischen Kantilenen verwandt, als tief berührendes „Lied ohne Worte“ aus anderen Sphären, fern der Popularisierung zum Schlager. Heftig erbetene Zugabe: Janáceks launige „Mückenhochzeit“.

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