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TV-Set auf der Theaterbühne: Das Publikum kam auf seine Kosten, obwohl die Kameras die Optik teils störten.

Aufzeichnung im Kleinen Theater

Bissig-turbulent: BR-Komödienstadel nimmt sich Regensburger Korruptionsskandal vor

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Das Komödienstadl, das der BR in Haar aufgezeichnet hat, ist an den Regensburger Korruptionsskandal angelehnt. Das Resultat ist ein bissiges Stück über (lokal)politische Abgründe.

Haar – Jürgen Kirner ist bekannt für seine „Couplet AG“, ebenso als Fastenprediger des Haarer Starkbierfests. Dabei geht es um Pointen im Minutentakt. Als Autor des Dreiakters „Der Beste für die Besten“, der vom Bayerischen Rundfunk (BR) nun im Kleinen Theater an zwei Abenden vor über 200 Besuchern aufgezeichnet wurde, führt er eine feinere Klinge. In dem Stück geht es um die Themen Korruption, Intrigen und Niedertracht von Politikern, Adel und Wirtschaft. Das Lachen kam bei den Aufnahmen nicht zu kurz, war aber wohl dosiert. Dem Publikum gefiel es, auch wenn viele nicht wussten, wie eng das Stück an die Vorkommnisse rund um den Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs angelehnt ist.

Autor: Jürgen Kirner schrieb „Der Beste für die Besten“.

Das „Tangrintler Volkstheater“ wurde erst vor zwei Jahren von Stefan Mirbeth und Jürgen Kirner gegründet. Hinter dem Theaterprojekt steht die Idee, das lose Ensemble aus Mitgliedern mehrerer Oberpfälzer Theatergruppen und Profischauspielern für Inszenierungen zusammen spielen zu lassen. Der Anlass zur Gründung war die Realsatire „Bäcker braucht Frau“ rund um einen schwulen Bäcker, für den alle im Ort eine Frau suchen. Das Thema war eine Premiere im Komödienstadel und wurde ebenfalls vom BR im Kleinen Theater aufgezeichnet. Nun folgte der zweite Streich mit „Der Beste für die Besten“.

Im Mittelpunkt dieser Komödie unter der Regie von Dieter Woll stehen korrupte Lokalpolitiker mit starkem Bezug zu den Regensburger Vorkommnissen rund um OB Wolbergs, der aktuell wegen Bestechlichkeit vor Gericht steht. Für den BR eine erneute Erweiterung des bislang eher urigen, bäuerlichen Komödienstadels.

Kirner, der selbst nicht mitspielte, machte dem Publikum vor Beginn der Aufzeichnung klar, was er den derzeitigen Volksvertretern in München und der Provinz zutraut: „Alles, was man sich früher nie vorstellen konnte. Doch jeder von uns hat es ja bei der Wahl selbst in der Hand, das zu ändern.“

Komödienstadel im Kleinen Theater: Harter Tobak, turbulent erzählt

Im bissigen Dreiakter aus den Niederungen der bayerischen Lokalpolitik haben alle Beteiligten Dreck am Stecken und Leichen im Keller. Der egomanische und selbstverliebte OB-Kandidat Adam, der sich zu gut für die Wirtschaft hält und daher in die Politik drängt. „Meine Fans lieben mich, halten mich beinahe für den Messias und warten ständig auf neue Selfies und Posts“, ist sein Wahlkampf-Grundgedanke. Der Landtagsabgeordnete Hirschauer hat im Rausch einen Menschen totgefahren, dies aber einem anderen untergejubelt, dafür dessen lesbische Tochter mit dem schwulen OB-Kandidat verbandelt. 

Annerose Möslechner, Schwester des Abgeordneten und ihr bauernschlauer Ehemann Willi haben eine Bau- und Recyclingfirma, damit Millionen verdient und schmieren Politiker und Beamte reihum. Doch nun sterben die Tiere nahe einer illegalen Deponie. Hinzu kommen eine in finanzielle Not geratene und adoptionsfreudige Provinzfürstin, mehrere echte und käuflich erworbene Adelige, die bei Provinzpolitikern und –unternehmern durch ihre Adelstitel ein Leuchten in den Augen auslösen.

Jeder hat hier etwas zu verbergen

Der Landtagsabgeordnete will Minister oder zumindest Staatssekretär werden und muss zuvor, so wurde ihm von der KSU-Parteispitze mitgeteilt, in seinem „Stall kräftig ausmisten“. Er will jetzt alle Betrügereien und Lügen auffliegen lassen. Auf dubiose Art kommt er in seinem Maissilo zu Tode – Motive und potenzielle Täter gäbe es genügend.

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„Der Beste für die Besten“ ist ein Stück zwischenmenschlicher Abgründe, gemischt mit Selbstverliebtheit, Populismus und Größenwahn, dazu Intrigen, eine „Mutti-Vati-Bürgerinitiative“, Ränke, Sex und Crime. Zu verbergen hat hier jeder etwas – fast alle ersticken letztlich im Polit-Sumpf. Eine turbulente Politsatire, die man sich in der Realität gut vorstellen kann, keine Comedy oder eine Aneinanderreihung von Pointen, sondern wohldosierte Sprüche, über die man dann auch lauthals lachen darf. So wie etwa der von Galetta Gräfin von Schaumburg-Schein: „Lass dich nicht blenden von den strahlenden Augen eines Mannes, es könnte die Sonne sein, die von hinten durch sein Gehirn scheint.“

Dem Publikum hat diese neue Art des Komödienstadels gefallen, im BR zu sehen sein wird die Aufzeichnung im Januar oder Februar 2020.

bb

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