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Bernd Ernemann, Chefredakteur der Heimatzeitungen des Münchner Merkur, spricht im Gymnasium über Fake News und wie man sie erkennen kann. 

Merkur-Chefredakteur spricht im Gymnasium Haar

Fake News und Cybermobbing: Eltern verunsichert

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Das Smartphone ist ständig dabei. Um Fake News, Cybermobbing  und Co. ging es bei einem Projekt im Gymnasium Haar. 

Haar – Hate Speech, Fake News, Datenlecks und Cybermobbing: Die Gefahren im Netz sind groß. Wie souverän und selbstbestimmt bewegen wir uns im Internet? Mit diesem Thema haben sich die Schüler des Ernst-Mach-Gymnasiums Haar beim „Safer Internet Day“ beschäftigt. Aufbauend auf der EU-Initiative „klicksafe“ erarbeiteten die Schüler Workshops zu den Themen virtuelle und reale Freundschaften, Gaming, Suchtverhalten und das Internet als Lernplattform.

Eltern verunsichert

Ein Infoabend für Eltern zu diesem Thema zeigte deutlich: Sie und ihre Kinder nutzen das Smartphone zur Informationsbeschaffung und zum Entertainment gleichermaßen. Doch die Eltern sind verunsichert: „Wie ich kann sehen, wann meine Tochter was macht? Lernt mein Sohn und googelt etwas im Zuge der Hausaufgaben? Oder hört er neben dem Lernen Musik oder schreibt nebenher eine SMS oder WhatsApp-Nachricht?“ Diese und weitere Fragen tauchten immer wieder auf. Die Kritik der Mütter und Väter: „Das Handy schlängelt sich durch den ganzen Tag.“

Bereit sein, von Kindern zu lernen

Das Problem sei, so Schulpsychologin Juliane Bernhard, dass die heutige Elterngeneration auf keine Erfahrung zurückgreifen kann. „Sie sind die ersten Eltern, die sich damit beschäftigen müssen.“ Bernhards Rat: „Setzen Sie sich auf Augenhöhe mit den Kindern auseinander. Die Lösung ist nicht einfach verbieten, denn nicht alles, was die Kinder mit dem Handy machen, ist schlecht.“ Das forderte aber gleichzeitig ein Nachfragen und die Bereitschaft, von den Kindern etwas im Umgang mit dem Smartphone zu lernen.

Handy hat im Bett nichts zu suchen

Zudem gelte es, Abmachungen zu treffen. So wie es Uwe Krüger (50) tut. Der Vater hat einen Mediennutzungsvertrag mit seinem zwölfjährigen Sohn geschlossen. „Darin steht genau, dass es etwa zum Essen oder bei den Hausaufgaben kein Handy gibt.“ Bei Verstößen gibt es Konsequenzen, die bislang aber noch nicht zu einem gänzlichen Handyentzug geführt hätten. „Der Vertrag betrifft übrigens die ganze Familie. Wir alle haben uns verpflichtet, dass die Handys beim Schlafen im Wohnzimmer bleiben“, erzählte Krüger. Prinzipiell sieht er den Umgang mit dem Handy entspannt. Er habe ebenfalls sein Smartphone immer dabei, nutze es auch beruflich. „Wir müssen es einfach akzeptieren, wir sind in einer neuen Zeit.“ Ähnlich wie Clarissa Kameter (51) hat er eine Kontrolle eingebaut, sodass beide mittels einer App verfolgen können, auf welchen Kanälen sich die Kinder mit ihren Smartphones bewegen und auch zu welchen Uhrzeiten. Kameter hat gar eine Excel-Tabelle erstellt. „Das passiert mir nicht mehr, dass ich nachts ins Zimmer komme und meine am offenen Fenster sitzende Tochter mir weiß machen will, dass sie frische Luft brauche. Tatsächlich jedoch surft sie im offenen WLAN-Netz eines Nachbarn.“

Fakt oder fake?

Ungemein wichtig war es den Eltern, dass ihre Kinder erkennen, welche Nachrichten und Informationen im Internet „Fakten“ oder „fakes“ sind. „Wir Erwachsene wissen doch schon nicht mehr, wem und was wir trauen können“, sagte Ernst Dasch (51). „Ist das Foto im Internet wirklich echt oder nicht? Hat der Politiker das auch wirklich so in dem Kontext gesagt?“ Bernd Ernemann, Chefredakteur der Heimatzeitungen des Münchner Merkurs, und Klaus Ott von der Süddeutschen Zeitung räumten ein, dass selbst Journalisten manchmal auf „fakes“ hereinfallen. „Wir sind auch nur Menschen und Menschen machen Fehler“, sagte Ernemann. „Aber wenn wir es merken, dann stellen wir es richtig. Das unterscheidet uns von den Verursachern von fake news“, betonte Bernd Ernemann. „Da werden Sie keine Berichtigungen finden.“

Merkur-Chefredakteur Ernemann: So erkennt man Fake

An den Pressekodex und das deutsche Pressegesetz gebunden, müssten Medienunternehmen zudem klar und auch für den Leser ersichtlich zwischen Nachrichten, Meinungen und Kommentaren trennen.

Da im Zeitalter des Smartphones nicht nur die Nachrichtenagenturen und Medienhäuser Lieferanten von Fakten und Informationen sind, sondern jedermann Infos verbreiten könne, müsse man genau hinschauen. „Wer ist der Absender der Nachricht? Wer schreibt noch darüber? Wie fundiert ist der Bericht? Warum und wann wurde berichtet?“ Diese Fragen sind für den Chefredakteur der Heimatzeitungen Kriterien, um fake news zu erkennen. Internet, Blogs, Social Media sieht er als Bereicherung, aber man müsse sich stets bewusst sein, dass vieles, wie Pressemitteilungen von Firmen, interessengesteuert sind.  

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