Urteil am Freitag

Einbrecher terrorisiert Anna G. (93) aus Haar

  • schließen

Haar - In den Gerichtssaal hat sich Anna G. (93) nicht mehr getraut. Zu groß war die Belastung für die Seniorin – und zu groß ihre Verwirrung nach den Vorfällen im Winter 2014. Gleich dreimal wurde bei in ihrer Doppelhaushälfte in Haar eingebrochen. Mit Jack P. (65) stand nun der Täter vor dem Münchner Landgericht.

„Ich habe sie zufällig auf der Straße getroffen und bat um fünf Euro“, sagt Jack P. über den Vorfall vom 22. November 2014. Die Seniorin sträubte sich an jenem Tag, gab dann aber nach. Zum Dank verfolgte Jack P. sie und drängte sie in ihre allein bewohnte Doppelhaushälfte. Wochen später, am 5.Dezember, geschah der nächste Vorfall. „Ich brachte ihr Zeitungen und habe ihren Garten gepflegt“, sagt Jack P. – obwohl die Seniorin ihn nie darum gebeten hatte. „Dabei hab ich dann die Terrassentür aufgebrochen“, gesteht er reumütig. „Beim ersten Mal habe ich nur Münzen mitgenommen. Es waren etwa 70 Euro. Beim zweiten Mal auch. Da waren es 80 Euro. Ich wusste, dass sie das Geld selbst braucht.“

Opfer bis ins Mark erschüttert

Trotzdem erschreckte er die Seniorin bis ins Mark – auch, weil er ein Fenster im Haus einwarf. Vor Gericht sagte Jack P. dazu: „Ich möchte mich für die entstandenen Schäden und die Unannehmlichkeiten entschuldigen. Mein Handeln war respektlos.“

Nichte kommt statt des Opfers zum Prozess

Statt Anna G. kam ihre Nichte Tanja (Name geändert) zum Prozess: „Meine Tante war immer sehr resolut“, sagt sie. „Nachdem ihr Mann gestorben ist, lebte sie zwanzig Jahre allein und war nie ängstlich. Aber seit den Einbrüchen ist alles anders, das hat sie aus der Bahn geworfen. Danach hat sie oft gezittert und war sehr durcheinander.“

Auch persönliche Dinge gestohlen

Besonders belastet hatte sie auch, dass Jack P. nicht nur in ihr Haus eindrang und Geld klaute – sondern auch ihre persönlichen Sachen durchwühlt hatte. Die Folgen der angeklagten Taten sind für die Seniorin dramatisch. Denn seit September lebt Anna G. im Seniorenheim – weil sie sich zuhause nicht mehr sicher fühlte. Nach 60 Jahren entschied sie sich deshalb schweren Herzens für den Auszug. „Das ist schon eine große Veränderung für sie“, sagt ihre Nichte. „Bis heute sprechen wir nicht über die Einbrüche, sie verkraftet das einfach nicht.“

Täter ist in der Psychiatrie

Jack P. ist mittlerweile in der Psychiatrie – so wie früher auch schon jahrelang. Richter Anton Winkler wird diesen Freitag entscheiden, ob er dort bleiben muss.

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Deisenhofner Fasching fällt aus
Tristes Regenwetter statt bunter Kostüme: Auf das Faschingstreiben am Hubertusplatz am Dienstag müssen die Narren in Deisenhofen in diesem Jahr verzichten.
Deisenhofner Fasching fällt aus
Sturzbetrunken hinterm Steuer 
Mit 2,7 Promille Alkohol im Blut ist ein Autofahrer am vergangenen Freitag auf der A92 bei Unterschleißheim erwischt worden. Seinen Führerschein ist er erstmal los.
Sturzbetrunken hinterm Steuer 
Ein Pfeifenclub – ohne Raucher
Der qualmende Männerstammtisch ist Geschichte. Doch es gibt Traditionen, die über die 55-jährige Vereinsgeschichte bewahrt worden sind.
Ein Pfeifenclub – ohne Raucher
1000-Seelen-Dorf Harthausen will Feststadel für 800 Leute bauen
Die acht Vereine im Grasbrunner Ortsteil Harthausen wollen einen eigenen Veranstaltungsstadel haben. Ursprünglich sollte es nur eine einfache Holzhütte sein, in der die …
1000-Seelen-Dorf Harthausen will Feststadel für 800 Leute bauen

Kommentare