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Vor einem der neuen Gebäude stehen (v.l.= Martin Spuckti, „kbo“-Vorstandsvorsitzender, Professor Peter Brieger, Ärztlicher Direktor, und Franz Podechtl, kbo“-Geschäftsführer.

Das endgültige Ende der Verwahranstalt

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Das „kbo“-Isar-Amper-Klinikum in Haar bezieht drei neue Häuser. Platz ist dort für mehr als 350 Betten. 

Haar – „Dann kommst Du nach Haar“: Lange Zeit, war das ein Satz, der nichts Gutes verhieß. War doch die Rede von den Kliniken in Haar-Eglfing, 1912 gegründet und lange gegeißelt als Verwahranstalt für psychisch Kranke. Dieses negative Bild gehört nun endgültig der Vergangenheit an: Mit Abschluss des Zweiten Bauabschnitts haben die „kbo“-Isar-Amper-Kliniken München-Ost den Schritt von der ehemals klassischen Anstalt mit Aufbewahrungscharakter hin zu einem modernen Dienstleister vollzogen.

Der Umzug von Patienten und Mitarbeiter beginnt in wenigen Tagen: 14 Stationen der Geriatrie, Gerontopsychiatrie, Psychosomatik und -therapie, Allgemeinpsychiatrie und Neurologie mit über 350 Betten beziehen drei neue Häuser. Eine gewaltige Organisations-Aufgabe für Personal und Patienten.

Erste Planungen für den Neubau der Psychiatrie gehen ins Jahr 1999 zurück, damals waren in Haar 1130 Betten verfügbar. „Angestrebt war eine Regionalisierung und Dezentralisierung der Psychiatrie in Oberbayern, die mit der Spezialisierung in Haar vereint werden sollte“, sagte Martin Spuckti, der Vorstandsvorsitzender der „kbo“.

München-Schwabing, Fürstenfeldbruck sowie die Tagesklinik in Dachau sind die jüngsten der sieben Regionalstandorte. Erding, Berg am Laim und Pasing sind in Planung. „Über 1,2 Milliarden Euro hat die Regierung Bayern seit 1990 für die psychiatrischen Kliniken zur Verfügung gestellt, 322 Millionen Euro hat der Bezirk Oberbayern für die oberbayerischen Psychiatriestandorte beigesteuert“, sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml.

In den Standort Haar sind in den Neubau der Psychiatrie über 100 Millionen Euro geflossen, 33 Millionen Euro von der Regierung, einen Großteil haben der Bezirk und die „kbo“ aus dem Verkauf der Grundstücke von „Haar II“ finanziert (wir berichteten). Diesen Bereich aufzugeben sei nicht leicht gefallen, „schließlich beenden wir hiermit ein Stück Geschichte“, sagte Professor Peter Brieger, Ärztlicher Direktor des Isar-Amper-Klinikums in Haar. Aber die Architektur der neuen Gebäude, die in knapp zwei Jahren Bauzeit errichtet wurden, sei therapeutisch wertvoll, nachhaltig, wirtschaftlich und nehme zudem Traditionselemente der Umgebung auf.

Vor allem aber sei das Klinikum mit dem Neubau zukunftsfähig. „Alleine durch den jährlichen Zuzug von 30 000 Menschen im Großraum München müssten wir jedes zweite Jahr eine neue Station mit 24 Betten eröffnen“, sagte Brieger. Ständiges Aufstocken in Haar sei jedoch nicht gewollt, Tageskliniken, eine Versorgung daheim und auch eine intensive ambulante Behandlung müssten demnach dem steigenden Bedarf Rechnung tragen. Jährlich kämen rund 110 000 Patienten in die „kbo“-Kliniken, rund 1700 Anrufe gehen monatlich beim Krisendienst ein. „Auf dessen flächendeckenden Ausbau in Oberbayern bin ich besonders stolz“, sagte Bezirkstagspräsident Josef Mederer. Mit diesem Instrument gelinge es in vielen Fällen, stationäre Aufnahmen zu vermeiden.

In die neuen Räume zieht zudem ein frischer Wind in der Behandlung ein, denn „satt und sauber genügt schon lange nicht mehr“, sagte Brigitta Wermuth, in Vertretung von Pflegedirektor Hermann Schmid. Ihr Team setze auf moderne Pflege, dazu gehöre eine teilweise Öffnung der gerontopsychiatrischen Stationen, das Nachtcafé werde zu neuem Leben erweckt, Pflegende könnten sich als Co-Therapeuten engagiere Die „kbo“ habe mit diesem Flaggschiff die Segel gesetzt, „nun muss diese offene Struktur auch bei den Menschen ankommen“, sagte Huml.

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