Aufziehen einer Impfdosis aus der Impfstoffampulle
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Das Impfzentrum Haar bleibt auf Impfstoff sitzen

Coronavirus

Zu wenig Nachfrage: Impfzentrum muss Dosen zurückschicken

  • Max Wochinger
    VonMax Wochinger
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Die Zeiten, in denen die Landkreis-Bürger ins Impfzentrum drängten, sind vorbei. Jetzt muss eingelagerter Impfstoff sogar zurückgeschickt werden.

Haar – Es fehlt noch der rote Teppich. Im Spalier stehen Malteser-Mitarbeiter in der Impfstraße bereit für ihren Einsatz. Sie warten im Impfzentrum in Haar auf impfbereite Bürger, nur wenige lassen sich an diesem Donnerstagvormittag hier impfen. Trotz Immunisierung ohne Termin. Nun wird sogar eingelagertes Vakzin zurückgegeben.

Beim Gang durch das Haarer Impfzentrum, die katholische Hilfsorganisation Malteser betreibt sie, wird schnell klar: Die Zeiten, als Malteser-Mitarbeiter hier bis zu 800 Menschen am Tag geimpft haben, sind vorbei. Jetzt schleichen nur vereinzelt impfbereite Bürger, darunter viele junge Menschen, durch das Gebäude. „Wir haben jetzt bis zu 200 Impfungen am Tag“, sagt Georg Maier, ärztlicher Leiter im Impfzentrum. Am Wochenende seien es auch mehr.

Geringe Nachfrage: „Warum, weiß ich nicht“

Die teils geringe Nachfrage überrascht, denn endlich ist eingetreten, worauf ganz Deutschland seit Monaten gewartet hat: Es gibt genügend Impfstoff. Seit vergangenen Donnerstag brauchen Landkreisbürger zudem keinen Termin mehr für eine Impfung: Einfach ins Impfzentrum und sich ein Vakzin spritzen lassen.

Bei dem Angebot schlugen bisher aber nicht viele Bürger zu: Seit der Termin-Öffnung am 8. Juli bis Mittwoch gab es knapp 8100 Impfungen in den vier Landkreis-Impfzentren. Zum Vergleich: Mitte April etwa gab es innerhalb einer Woche 16 000 Impfungen.

„Noch vor drei bis vier Wochen haben wir nur Zweitimpfungen gemacht“, berichtet Maier. Für Erstimpfungen wurden damals zu wenig Vakzine geliefert. „Dann hat es einen Switch gegeben“, sagt der ärztliche Leiter, „von heut auf morgen“. Die Menschen würden plötzlich keine Impfungen mehr wollen. „Warum, weiß ich nicht“, sagt der Arzt.

„Bin froh, dass ich bald wieder alle Freiheiten zurückhabe“

Die Menschen, die nun hauptsächlich ins Impfzentrum kommen, sind Erstgeimpfte und Jugendliche. So wie die 16-jährige Lena Waldraff. Die Grasbrunnerin hat soeben ihre erste Impfung mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer bekommen. „Ich bin froh, dass ich bald wieder alle Freiheiten zurückhabe“, sagt die Schülerin. Außerdem seien die Tests an ihrer Schule nervig. Zweimal wöchentlich müssen sich Schüler testen lassen, um am Unterricht teilnehmen zu dürfen. Für vollständig Geimpfte ist der Nachweis nicht notwendig.

Zurück zum Haarer Impfzentrum: Dort gibt es alle vier zugelassenen Impfstoff-Herstellern. Wobei das Vakzin von Astrazeneca der Ladenhüter sei, sagt Georg Maier. Das Vakzin möchte fast niemand, 95 Prozent des gelagerten Astrazeneca-Impfstoffs würden deshalb wieder abgeholt. Nur zur Erinnerung: Noch vor einigen Monaten mussten die Impfstoffe mit Polizeieskorte in den hauseigenen Tresor geliefert werden. Zu groß war die Gefahr vor Diebstahl.

Übrig gebliebenes Vakzin, teils leere Impfzentren: Bis Ende September haben die Malteser einen Auftrag, wie geht es dann mit der Einrichtung weiter? „Das würde ich auch gerne wissen“, sagt Arzt Georg Maier. Das Landratsamt verweist auf die Staatsregierung. Eine Verkürzung der Öffnungszeiten plant die Kreisverwaltung derzeit zumindest nicht, so eine Sprecherin.

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus im Landkreis München informieren wir in unserem News-Ticker.

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