Hier gehts rein – nur nicht für Herrmann R.. Er musste trotz Termin wieder nach Hause fahren.
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Hier gehts rein – nur nicht für Herrmann R.. Er musste trotz Termin wieder nach Hause fahren. (Archivfoto)

Coronavirus

Trotz Termin: 81-Jähriger an Impfzentrum abgewiesen und beschimpft

  • Bert Brosch
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Herrmann R. (81) wollte sich in Haar impfen lassen. Trotz Termin musste er wieder nach Hause. Nun entschuldigen sich Landratsamt und Malteser bei ihm.

Haar – Hermann R. (81) wohnt in Siegertsbrunn, er müsste zur Corona-Impfung also nach Oberhaching. Weil es für sie einfacher war, meldete ihn seine Schwiegertochter Lisa Schubert aber in Haar an. Von dort kam auch die schriftliche Zusage für einen Termin – als R. am Montag pünktlich in Haar erscheint, wird er dort brüsk abgewiesen und wieder nach Hause geschickt.

„So kann man mit einem Ü80-Senior nicht umgehen“, ärgert sich Schwiegertochter Lisa Schubert. „Hätten die uns gleich gesagt, er muss nach Oberhaching, wäre das ja kein Problem gewesen. Aber er erhielt die schriftliche Zusage mit Termin aus Haar.“

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Schubert hatte für ihren Vater, der in Neubiberg wohnt, daher ins Impfzentrum Haar muss, einen Termin besorgt. Im gleichen Aufwasch meldete sie ihren Schwiegervater Hermann R. an, „ganz korrekt mit Adresse und Postleitzahl von Siegertsbrunn“. Sie kritisiert: „Das System hätte erkennen müssen, dass mein Schwiegervater eigentlich nicht nach Haar darf.“ Doch das System meldete sich nicht, stattdessen kam die schriftliche Bestätigung der Termine für den Vater und den Schwiegervater in Haar.

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Schubert wollte aber ganz sicher gehen. „Nicht dass der alte Herr vergeblich nach Haar fährt“, sagt Schubert. Sie rief also die zentrale Terminvergabe an und erkundigte sich, ob ihr Schwiegervater auch in einem „falschen“ Corona-Impfzentrum geimpft würde. „Die Dame sagte mir, jeder sollte zwar in das Zentrum gehen, das seinem Wohnort zugeordnet ist. Aber da im Moment sowieso nicht viel los sei in den Zentren, sei das kein Problem.“ Schubert rief sogar noch im Impfzentrum Haar an, mindestens 25 Anrufe seien dafür notwendig gewesen. „Auch dort sagte man mir, das sei kein Problem, außerdem würde doch niemand einen Bürger aus dem Landkreis, der über 80 Jahre alt ist, wegschicken.“

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Kontakte für Impf-Termine

Zentrale Terminvergabe: https://impfzentren.bayern

Die drei Impfzentren im Landkreis bleiben an sieben Tagen von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

Impfzentrum Haar (Südost- und Ost-Gemeinden): Tel. 089/248 80 66 60; E-Mail: corona-impfzentrum.haar@malteser.org

Impfzentrum Unterschleißheim (Würmtal und Nord-Gemeinden): Tel. 089/31 20 344-22; E-Mail: impfzentrum@brk-muenchen.de

Impfzentrum Oberhaching (Süd-Gemeinden, Hachinger Tal und Isartal): Tel. 089/248 86 19 60; E-Mail: termin.oberhaching@johanniter.de mm

Und so traf Hermann R. pünktlich in Haar ein, weil er auf der Liste mit Termin stand, ließen ihn der Sicherheitsdienst nach dem Fiebermessen auch ins Haus. „An der Anmeldetheke änderte sich dann der freundliche Ton rasch“, berichtet die Schwiegertochter. „Die Dame beschimpfte meinen Schwiegervater, er müsse nach Oberhaching zur Konkurrenz, wegen ihm sei nun ein Corona-Impftermin verschwendet worden, das sei seine Schuld.“ Die Ärzte in Haar würden sich weigern, „Fremde“ zu impfen, daher habe man schon mehrere weggeschickt. Schubert ist entsetzt: „Ich kann das nicht glauben, wie dort mit einem Senior umgegangen wurde und befürchtete, der so wertvolle Impfstoff werde nun weggeschüttet.“

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In ihrer Wut wandte sie sich an das Landratsamt. Dort reagierte man rasch, bereits am nächsten Morgen rief ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes an und entschuldigte sich für den Ablauf. Dass Hermann R. abgewiesen wurde, sei bedauernswert und nicht im Sinne der Kreisbehörde. Für die Situation vor Ort entschuldigte sich die Behörde in aller Form. „Kein Landkreisbürger, der einen Termin in einem Impfzentrum reserviert hat, soll abgewiesen werden“, erklärt die Pressestelle auf Anfrage. Laut Gesundheitsamt habe man die Impfzentren kontaktiert und diese gebeten, die Mitarbeiter für derartige Situationen zu sensibilisieren. Auch Julia Krill, Pressesprecherin der Malteser, entschuldigte sich im Namen ihrer Organisation: „Wie es zu dem bestätigten Termin kommen konnte, ist uns nicht verständlich. Wir sind angewiesen, im Impfzentrum Haar nur berechtigt Personen aus den uns zugewiesenen Gemeinden zu impfen.“ Die telefonische Auskunft, dass R. in Haar die Impfung erhalten könne, sei nicht richtig gewesen. „Selbstverständlich kann sich der Herr nun bei uns impfen lassen“, sagt Krill.

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In einem Telefonat hat das Gesundheitsamt Hermann R. am Dienstagmorgen zwar zugesichert, man kümmere sich rasch um einen neuen Termin. Bis zum Abend hatte er aber noch keinen. Auch die frei gewordene Impfdosis, so beruhigte das Landratsamt Lisa Schubert, sei selbstverständlich nicht vernichtet, sondern anderweitig verimpft worden. Künftig soll es auch technisch nicht mehr möglich sein, dass ein Bürger mit einer „falschen“ Postleitzahl einen Termin in einem Impfzentrum erhalte, das nicht für ihn zuständig ist.

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus im Landkreis informieren wir in unserem News-Ticker.

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