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Multikulturelle Generationenmusik: (v.l.) Kutlu, Esther Bejarano, Joram, Bejaranos Sohn, und Rossi auf der Bühne des Haarer Ernst-Mach-Gymnasiums.

Im Ernst-Mach-Gymnasium Haar

Esther Bejarano rappt ihr Leben

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Haar - Schüler, Lehrer und Eltern stehen am Bühnenrand des Haarer Ernst-Mach-Gymnasiums und zücken ihre Handys. Es ist ein besonderer Moment, den sie festhalten, denn auf der Bühne steht die 91-jährige Esther Bejarano und rappt.

Bejarano ist Überlebende von Auschwitz und singt wider das Vergessen und den Rechtsextremismus. Im Rahmen des Projekts „Spurensuche“ ist es der Schule gelungen, Esther Bejarano und ihre Band „Microphone Mafia“ an die Schule zu holen. Die Bürgerstiftung Haar hat spontan die Kosten für das Engagement der Künstler übernommen, „denn Toleranz ist das wichtigste Gut in unserer Zeit“, sagt Jürgen Partenheimer, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung. „Gerade die jungen Menschen müssen wissen, was, wann, wo und warum es geschah.“ Und wer könnte diesen Auftrag besser erfüllen als eine Zeitzeugin? So war es mucksmäuschenstill, als Bejarano gut 40 Minuten aus ihrem Buch „Erinnerungen“ las. Mit ruhiger Stimme trug sie vor, wie sie am 20. April 1943 in Auschwitz ankam, ihrer Haare, ihres Namens und ihrer Würde beraubt und zur Nummer 41 948 wurde, die man ihr in den linken Arm tätowierte. Allein ihre Musikalität, ihr Gesang und das Akkordeonspiel haben sie im Mädchenorchester des Vernichtungslagers überleben lassen, bis ihr im Januar 1945, auf dem Todesmarsch aus Ravensbrück, die Flucht in die rettenden Arme der amerikanischen Befreier gelang. „Es war nicht nur meine Befreiung, es war meine zweite Geburt.“ 71 Jahre später steht sie mit ihrem Sohn Joram auf der Bühne, mit dem Türken Kutlu und dem Neapolitaner Rossi der Band „Microphone Mafia“ rappt sie gegen den Rechtsextremismus, abwechselnd in jüdischer, türkischer, italienischer oder französischer Sprache. Für Kutlu und Rossi ist Esther die „Mama“, die uns vor vielen Jahren „eingeenkelt“ hat. Esther spricht über die Musiker von „ihren Jungs“, seit 2009 stehen sie gemeinsam auf der Bühne. Sie wollten eigentlich nur sechs Lieder machen und zwei Konzerte spielen. Daraus wurden dann aber zwei Alben und über 240 Konzerte in den vergangenen Jahren. Die Hymne des jüdischen Widerstandes „Sage nie, Du gehst den letzten Weg“, „Die Ballade von der Judenhure“ oder „Insanlar“, zu deutsch Menschen, werden in die Sprache der Jugend adaptiert. „Wow, das geht schon unter die Haut“, sind sich die beiden Elftklässlerinnen Paula und Laura einig. „Wie sie in ihrem Alter auf der Bühne steht, das glaubt man gar nicht.“ Eindrücklicher könne Geschichtsunterricht gar nicht sein, „schade, dass nicht mehr Schüler gekommen sind, dieser Abend wäre es wirklich wert gewesen“, finden die beiden Schülerinnen.

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