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Erster Teilerfolg: Ali Ahrar (2.v.l.) darf in Deutschland bleiben. Die Asylverfahren der Eltern, Sofi und Leila, und seiner Brüder Mujib und Esmat  hängen zwar noch in der Schwebe. 

Gericht: Ali Ahrar aus Haar wird nicht abgeschoben

Afghanischer Azubi darf bleiben

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Erleichterung pur: Der afghanische Flüchtling Ali Ahrar  aus Haar wird nicht abgeschoben. Vor Gericht erzählten seine Eltern von der Hölle - die Flucht vor den Taliban.

Haar – Als sich der Richter zur Urteilsfindung zurückzog, machte sich Erleichterung breit im Sitzungssaal Nummer vier. Ali Ahrar (22) lächelte seine Freundin an, die mit ihren Eltern zur Verhandlung am Verwaltungsgericht gekommen war. Auch über das Gesicht seiner Mutter Leila huschte, wenn auch nur kurz, ein Lächeln. Zu diesem Zeitpunkt war allen im Raum – zumindest unterbewusst – wohl schon klar, was der Richter fünf Minuten später offiziell verkünden würde: Ali Ahrar, Bademeister-Azubi aus Haar, wird nicht nach Afghanistan abgeschoben.

Damit das Gericht jedoch zu diesem Urteil kam, musste die Familie, die seit viereinhalb Jahren in Haar lebt, nochmals ihre ganz persönlich Hölle durchleben. Als Zeugen im Asylverfahren ihres Sohnes wurden die Eltern, Sofi und Leila Ahrar, geladen. Das Bundesamt für Migration hatte Ali Ahrars Asylantrag zunächst abgelehnt. Doch die Ahrars klagten gegen den Bescheid.

Mit ihren Aussagen sollten die Eltern nun also Unklarheiten aus der Welt schaffen, die in vorangegangenen Vernehmungen offenbar aufgekommen waren. Keine leichte Aufgabe für die beiden, die aus Angst um das Leben ihrer drei Söhne aus Kabul geflohen waren. Einen Sohn hatten sie dort bereits verloren. Und die Erinnerung daran schmerzt noch immer. Leila Ahrar musste ihre Aussage mehrere Minuten unterbrechen und verließ weinend den Sitzungssaal. Und auch ihr Mann sprach mit leiser, stockender Stimme. Ein Dolmetscher übersetzte für beide.

Auf Nachfrage des Richters gab Sofi Ahrar immer mehr Einblicke in die Monate, in denen er und seine Familie ins Fadenkreuz der Taliban gerieten. Er erzählte von Drohungen, die er erhielt, weil er sich weigerte, mit der Terrorgruppe zusammenzuarbeiten. Er arbeitete damals für das Landwirtschaftsministerium: „Ich vermute, sie wollten mit meinem Dienstwagen Sprengstoff transportieren.“

Als sich Ahrar wiederholt nicht darauf einließ, ermordeten sie seinen ältesten Sohn Mohebullah. „Sein Tod sollte eine Lektion für mich sein“, sagte Sofi Ahrar. Die Familie tauchte daraufhin unter. Die Söhne gingen nicht mehr zur Schule, die Mutter kündigte ihren Job. Doch die Terroristen fanden sie. Bei der Trauerfreier für den verstorbenen Mohebullah, so erzählt der Vater, sei ein Mann an ihn herangetreten. „Er sagte mir: Wenn ich in Zukunft nicht mit ihnen zusammenarbeite, werden meine andere Kinder das gleiche Schicksal erleiden.“ Der Vater entschloss sich, das Land mit seiner Familie zu verlassen. „Wir wollten unsere Kinder in Sicherheit bringen, wir haben an nichts anderes gedacht“, sagte Leila Ahrar.

Jetzt ist die Familie in Sicherheit. In Haar hat sie sich bestens integriert, die Söhne sprechen perfektes Deutsch. Und seit Freitag steht nun auch fest, dass Ali definitiv in Deutschland bleiben darf. Er erhält sogenannten subsidiären Schutz. Das heißt, er bekommt eine zweijährige Aufenthaltserlaubnis und kann sich dann für eine Niederlassungserlaubnis bewerben. „Mir fällt ein Riesengewicht von den Schultern“, sagte er nach dem Gerichtstermin. Die Entscheidung über die Asylanträge seiner Eltern und Brüder steht zwar noch aus. Doch Ali Ahrar ist guter Dinge: „Ich glaube, dass sie auch bleiben dürfen.“ Den Teilerfolg vor Gericht feierte die Familie übrigens gemeinsam mit der von Alis langjähriger Freundin: in einer bayerischen Wirtschaft.  

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