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Furcht vor „Angsträumen“: Die Fußwege zwischen den Garagen und den Grundstücks-Einfriedungen sind nicht nur schmal, sie sind auch wenig reizvoll und können in der Dunkelheit für Angst bei den Fußgängern sorgen, haben die Expertinnen vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum festgestellt.

Eiwobau-Siedlung in Haar

Mein Reihenhaus ist meine Burg

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Bretterzäune, Sichtschutzwände oder Thujenhecken. In der Eiwobau-Siedlung in Haar achten die Bewohner auf ihre Privatsphäre. Dafür stehen sie in der Kritik.

HaarMit Bretterzäunen und Sichtschutzwänden zugenagelt oder hinter dichten Thujenhecken verborgen: Die Bewohner der Eiwobau-Siedlung in Haar legen offensichtlich großen Wert auf ihre Privatsphäre. Das haben Christine Kneucker und Kathrin Undeutsch vom „Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München“ festgestellt bei einer Erkundung des Reihenhaus-Viertels aus den 1970er-Jahren im Bereich Dr.-Mach-, Max-Planck- und Otto-Hahn-Straße. Besonders gefallen hat ihnen diese Abschottung nicht.

Doch der neue Bebauungsplan, für den sie die Grundlagen geliefert haben, zielt nicht darauf ab, die Reihenhaus-Burgen dort zu schleifen. Was steht, soll stehen bleiben. Aber was neu entsteht, muss regelkonform sein, um weitere Barrikaden zu verhindern. Wer durch die Eiwobau-Siedlung streift, sieht Zäune und Einfriedungen quer durchs Baumarkt-Sortiment: dichte, bis zu drei Meter hohe Hecken, teils mit vorgelagertem niedrigen Plankenzaun; dazu Sichtschutzwände aus Holz in allen Variationen. Und zwar nicht nur entlang der Terrassen, wie erlaubt, sondern auch an den schmalen Fußwegen zwischen den dicht stehenden Reihenhäusern. 

„In der Dunkelheit können sich diese Wege schnell in sogenannte Angsträume verwandeln“

Urteil der Expertinnen vom Planungsverband: „Die Sichtschutzwände und Einfriedungen führen dazu, dass die Wohngrundstücke im Plangebiet auf den Betrachter abgeschottet wirken und das Begehen der schmalen Fußwegverbindungen wenig reizvoll ist. In der Dunkelheit können sich diese Wege schnell in sogenannte Angsträume verwandeln.“ Sprich wer dort abends laufen muss, den befällt in dem engen, finsteren Schlauch schnell ein Gefühl der Beklemmung.

Ursachenforschung betreiben die Planerinnen auch, und was für die Eiwobau-Siedlung gilt, ist wohl exemplarisch für viele Wohngebiete: „Die im vorliegenden Bebauungsplan ungewöhnlich hoch zugelassenen Einfriedungen/Sichtschutzwände sind dem starken Bedarf nach Privatsphäre im Baugebiet geschuldet, dem die Bewohner durch die bereits bestehenden, teilweise illegal errichteten Anlagen Ausdruck verliehen haben.“

Zill: Muss Sicherheitsbedürfnis akzeptieren

Wobei sich kein Siedler in Haar sorgen muss: Der neue Bebauungsplan, den der Bauausschuss mehrheitlich auf den Weg gebracht hat, soll allen Sichtschutzvarianten Bestandsschutz geben, aber ein weiteres Ausufern verhindern. „Eigentlich legalisieren wir damit, was es schon gibt“, sagte Gemeinderätin Gerlinde Stießberger (CSU). Auch SPD-Fraktionssprecher Alexander Zill betonte, dass die Gemeinde den Anwohnern entgegenkomme. Man müsse akzeptieren, dass die Leute heutzutage ein größeres Sicherheitsbedürfnis hätten. So dürfen sie auch weiterhin tun, was eigentlich nicht zulässig war, und um ihren Vorgarten auf einen Sockel von maximal zehn Zentimeter Höhe einen maximal 80 Zentimeter hohen Holzzaun setzen. Damit kein Zamperl aufs Grundstück streunt.

Auch die Sichtschutzwände zwischen den Terrassen sind zulässig und entlang öffentlicher Straßen, aber nicht höher als zwei Meter und nur aus Holz oder Brettern. Auch Hecken sind auf zwei Meter begrenzt. Ausgeschlossen bleiben Schilfrohrmatten, Stacheldraht, Mauern, Kunststoff- und Metallwände, Bespannung mit Matten oder Kunststoffplatten sowie Gabionen; das sind diese bunkerartigen, mit Drahtgeflecht zusammengehaltenen Steinhaufen.

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