Der Warteraum im Haarer Impfzentrum ist am Montagmorgen der „Back to School“-Aktion leer.
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Der Warteraum im Haarer Impfzentrum ist am Montagmorgen der „Back to School“-Aktion leer.

Aktion „Back to School“

Ansturm auf Schüler-Impfung bleibt aus

  • Laura May
    VonLaura May
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Mit der Aktion „Back to School“ wollte der Landkreis noch mal den Impfturbo starten – doch nur wenige waren ins Impfzentrum nach Haar gekommen.

Haar – „Die Leute scheinen immer noch nicht bemerkt zu haben, dass Tests bald etwas kosten werden“, sagt Alexander Brandstaeter (39). Der Leiter des Impf- und Testzentrums in Haar steht am Tag der Impfaktion „Back to School“ auf dem umfunktionierten ehemaligen Gelände des Bundesnachrichtendienstes und beobachtet eine etwas absurde Situation: Links vor seinem Testangebot ist eine lange Schlange, rechts bei der Impfstation sind nur vereinzelt Menschen zu sehen. Der Warteraum ist leer.

Freikarten für alle, die sich impfen lassen

Manche Familien hat das Werben mit Freikarten für diverse Freizeitangebote wie das Autokino Aschheim, das Phönixbad Ottobrunn oder die Bavaria Filmstadt dann aber doch ins Haarer Impfzentrum gelockt. So auch Bärbel Rennert aus München, die heute mit ihren beiden Söhnen extra wegen der Impfaktion in den Landkreis kam. „Wir haben heute Früh gesehen, dass es das „Back to School“-Angebot gibt“, sagt die Mutter, „für meine Söhne waren die Freikarten dann doch ein Anreiz.“

Freikarten fürs Autokino waren ein Anreiz für die Brüder Fabian (15) und Dominik (13), sich in Haar impfen zu lassen.

Dominik (13) und Fabian (15) wollen sich vor allem aus gesellschaftlichen Gründen impfen lassen, „damit man wieder sicher rausgehen kann“, sagt Dominik. Außerdem befürchtet der 13-Jährige: „Es gibt ja jetzt dann eh bald Impfpflicht – wenn die Tests dann so viel Geld kosten, muss man sich ja impfen lassen.“ Die beiden Brüder bekommen heute beide ihre erste Impfung und hoffen, dass sie dadurch mehr Freiheiten zurückgewinnen. Der Direktor in Fabians Schule habe bereits angekündigt, dass für doppelt geimpfte Kinder bald die Testpflicht entfällt. Nach der Spritze haut es Fabians Kreislauf kurzzeitig zusammen, er muss sich hinlegen. Nach Duplo und Apfelschorle geht es ihm jedoch schnell wieder gut und die beiden Buben können endlich zum erfreulichen Teil ihres Impftermins kommen: den Freikarten. Sie entscheiden sich beide für eine Vorstellung im Autokino.

Impfen nur aus Überzeugung

Auch Nele Garrelts (13) ist heute mit ihrem Papa Carsten zum Impfen gekommen – alledings zu ihrer Zweitimpfung. Von der Aktion wusste sie gar nichts, sie macht das aus Überzeugung. „Ich möchte mich impfen lassen, damit ich anderen Menschen helfen kann und alles wieder normal wird.“ Auch ihr Vater sieht die Entscheidung seiner Tochter mit Zuversicht, „seit der Stiko Empfehlung machen wir uns da eigentlich keine Sorgen.“

„Ich will, dass alles wieder normal wird“: Aus Überzeugung lässt sich die 13-jährige Nele impfen.

Die 13-jährige Nele möchte selbst einmal Ärztin werden und redet auch mit ihren Freundinnen immer wieder über das Thema Impfen. Besonders eine Freundin wolle sich nicht impfen lassen, „ich versuche sie, zu überreden, aber es ist ja auch ihre eigene Entscheidung“. Nele beobachtet, dass die Meinung über das Impfen in ihrem Umfeld oft stark vom Elternhaus geprägt ist. „Wir reden miteinander, streiten tun wir aber nie“ – da ist die 13-Jährige wohl vielen Erwachsenen voraus, die immer öfter Gräben entlang der Impffrage aufreißen lassen.

Auch Alexander Brandstaeter beobachtet eine zunehmend schlechte Stimmung, die durch den erhöhten politischen Druck auf Ungeimpfte entstehe. Er persönlich würde Menschen „nicht um jeden Preis zum Impfen zerren“. Vor allem auf der Teststation hätten sich die Stimmung und das Klientel geändert. „Es kommen vermehrt Leute, die sich nicht impfen lassen wollen, aber trotzdem mit der Pandemie leben müssen.“ LAURA MAY

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