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Gestern Abend vor seiner Haustür: Andreas Bukowski, der Sensationssieger von Haar. 

Bürgermeisterwahl-Sensation

CSU gelingt „das Wunder von Haar“

  • Günter Hiel
    vonGünter Hiel
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Für die CSU hat sich gestern Nacht „das Wunder von Haar“ vollzogen, für die SPD ist es der GAU, der größte anzunehmende Unfall.

Haar –Nach 40 Jahren SPD-Herrschaft im Rathaus ist es dem jungen Herausforderer Andreas Bukowski (40) gelungen, Bürgermeisterin Gabriele Müller (60) aus dem Amt zu kippen. Bukowski kam auf 5127 Stimmen, das entspricht 51,5 Prozent, Gabriele Müller auf 4826 Stimmen, gleich 48,5 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 63,7 Prozent.

Der Neuling schleift die SPD-Hochburg

Die SPD hatte im Wahlkampf an Bukowski immer bemängelt, dass er erst seit fünf Jahren in Haar lebt und sich doch gar nicht auskenne. Jetzt müssen sich die Genossen fragen, warum er sie dennoch geschlagen hat; obwohl die Grünen noch eine Wahlempfehlung für Gabriele Müller abgegeben hatten. Aber Bukowski hatte die Wechselstimmung erspürt, schon nach dem ersten Wahlgang den Begriff vom „Wunder von Haar“ geprägt.

Bukowskis erste Reaktion: „Es ist unglaublich“

„Es ist unglaublich“ lautete Andreas Bukowskis erste Reaktion auf seinen Sensationssieg. „Es waren unsere Themen, die den Ausschlag gegeben haben.“ Die CSU habe zugehört bei den Haustürgesprächen vor der Corona-Krise und die Haarer hätten gemerkt: „Die wollen wirklich was verändern.“

Bürgermeisterin Gabriele Müller fassungslos

Bürgermeisterin Gabriele Müller ist fassungslos über das Ergebnis. „Ich muss das selbst erst mal verdauen“, sagte sie. „Ich weiß nicht, wo die Stimmen der Grünen geblieben sind...“ Denn nach dem ersten Wahlgang sah das auf dem Papier klar aus: 42,2 Prozent für sie, 42,4 Prozent für Bukowski; und die 13 Prozent des Grünen Kandidaten Ulrich Leiner wandern in der Stichwahl zu ihr – passt. Als faire Verliererin sagt Müller: „Herr Bukowski hat einen ambitionierten Wahlkampf geführt. Ich gratuliere ihm.“

Nach Kontakt mit an Covid-19-Erkranktem in Quarantäne

Gabriele Müller ist noch bis Donnerstag daheim in Isolation. Sie hatte Kontakt mit einem an Covid-19-Erkrankten, ist aber nicht infiziert. Im politischen Wettstreit vor den Stichwahlen hatte sie sich in sozialen Medien und der Presse als Krisenmanagerin gezeigt: Corona-Teststation eröffnet, Hilfsangebote organisiert. Alexander Bukowski stand ihr da schon nicht nach. Als Vorsitzender des Gewerbeverbands hat er die Initiative „Wir helfen unseren Betrieben in Haar und Trudering“ gestartet. Als Krisenmanager bleiben Müller und Bukowski auch nach der Wahl gefordert. Gabriele Müller muss allerdings jetzt zusätzlich die Krise der Haarer SPD analysieren.

Rote Hochburg bröckelt schon länger

Der Putz an der roten Hochburg bröckelte schon länger. Bereits vor sechs Jahren hatte die SPD im Gemeinderat drei Mandate und damit die absolute Mehrheit verloren. Jetzt stehen die Roten trotz Verlusten von 10,2 Punkten weiter bei zehn Mandaten im mittlerweile von 24 auf 30 Sitze aufgestockten Gremium – doch die CSU hat drei Mandate zugelegt und stellt mit 13 Ratsmitgliedern die stärkste Fraktion – plus Bürgermeister. Andreas Bukowski kündigt einen neuen Stil im gemeinderat an. Er wolle Brücken bauen. „Die Haarer Probleme können wir nur gemeinsam lösen.“

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