Geschlechtergerechte Sprache oder gendern: Mitarbeiter*innen
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Wie spricht und schreibt man geschlechtergerecht? Neuester Trend ist das so genannte Gender-Sternchen. (Symbolbild)

Haar bei München

„Bürger*innenplatz“: Genderwahnsinn oder geniale Idee? Gemeinde-Mitglieder sollen abstimmen

  • Günter Hiel
    vonGünter Hiel
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Mit dieser Namenswahl könnte die Gemeinde Haar berühmt werden: „Bürger*innenplatz“ soll der für Kulturveranstaltungen beliebte „Platz ohne Namen“ getauft werden.

Haar – Der Vorschlag kommt von der Grünen-Fraktion im Gemeinderat Mit Gender-Sternchen, damit auch Menschen eingeschlossen sind, die sich dem dritten Geschlecht (divers) zugehörig fühlen. Der Begriff mit Stern steht an Position eins der Namensvorschläge aus dem Gemeinderat (neun Stimmen), zusammen mit „Bürgerinnenplatz“ (sieben Stimmen) und der gängigen Variante „Bürgerplatz“ (vier Stimmen). Auf Platz eins deshalb, weil letztlich 20 Ratsmitglieder für irgendeine Variante von „Bürgerplatz“ votiert haben. Die Haarer Bürger jeden Geschlechts sollen online über diese Vorschläge diskutieren, abstimmen oder selbst weitere Namen ins Spiel bringen.

„Bürger*innenplatz“ bei München: Gendersternchen auf dem Straßenschild?

Ein Zuhörer hat gleich die Gelegenheit in der Ratssitzung genutzt und seinen Favoriten unterbreitet: „Greta-Thunberg-Platz“, benannt nach der jungen schwedischen Klimaschutz-Aktivistin, auf die die „Fridays for future“-Bewegung zurück geht. Dafür stehen die Chancen aber schlecht, erwiderte Peter Paul Gantzer (SPD) , da Plätze oder Straßen normalerweise nur nach verstorbenen Personen benannt werden.

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Gemeinde soll über „Bürger*innenplatz“ abstimmen: Breite Debatte ausgelöst

Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) sieht im Haarer Namenswettbewerb immerhin die Gelegenheit, die bislang nach seiner Einschätzung eher elitäre Gender-Thematik breit in der Bürgerschaft diskutieren zu lassen. Eine gesellschaftspolitische Debatte, die ursprünglich gar nicht beabsichtigt war bei dieser scheinbar simplen Namensfindung. Bis Grünen-Gemeinderätin Ulrike Olbrich, von Beruf Dramaturgin, den „Bürger*innenplatz“ ins Spiel brachte. Damit wäre man am Puls der Zeit und könne ein Zeichen setzen. Der normale „Bürgerplatz“, so Grünen-Fraktionschef Ulrich Leiner, wäre dagegen „marketingmäßig das langweiligste, was wir uns aussuchen können“.

CSU ist sehr skeptisch: Keine Fans des „Bürger*innenplatzes“

Für Peter Paul Gantzer und die SPD könnte das Kind auch gerne „Bürgerinnenplatz“ heißen. Womit freilich nicht explizit alle Menschen genannt wären, die sich als „divers“ verstehen. Wie viele das sind in Haar, gibt die Einwohnerstatistik nicht her.

Skeptisch ist die CSU. Ob es auch „Posthalter*innenplatz“ heißen müsse, wenn sich der Namensvorschlag auf Platz zwei der Liste durchsetzen sollte, frotzelte Fraktionschef Dietrich Keymer. Für den Vorschlag haben sich acht Gemeinderäte erwärmt. Ebenso für „Postwies’n“. Das wäre mal eine gendermäßig gänzlich unproblematische Variante.

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