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Effi und Instetten am Scheideweg: Die Hauptrollen sind mehrfach besetzt.

Theater des Ernst-Mach-Gymnasiums

Effi Briest im Hier und Jetzt

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Haar - Mit „Effi Briest“ von Theodor Fontane brachten die Schüler aus Haar ein Stück auf die Bühne, mit dem auch die Bewerbung beim „Schultheater der Länder“ klappen soll.

Weltliteratur dargestellt in knapp über einer Stunde, diese Herausforderung meisterten die 20 Akteure des Oberstufentheaters Q11 und Q12 gemeinsam mit zehn Fünftklässlern des Ernst-Mach-Gymnasiums (EMG) Haar.

 „Die Effi macht im Stück eine Entwicklung durch, vom fröhlichen Mädchen zur tragischen Figur. Diese Entwicklung möchte ich sehen. Am Anfang will ich leuchtende Augen haben“, gab Thomas Ritter als eine der letzten Regie-Ansagen wenige Minuten vor dem Auftritt seinen Schülern mit. Noch ein wenig Gesichtsmuskeln dehnen, Arme kreisen, locker machen mit Hüpfen und Springen. Ritter und sein Co-Spielleiter Felix Erbersdobler sind dabei Teil der Truppe, machen die Übungen mit und bauen so Nervosität ab. 

Die zentralen Themen des Romans, Liebe, Ehe, Karriere, Angst, Schuld, Entsagung, Bestrafung und Tod hoben die Schüler weit über die historische Verortung Ende des 19. Jahrhunderts hinaus. Schuld und Verantwortung durchzogen wie ein roter Faden die Geschichte, in der die junge, aber noch kindliche Adlige sich anfangs eine Zukunft mit gesellschaftlicher Stellung erträumt, dann aber feststellt, dass in der Ehe mit Instetten die Liebe fehlt. 

Aus Langeweile und Unerfahrenheit verstößt sie mit einem Seitensprung gegen die Spielregeln in einer Welt der ehernen Prinzipien und festgelegten Konventionen. Das Bühnenbild ist ein Sammelsurium aus der Turnhalle: Schwebebalken, Pferd, Sprungbrett und Bodenmatten, verteilt auf zehn mal zehn Metern. Der Boden ist mit Folie abgeklebt, nicht ohne Grund, da Wasser, rote und blaue Farbe aus einem gefüllten Luftballon während des Stücks darauf verteilt werden. 

Wie schon oft in früheren Aufführungen wird weder die Rolle der Effi noch die des Grafen Innstetten oder Major von Crampas von einem Darsteller verkörpert. Es gab elf Effis, alle weiß gekleidet, ein rotes Halstuch verdeutlichte den Zuschauern, welche Schülerin gerade in die Hauptrolle geschlüpft war. Bei Instetten war es der wechselnde Hut, der die Rolle anzeigte. 

Die Turngeräte dienten als Ding-Symbole: das Seil verkörperte Effis geliebte Schaukel, die Bodenmatte den Teich, der Barren die Friedhofsmauer. Das Sittengemälde, das Fontane vor über 120 Jahren schuf, wurde von den Schülern mit eindrucksvoller Gegenwärtigkeit erfüllt. 

Die Zuschauer erlebten an Effi zeitgenössische Züge. Die drei Aufführungen zeigten, dass die Schüler die Funktion und Wirkung der Sprache auf der Bühne beherrschen. Im September entscheidet sich, ob das EMG mit dieser Inszenierung auch in Erfurt beim Schultheater der Länder punkten kann. Jedes Bundesland wird an dem sechstägigen Festival durch eine Schultheatergruppe repräsentiert.


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