Die Sägen stehen bereit: Otto Fritzmeier vom „Christbaumland“ in Ottendichl.
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Die Sägen stehen bereit: Otto Fritzmeier vom „Christbaumland“ in Ottendichl.

Alles anders

Christbaumschlagen ohne Extras: Schlittenfahrten und Glühweinausschank gibt es nicht

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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Nachdem man fleißig gesägt hat noch mit dem Glühwein durch den Weihnachtsmarkt schlendern – so gemütlich wird es heuer beim Christbaumschlagen nicht.

Landkreis – Die Bürger, die vor dem Fest traditionell eine eigene Tanne, Fichte oder Kiefer fällen wollen, müssen heuer ohne große Extras auskommen. Denn auch die Plantagenbesitzer im Landkreis München müssen sich an die Vorschriften zur Pandemie-Bekämpfung halten und verzichten deshalb auf lieb gewonnene Angebote für die Kundschaft.

„Glühwein selbst zapfen, das können die Besucher heuer leider nicht“, sagt Anita Sieber vom Holzerhof bei Ismaning. Auch die Schnapsverkostung in der üblichen Form fällt aus. Von der Idee, jedem Christbaum-Käufer eine Flasche Glühwein in die Hand zu drücken ist man aus Kostengründen abgerückt. Trotzdem,, verspricht die Holzerhof-Chefin, werde vorweihnachtliche Stimmung aufkommen. „Dafür werden wir sorgen.“

Gemütliches Glühweintrinken beim Ausschank am Rauchenberg wird es heuer nicht geben.

Dem Christbaumschlagen an sich steht nichts im Weg. Der hofeigene Christbaumwald sei weitläufig genug, dass die Kunden sich auf der Baumsuche nicht auf die Füße tritt. Die Sägen zum Ausleihen würden nach jedem Gebrauch desinfiziert. Im Hofladen können sich auf einmal bis zu zwölf Personen aufhalten. Und damit die Besucher sich nicht zu sehr um die bereits geschnittenen und zum Verkauf stehenden Bäume drängen, setzt man die Bäume weit genug auseinander. „Sie werden so aufgestellt, dass jeweils der unterste Baumkranz mindestens 1,50 Meter von nächsten Kranz entfernt ist“, erklärt Sieber. Das empfehle der Verein der Bayerischen Christbaumanbauer. Zudem habe man die Verkaufszeiten ausgedehnt, um den Kundenverkehr zu entzerren.

Der Markt mit Glühweinausschank ist abgesagt. 

Otto Fritzmeier

Auch beim „Christbaumland“ in Haar hat man Vorbereitungen getroffen, damit der Baumverkauf unter den besonderen Bedingungen gut über die Bühne geht. „Der Markt mit Glühweinausschank ist abgesagt. Wir haben Desinfektionsspender aufgestellt, es gibt eine spezielle Ein- und Ausgangsregelung und natürlich Hinweisschilder. Das kostet natürlich“, sagt Otto Fritzmeier, der seit 43 Jahren für den Christbaum-Verkauf in Ottendichl zuständig ist. Seine Befürchtung: Dass sich manche Kunden nicht an Maskenpflicht und Abstandsregeln halten. Deshalb überlegt er sogar, einen Security-Dienst anzuheuern. „Wir können ja nicht bei jedem Maskenverweigerer die Polizei rufen.“

Besonders hart treffen die Einschränkungen den Christbaumhof Rauchenberg in Helfendorf. Das Hofgelände mit seinen umliegenden riesigen Christbaum-Plantagen wird – gerade an den Adventswochenenden – normalerweise von Jung und Alt gestürmt. Kein Wunder: Hofeigentümer Hans Adlberger hat aus dem Christbaumschlagen ein Event gemacht. Mitten im Hof türmt sich ein aus Dutzenden Bäumen zusammengebauter und beleuchtete Riesen-Christbaum in die Höhe. Während die Kinder die Krippe mit lebenden Tieren bewundern, können die Erwachsenen normalerweise am Glühweinstand stehen und eine Bratwurst genießen. Oder die Familie macht gemeinsam eine Pferdeschlittenfahrt über die Plantage. All das lockte in den vergangenen Jahren auch viele Firmen an, die bei Adlberger in den Stadeln am Rauchenberg ihre Weihnachtsfeiern abhielten.

Hofft auf schönes Wetter: Josef Sedlmair vom Bergtierpark Blindham.

Doch heuer ist alles anders: Die Firmenfeiern und Schlittenfahrten sind abgesagt, Glühweinausschank und Bratwürste gibt es ebenso wenig. Damit die Kunden auf die beliebten Schmankerl nicht verzichten müssen, gibt es aber Glühwein und Eierlikör in Flaschen zum Mitnehmen, ebenso wie Geräuchertes und Deko-Holzartikel. „Und die Krippe mit den Tieren haben wir heuer auch“, betont Chefin Anneliese Adlberger. Die Besucher müssten eben Maske tragen und die Abstandsregeln beachten.

Nur ein paar hundert Meter weiter, am Bergtierpark Blindham, hofft Eigentümer Josef Sedlmair, dass er trotz der Pandemie ein gutes Geschäft mit seinen Christbäumen macht. Dafür brauche es vor allem an den Adventswochenenden schönes Wetter. Zwar könne der Christbaum-Verkauf nie die Verluste ausgleichen, die er durch die wochenlangen Schließungen des Bergtierparks erleiden musste. „Aber dann“, sagt er, „würde dieses Jahr wenigstens ein versöhnliches Ende finden.“

Der einzige Weihnachtsmarkt im Landkreis: Mit den „Unterschleißheimer Winterinseln“ plant die Stadt eine dezentrale Alternative für den Christkindlmarkt. An den vier Adventswochenenden steht ein Bummel zu vier Standorten an.

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