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Nachverdichten und doch den Parkcharakter erhalten: Diese Herausforderung muss die Gemeinde mit dem Bebauungsplan meistern.
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In der ehemaligen Wäscherei will der Investor Cubatur 7 Wohnungen einrichten -  eine schwierige Aufgabe für die Architekten.
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Die einstige „Frauenburg“: Auch hier entstehen Wohnungen. Die denkmalgeschützte Mauer wird teilweise geöffnet, weil dahinter ein Geh- und Radweg und eine öffentliche Grünfläche entstehen.
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Nachverdichtung: Auf dieser Freifläche im Jugendstilpark wird die Oberbayerische Heimstätte Punkthäuser errichten.

Wohnungen für 2500 Menschen

Baubeginn im Jugendstilpark ist in Sicht

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Wer sich den Jugendstilpark in seiner jetzigen Gestalt noch einmal ansehen will, muss sich beeilen. Am Dienstag wird der Gemeinderat den Bebauungsplan beschließen, „und dann wird sich das Quartier“, wie Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) sagt, „mit großer Geschwindigkeit verändern“.

Haar– Eigentlich sollten längst rund 2500 Menschen im Jugendstilpark wohnen. Doch die Verhandlungen mit den Investoren erwiesen sich als schwierig und langwierig. In den vergangenen Monaten ist viel hinter verschlossenen Türen festgezurrt worden: Jetzt ist die Finanzierung der Erschließung geklärt und Müller hofft, dass schon bald die Bagger anrollen.

Der Bebauungsplan soll am Dienstag, 28. März, im Gemeinderat beschlossen werden, doch Müller fügt hinzu: „Aller Voraussicht nach“, sie sei durch die komplizierte Geschichte des Bebauungsplans vorsichtig mit ihren Formulierungen geworden, sagt die Bürgermeisterin bei einem Spaziergang über das einstige Klinikgelände. „Man weiß ja inzwischen: Unverhofft kommt gern mal.“

Zwar gehört der Gemeinde kein Grundstück im Jugendstilpark, doch mit dem Bebauungsplan hat sie die Begehrlichkeiten der Investoren zugunsten eines qualitätsvollen Bauens in gewisse Schranken gewiesen und dabei Denkmal- und Naturschutz beachtet. „Es werden keine Bäume gefällt“, sagt Müller.

Keine Durchfahrt durchs Gelände

Die Herausforderungen waren entsprechend groß: Neue Gebäude sollen sich neben den denkmalgeschützten Altbauten einfügen, gleichzeitig sollen die Abstände großzügig sein und der Charakter des einmaligen Ensembles erhalten bleiben, indem in der Mitte große öffentliche Grünflächen entstehen und nur an den Rändern, entlang der Leibstraße und der Vockestraße, durch Neubauten nachverdichtet wird. „Wir haben immer darauf geachtet, das Ensemble als Ganzes zu betrachten und in einem Guss zu entwickeln“, betont Müller: „Die Investoren sind eine Schicksalsgemeinschaft, ohneeinander geht hier nichts.“

Sechs Zufahrten stechen in das Gelände hinein, die zum Teil als Einbahnstraßen auf zwei Kreisverkehre münden, „so entsteht ein verkehrsberuhigtes Wohngebiet, das war uns sehr wichtig“, betont Müller: „Es wird nicht möglich sein, mit dem Auto quer durchs Areal durchzufahren“, nur ein Geh- und Radweg durchschneidet das Gelände.

Das, was die Gemeinde über die Bauleitplanung beeinflussen konnte, hat sie getan. Ob die Verhandlungen in den vergangenen Monaten sehr zäh waren? „Ich habe die Bauträger als gut erzogen erlebt“, sagt Müller und fügt hinzu, „da profitieren wir von der Stadt“, Konditionen seien die Bauträger in der Landeshauptstadt ja schon gewohnt.

Altbauwohnungen für Betuchte

Im Jugendstilpark schaffen die Investoren neben der Erschließung, den Stellplätzen und öffentlichen Grünflächen auch einen Kindergarten, ein Zentrum für Betreutes Wohnen, ein Pflegeheim und zwei Neubauten mit je 45 Wohnungen, die zu erschwinglichen Mieten nach dem Haarer Modell vergeben werden. 25 Jahre wird die Gemeinde für diese 90 Wohnungen das Belegungsrecht haben. Das alles wurde im städtebaulichen Vertrag, der Bestandteil des Bebauungsplans ist, notariell festgelegt.

Zunächst werden die Erschließungsmaßnahmen beginnen, mit denen die Investoren eine Firma beauftragt haben. Neue Wege, Kanäle, Fernwärme-, Strom- und Glasfaserleitungen werden verlegt. Daran schließt sich - nach Angaben Müllers wohl ab dem Spätherbst - der Wohnungsbau an, insgesamt werden die Investoren rund 1000 Wohnungen und etwa 900 Tiefgaragenstellplätze erstellen. Ob sie Eigentums- oder Mietwohnungen bauen, liegt im Ermessen der Bauträger. 

Als erstes Gebäude wird das Seniorenzentrum an der Vockestraße bezugsfertig sein: „Das Rennen machen wir“, ist sich Müller sicher, „viele Senioren warten schon auf die Plätze.“ Die Pläne liegen im Landratsamt, im Sommer, hofft Müller, soll Spatenstich sein. Geplant ist, dass die Erlbau Immobiliengruppe das Betreute Wohnen und ein Pflegeheim errichtet, das die Maria-Stadler-Haus GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Gemeinde Haar, dann als Trägerin anmietet.

In den Altbauwohnungen, die in der wunderschönen Bausubstanz entstehen, werden wohl die ersten Bewohner 2020 einziehen, schätzt Fridolin Lippens. Leisten können sich das wohl nur Betuchte. Lippens ist Prokurist der Immobiliengruppe Cubatur 7 aus Gräfelfing, an die die Jugendstilpark GmbH München inzwischen zehn Altbauten weiterverkauft hat. Beim Rundgang über das Gelände schwärmt er von den großzügigen Abständen zwischen den Gebäuden: „Das hat man sonst nirgends.“

Wohnen in ehemaligen Psychiatriekliniken auf einem Gelände, das vor 40 Jahren durch hohe Mauern gesichert war und in direkter Nachbarschaft zur Forensik liegt? Wo es früher Berührungsängste gegeben haben mochte, sind die Investoren heute sicher, dass sie das Gelände hochpreisig vermarkten können. Auch Bürgermeisterin Müller ist überzeugt: „Charme und Wertigkeit des Areals werden eventuelle Bedenken überstrahlen.“

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