Erzbischof Reinhard Marx weiht Tobias Pastötter in der Münchner Frauenkirche zum Priester.
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„Ein unbeschreiblicher Moment“: Erzbischof Reinhard Marx weiht Tobias Pastötter in der Münchner Frauenkirche zum Priester.

Nachprimiz in St. Konrad

31 Jahre und Priester: Junger Mann erklärt, warum er sein Leben der Kirche widmet

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Tobias Pastötter ist 31 Jahre alt und Priester. An diesem Wochenende feiert er in Haar seine Nachprimiz. Vorab erklärt er hier, warum er sich entschieden hat, sein Leben der Kirche zu widmen.

Haar – Priestermangel, Kirchenaustritte, Missbrauchsskandale. Die katholische Kirche hat nicht mehr den Stellenwert wie noch vor Jahrzehnten. Auch die Anforderungen, etwa durch Zusammenlegung von Pfarrverbänden, erschweren die Arbeit der Geistlichen. Und dann ist da ja nicht zuletzt das Zölibat, die Verpflichtung zu einem Leben ohne Frau, ohne Kinder. Und dennoch gibt es junge Männer, die Priester werden und für diesen Beruf auch brennen. Zu ihnen gehört Tobias Pastötter, 31 Jahre alt.

Ende Juni wurde Pastötter im Münchner Dom von Erzbischof Reinhard Marx zum Priester geweiht, in wenigen Wochen tritt er seine Kaplan-Stelle in Ampfing an. Er ist damit Priester im Pfarrverband, deren Chef, also Pfarrer ist er nicht. Seine Nachprimiz feiert er an diesem Samstag in der St. Konrad in Haar (19 Uhr). Doch was bewegt einen jungen Mann dazu, heutzutage sein Leben der Kirche und Gott zu widmen?

Haar: Junger Mann wird Priester - Arbeitskollege: „Das passte nie zu dir, du gehörst zu den Menschen raus“

Tobias Pastötter weiß, schon seit er ein kleiner Bub war, dass das Priesteramt seine Berufung ist, obwohl „unsere Familie nie super fromm war und halt sonntags in die Kirche ging“. Er beginnt als Ministrant, genießt die kirchliche Gemeinschaft. Aber der drei Jahre ältere Bruder Bernhard schnappt ihm den Traumberuf erst einmal weg. „Er hatte den gleichen Wunsch wie ich.“ Tobias Pastötter entscheidet sich deshalb für eine Ausbildung zum technischen Zeichner, „denn ich wollte das meinen Eltern nicht antun, dass auch noch ihr zweites Kind sich fürs Priesteramt entscheidet“.

Aber die Büro-Arbeit macht ihm nicht so richtig Spaß, auch ein Kollege erzählt ihm nach der Weihe, „das passte nie zu dir, du gehörst zu den Menschen raus“. Ein klärendes Gespräch mit den Eltern macht für Tobias Pastötter den Weg frei, er holt sein Abitur nach und schließt ein Theologiestudium an. Vor der endgültigen Priesterweihe prüft sich Pastötter und seine Entscheidung nochmals.

Er geht für ein Jahr nach Ecuador zu Padre Martin Schlachtbauer, Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde San Miguel in Ecuadors Hauptstadt Quito, der Partnerdiözese des Erzbistums München-Freising. Im Glauben gestärkter denn je kommt Pastötter zurück, absolviert in Haar den zweijährigen Pastoralkurs, quasi den praktischen Ausbildungsteil bei Pfarrer Kilian-Thomas Semel. Ein Jahr später wird er Diakon, assistiert bei Taufen oder Trauungen und ist in der Seelsorge tätig.

Mit 31 Jahren Priester: Mann aus Haar für für 8000 Katholiken verantwortlich

Am 26. Juni dann der große Tag. Im Münchner Dom kniet er auf dem Boden und wird durch Handauflegung und Gebet des Erzbischofs zum Priester geweiht. „Ein unbeschreiblicher Moment, ganz innig und mit unendlicher Dankbarkeit“, beschreibt Pastötter. Sein Primizspruch, „Alles vermag ich durch den, der mich stärkt“, ist präsenter denn je. Er tritt an diesem Tag aus dem Schatten des Bruders heraus, „bereit, meinen eigenen Schatten zu werfen“.

In Ampfing erwartet ihn ein Pfarrverband mit fünf Pfarreien und 8000 Katholiken. „Da gibt es viel zu tun.“ Der Kontakt zu den Menschen ist für ihn das Wesentliche, „reden, Zeit nehmen und da sein“. Alles weitere werde sich zeigen, denn vieles, wie etwa die Jugendarbeit, sei zuletzt weggebrochen und müsse wieder aufgebaut werden. Dass er sein weiteres Leben ohne eigene Familie verbringen wird, schreckt ihn nicht. Denn: „Ich bin nicht alleine.“ Jeder hätte sein Packerl zu tragen, aber es gehe darum, wie man es anpackt.

Und alleine wird er nicht sein, denn Pastötter zieht mit Stefan Schmitt, ebenfalls Neupriester, in eine Priester-WG in den renovierten Pfarrhof in Oberbergkirchen. Der 31-Jährige freut sich „bereits sehr darauf, denn uns beide verbindet die Leidenschaft des Kochens miteinander“. Da aber der kleine Ort Oberbergkirchen nicht gleich Großstadt München ist, ist er gespannt, wie die Priester-WG auf dem Land aufgenommen wird. „Doch ich unterscheide mich dadurch nicht von vielen anderen, die täglich einfach zur Arbeit fahren.“

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