Zukunftsvision: Der Radschnellweg könnte zwischen Haar und Trudering auf Stelzen über dem Mittelstreifen der B 304 verlaufen, so ein erstes Konzept. grafik: gemeinde
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Zukunftsvision: Der Radschnellweg könnte zwischen Haar und Trudering auf Stelzen über dem Mittelstreifen der B 304 verlaufen, so ein erstes Konzept. (Simulation)

„Da können wir nur den Kopf schütteln!“

An der B304: Grüne lehnen Stelzen-Radweg ab

Ein Radschnellweg auf Stelzen oberhalb der B304 - nicht mit den Haarer Grünen. Sie lehnen die „CSU-Vision“ ab, weil sie die Pläne für eine Verlängerung der Tramlinie gefährdet sehen.

Haar – Das Radfahren wird wiederentdeckt, aber für die Verkehrswende muss es attraktiver werden. Sobald es allerdings konkret wird, hört die Einigkeit schnell auf. Das zeigte sich nun auch in Haar in der Debatte um den aufgeständerten Radschnellweg. Die Grünen halten von den Stelzen nämlich nichts.

Die Rathauschefs von Haar und Vaterstetten, Andreas Bukowski und Leonhard Spitzauer, sowie der Bezirksausschussvorsitzende von Trudering-Riem, Stefan Ziegler (alle CSU), hatten vor gut einer Woche eine Initiative gestartet für eine solche kreuzungsfreie Direttissima im Münchner Osten. Der Radschnellweg soll entlang der B 304 verlaufen, wird daher auch „Vision RS 304“ genannt. Auf den letzten elf Kilometern in Haar und München-Trudering soll er aufgeständert im Mittelstreifen der vierspurigen Bundesstraße verlaufen.

„Wir wollen weitere Umlandkommunen begeistern“

Bürgermeister Bukowski kündigte im Bauausschuss als nächsten Schritt die Bürgerbeteiligung an. Wie bei der Vorstellung der „Vision RS 304“ vor einer Woche angekündigt, habe er zudem mit seinem Zornedinger Kollegen Piet Mayr (CSU) gesprochen. Auf den Grasbrunner Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) sowie den Bezirksausschuss Berg am Laim gehe er noch zu, kündigte Bukowski an: „Wir wollen weitere Umlandkommunen begeistern.“

Bei der Veröffentlichung der „Vision RS 304“ hatten die drei Kommunalpolitiker als weitere potenzielle Partner unter anderem die Nordallianz München-Ost, die Landeshauptstadt, die Kreistage von München und Ebersberg sowie die Verkehrsministerien genannt. Einen Gegner haben die drei CSU-Kommunalpolitiker jedenfalls schon fünf Tage nach ihrem Gang an die Öffentlichkeit: die Grünen.

Grüne üben harsche Kritik an CSU-Plänen

Natürlich ist die Ökopartei im Prinzip für Radschnellwege, von denen der erste vom Stachus in den Norden nach Unterschleißheim bereits in der Planung ist. Doch die Grünen lehnen die Trasse über der B 304 ab. Der Zweite Bürgermeister Ulrich Leiner kündigte noch im Ausschuss eine Pressemitteilung dagegen an, zusammen mit seinen Parteifreunden in Vaterstetten, Grasbrunn und Trudering-Riem. Darin bezeichnen die Grünen die „CSU-Radl-Aktion“ als – „zugegebenermaßen erfolgreiche“ – „Luftnummer“. Der CSU-Vorschlag verunmögliche wegen der Ständerung eine Tram auf der B 304. Leiner im Ausschuss: „Da können wir nur den Kopf schütteln!“

Konkret kritisieren die Grünen an der „Vision RS 304“, sie sei „die mit Abstand teuerste Variante“ unter verschiedenen Routen. Sie brauche zudem, um kreuzungsfrei zu sein, mehr als 65 Meter lange Rampen, die das Ortsbild stören würden. Überdies drohe eine Variante an einer Bundesstraße jahrzehntelang in der Planung stecken und hänge am Engagement des Bundes, so die Einschätzung der Grünen. Die Ständerung sei nur aus dem Grund ein Kern des Konzepts, damit auf der vierspurigen B 304 in Haar und Trudering keine Autospur abgegeben werden muss. Es bedürfe aber eines „generellen Umdenkens“ in der städtischen Mobilität.

Trasse auf Stelzen die langfristigere Lösung?

Das sah Peter Paul Gantzer (SPD) ebenso: Haar solle „nach München schauen“, wo manchenorts Auto- in Radspuren umgewandelt wurden, „statt Autofahrer noch zu bevorzugen“. Die Grünen fordern stattdessen eine Trasse entlang der Bahnstrecke weiter nördlich mit einer Brücke über die B 471 in Haar sowie die Fortführung der Tram 21 von Trudering bis Haar.

Bürgermeister Bukowski erwiderte seinem Stellvertreter Leiner: „Ich kann dir da nicht folgen.“ Eine Trasse entlang der Bahn sei allenfalls eine kurzfristige Lösung. Sie werde aber weder schnell noch barrierefrei oder sicher, drei der vier Erfolgskriterien für Radschnellwege. Die Überörtlichkeit sei der vierte. Bahnnah gäbe es zu viele Unterbrechungen, Kreuzungen und Ampeln, meinte er. Die B 304-Aufständerungstrasse sei die langfristige Lösung. Sie würde vorhandene Strukturen nutzen, Grünflächen erhalten und statt Verboten elf Kilometer zusätzliche Infrastruktur schaffen.

Georg Eble

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