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Ein bisschen Niemandsland ist das heutige Gronsdorf. Es liegt unweit der Messestadt, gehört aber zur Gemeinde Haar. Erschlossen ist es im Wesentlichen über die Bahnstraße am S-Bahnhof und die Straße über Salmdorf zur B471 durch Ottendichl. Nun gibt es Baupläne, die neue verkehrliche Lösungen nötig machen. Die Frage ist: Wer ist zuständig?

Drohende Verkehrsprobleme

Grundstücks-Poker mit der Gemeinde Haar: Geplante Neubaugebiete samt Schulcampus

An Münchens östlicher Stadtgrenze gibt es Probleme mit den Nachbarn aus Haar. Die wollen einen neuen Schulcampus bauen, brauchen dafür aber Grund von der Stadt. Aus dem Stadtrat und dem Bezirksausschuss Trudering kommt jedoch Widerstand wegen drohender Verkehrsprobleme auf Münchner Seite.

Haar - Die Pläne betreffen das Grenzgebiet. Haar möchte in seinem Gemeindeteil Gronsdorf zwei große Neubaugebiete ausweisen – und der Landkreis auch noch einen Schulcampus mit Fachoberschule, Pflegeschule, Realschule und Sportflächen bauen. Die Krux: Das Gebiet an der gleichnamigen S-Bahnhaltestelle ist nur über eine einzige Straße erschlossen. Auf der einen Seite führt sie zur B471, auf der anderen Seite der Bahn über Truderinger Grund zur Wasserburger Landstraße.

Dort stöhnen die Anwohner der schmalen Bahnstraße schon seit Jahrzehnten über den Verkehr, vor allem über die vielen Schwerlaster des Gronsdorfer Kieswerks. In den Neubauplänen sehen sie eine Katastrophe auf sich zukommen – zumal die Haarer offenbar keine Lösung für den Verkehr auf ihrem Gebiet anstreben. Stattdessen verweist man auf eine zweite Anbindung über den Rappenweg, die aber nur zustande kommen kann, wenn ein Grundstückstausch mit erheblichen Auswirkungen im Truderinger Ortskern funktioniert. Die Lkw sollen aber gar nicht über diese zweite Anbindung fahren, haben die Truderinger Stadtteilpolitiker inzwischen mit Erstaunen aus Haar gehört. Keine Lösung also für die belastete Bahnstraße.

Das bestehende Straßennetz könnte das gar nicht mehr auffangen

Weiterer Streitpunkt: Die Gemeinde Haar legt schlauerweise alle Bauvorhaben einzeln vor – um so zu vermeiden, ein umfassendes Verkehrskonzept vorlegen zu müssen. Ein Verkehrsgutachten bestätigt, dass Fachober- und Pflegeschule (FOS) allein locker machbar wären. Erst mit der Realschule würde es eng, weitere Verkehrsmengen könnte das bestehende Straßennetz gar nicht mehr auffangen. Die Folge: Staus und Verdrängungsverkehr in die umliegenden Wohngebiete von Trudering.

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Allerdings hat die Stadt noch einen Joker. Denn Haar und der Landkreis benötigen für ihren Schulcampus 60 000 Quadratmeter Grund, den München in Gronsdorf besitzt und über den derzeit verhandelt wird. Diesen Trumpf müsse man nutzen, heißt es aus München. Der Bezirksausschuss (BA) fordert deshalb, keine Fakten zu schaffen zu Lasten der Truderinger Bevölkerung. Der Stadtrat hat bereits reagiert. Im Kommunalausschuss gab es jüngst den Beschluss, in Gronsdorf nichts zu verkaufen, bevor nicht ein umfassendes Verkehrs- und Strukturgutachten vorgelegt wurde. Vor einer Unterschrift wollen die Stadträte genau über die Konsequenzen für die Truderinger Bürger informiert werden.

„Die Stadt muss zum Schutz ihrer Bürger handeln“

„Die Stadt muss zum Schutz ihrer Bürger handeln“, sagt BA-Vizechef Stefan Ziegler (CSU). Die städtische Verwaltung dürfe sich nicht vom Landkreis unter Druck setzen lassen, weil der um zugesagte Fördermittel fürchte.

Tatsächlich laufen im Landkreis bereits die Anmeldungen für FOS-Vorläuferklassen zum kommenden Schuljahr, die spätestens 2021/22 ins neue Schulgebäude umziehen müssen – ansonsten entstünde dem Landkreis München ein extremes finanzielles Risiko. Deshalb würde man das FOS-Projekt gerne abkoppeln und ohne Blick auf die Zukunft der verbleibenden städtischen Restflächen in Gronsdorf umsetzen. Gerne möchte man jetzt gleich auch die erforderliche Grundstücksfläche für die Realschule mitkaufen.

Im Stadtrat gibt es wohl auch die Idee, gleich komplett an Haar zu verkaufen. Dann müssten die sich mit der gesamten Entwicklung des Gebiets rumschlagen und das Tauschgeschäft am Rappenweg würde überflüssig. In Trudering geht die Angst um, dass die Anlieger der Bahnstraße die großen Verlierer würden.

Carmen Ick-Dietl

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