„Trotz der Konzepte werden wir nicht gehört“: Martina Völkl-Klier aus Haar ist die Verbandschefin von rund 3000 Nagelstudios in Bayern.
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„Trotz der Konzepte werden wir nicht gehört“: Martina Völkl-Klier aus Haar ist die Verbandschefin von rund 3000 Nagelstudios in Bayern.

„Schwarzarbeit ufert aus“

Ungerechtigkeit im Lockdown? Branche fühlt sich komplett vergessen - und fordert Gleichstellung mit Friseuren

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Nagelstudios sind vergessene Läden in der Corona-Pandemie. Im vergangenen Jahr musste die Branche insgesamt sechs Monate dicht machen. Nun regt sich Widerstand.

Landkreis – Wer die Wörter Corona-Hilfen und Lockdown hört, denkt an Gaststätten, Einzelhändler und Friseure. Fast nie fällt das Beispiel Nagelstudio. Nach den Bund-Länder-Beratungen dürfen Friseure ab 1. März ihre Läden aufsperren. Nagelstudios bleiben weiter geschlossen. Die Salons fordern nun eine Gleichstellung mit Friseurläden.

Seit 16. März sind Friseure und viele Einzelhändler geschlossen. Noch härter traf es Nagelstudios: Körpernahe Dienstleister wie die Salons mussten bereits im Teil-Lockdown Anfang Januar ihre Türen schließen. „Von März bis März durften wir nur sechs Monate offen haben“, sagt Nageldesignerin Martina Völkl-Klier, 52. Sie betreibt einen Salon in Haar, zudem ist sie Verbandschefin von rund 3000 Nagelstudios in Bayern.

Corona-Politik in Bayern: „Politiker wissen nicht, wie es in Nagelstudios zugeht“

„Politiker und Politikerinnen wissen nicht, wie es in Nagelstudios zugeht“, sagt sie. Schon vor der Pandemie hätten Beschäftigte in den Salons mit OP-Masken gearbeitet. Seit März kämpft Völkl-Klier für die Öffnung von Nagelstudios, sie hat der Staatsregierung ein Hygienekonzept vorgelegt. Bisher ohne Erfolg.

Schutzmasken für Kunden und Beschäftigte, umfassende Händehygiene, sterilisiertes Werkzeug, Plastikschilde mit Aussparung für die Hände der Kunden. Das Konzept sei besser als das der Friseure und teils strenger als in Arztpraxen, sagt die Nageldesignerin. „Trotz der Konzepte werden wir nicht gehört.“ Das liege daran, dass Nagelstudios in der Gesellschaft wenig angesehen seien, Teile der Salons werde in „Richtung Rotlicht“ wahrgenommen.

Völkl-Klier: „Ohne Behandlung könnten viele Bürger nicht laufen“

Dabei seien Nagelstudios wichtige Einrichtungen. Nageldesigner würden mit Physiotherapeuten und Dermatologen zusammenarbeiten. Kosmetikfachleute würden dabei Therapien unterstützen, bei Akne und Schuppenflechte etwa. Fußpflege sei vor allem bei älteren Menschen wichtig, ohne Behandlung könnten viele Bürger nicht mehr laufen.

Getrennt durch eine Plexiglasscheibe könnten Nageldesigner Kundinnen und Kunden sicher behandeln, sagt Völkl-Klier.

Das bayerische Gesundheitsministerium hält Behandlungen in Nagelstudios für nicht unbedingt notwendig. Deshalb müssen sie weiterhin geschlossen bleiben. Haarschnitte wiederum gehören zum täglichen Bedarf, außerdem wohne ein Friseurbesuch „ein notwendiger hygienischer Aspekt inne“, so der Sprecher weiter. Nägel könnten sich Menschen zudem selbst schneiden. Hygienekonzepte würden an der Entscheidung des Ministeriums nichts ändern.

Gefahr in der Branche: Schwarzarbeit könnte ausufern

Den Laden aufmachen dürfen Nagelstudios lediglich für medizinische Behandlungen für Personen ab Pflegestufe 2 sowie für Patienten mit ärztlichem Rezept. „Das ist nicht der Rede wert“, wiegelt Völkl-Klier ab. Dafür würde derzeit Schwarzarbeit ausufern. Hier sei die Gefahr einer Ansteckung enorm groß. Um auch diesem Problem zu begegnen, will Völkl-Klier Nagelstudios wieder aufsperren.

„Bis Ostern werden die uns nicht arbeiten lassen“, sagt sie. Die Nageldesignerin kämpft weiter dafür, gehört zu werden und arbeiten zu dürfen.

Alle aktuellen Entwicklungen in der Corona-Lage im Freistaat lesen Sie im News-Ticker für Bayern.

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