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Vorbild Dantebad: Für die Stadt hat Bauunternehmer Ernst Böhm 100 Wohnungen auf Stelzen in 100 Tagen geplant und gebaut. Jetzt stellte er das Projekt in Haar vor.

Pilotprojekt Stelzenhäuser

Bauen über dem Parkplatz liegt im Trend

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Im Auftrag der Stadt München hat Ernst Böhm ein Stelzenhaus am Dantebad errichtet. Die Erfolgsbilanz: 100 Wohnungen in 100 Tagen. Auf Einladung der SPD-Bundestagsdirektkandidatin Bela Bach hat Böhm das Pilotprojekt jetzt in Haar vorgestellt.

Landkreis/Haar – Grundstücke sind knapp. Die Idee, Häuser über Parkplätzen zu bauen und so nachzuverdichten, hat etwas Visionäres: Der Investor Ernst Böhm macht vor, dass das geht. Seine Firma hat im Auftrag der Stadt München 100 Wohnungen über dem Dantebad-Parkplatz errichtet. Das Stelzenhaus war in 100 Tagen bezugsfertig und kostete gerade mal zehn Millionen Euro. Bezahlbaren Wohnraum schaffen – diese Herausforderung greift Bela Bach, SPD-Direktkandidatin, in ihrem Bundestagswahlkampf auf.

Im Gespräch mit zwei Experten sucht sie im Haarer Bürgerhaus nach politischen Konzepten und zeigt sich in der Rolle der fragenden Moderatorin dabei selbst als Lernende. Denn von Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) und Investor Ernst Böhm (SPD) will die 25-Jährige wissen: Welche politischen Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, damit auch im Landkreis günstiger Wohnraum sichergestellt werden kann?

So entsteht Wohnraum

Ernst Böhm ist Aufsichtsratsvorsitzender der B&O-Gruppe in Bad Aibling und kandidierte im Landkreis Ebersberg für die SPD als Landrat. Seine Firma hat zahlreiche Bauprojekte umgesetzt, darunter die Mustersiedlung „City of Wood“ in Bad Aibling. Die Ideen sprudeln aus dem 59-Jährigen, der sich als „alter Sozi“ bezeichnet, nur so heraus. Der Querdenker befeuert die 30 Zuhörer im Saal mit vielen Ansätzen, wirbt für serielles Bauen („fünf bis sechs gute Grundrisse reichen“) und kritisiert, dass öffentliche Bauherren Aufträge nur gewerkeweise vergeben dürfen. „Installateur, Fliesenleger, Schreiner und Maler tummeln sich auf vier Quadratmetern Bad. Und wenn die Reihenfolge durcheinander kommt, gibt es Verzögerungen.“ Vorgefertigte Bad- oder Küchenmodule würden ein Projekt günstiger machen und die Bauzeit verkürzen. Hier müsste sich das Baurecht ändern.

Weitere Vorschläge, damit Wohnraum entsteht: Beim Ersterwerb sollte der Staat auf die Grunderwerbssteuer verzichten. In Regionen mit angespanntem Wohnungsmarkt sollte auf Grundstücke mit Baurecht ab dem fünften Jahr der Nichtnutzung eine Grundsteuer erhoben werden. Zudem wirbt Böhm für Steuererleichterungen, wenn Grundbesitzer die Gewinne aus Grundstücksverkäufen in den Bau bezahlbarerer Wohnungen investieren. Denn er ist sich mit Müller einig: „Man erreicht mehr, wenn man Anreize schafft.“

Parkflächen sind nicht verloren

Auch einen ganz konkreten Vorschlag macht Böhm den Bürgermeistern: „Jede Gemeinde hat einen Parkplatz auf dem Feuerwehrhof. Über dem kann man in 3,20 Meter Höhe Wohnungen für Feuerwehrmänner und Kindergärtnerinnen bauen.“ Die Münchner Mieter, die über dem Dantebad-Parkplatz wohnen zahlen für ihre 54 Quadratmeter-Wohnungen rund 500 Euro monatlich. Übrigens gingen für das Stelzenhaus nur fünf der 111 Parkplätze verloren, berichtet Böhm.

Mieter im Landkreis müssten einen Großteil ihres Einkommens für das Wohnen ausgeben, beklagt Bürgermeisterin Gabriele Müller. Eine Doppelhaushälfte, die 2015 in Haar für 620 000 Euro auf dem Markt war, kostet 2016 schon 680 000 Euro.

Das Problem sei: „Es fehlen Grundstücke.“ Die Kommune Haar, wie kürzlich auch die Gemeinde Hohenbrunn, daher die SoBon (Sozialgerechte Bodennutzung) eingeführt: Investoren müssen sich an Folgekosten wie Kitas und Straßen beteiligen und auch einen Teil der gebauten Wohnungen an die Kommune abtreten, die dafür 25 Jahre das Belegungsrecht hat.

Weil Grundstücke rar sind, sind sie teuer. „60 Prozent kostet das Grundstück, 30 Prozent der Bau und zehn Prozent die Planung“, rechnet Böhm vor.

Eigenheimzulage wieder einführen

„Wir brauchen wieder eine Anschubfinanzierung für Berufstätige“, forderte ein Zuhörer. Dafür wirbt auch Gabriele Müller: „Mein Mann und ich hätten uns unser Häuschen nicht leisten können ohne die Zulage vom Staat, die es damals noch gab. Das Wohneigentum muss wieder gefördert werden.“ Bela Bach nimmt, wie sie sagt, die Hinweise „von der Basis“ gerne auf. In seinem Schlusswort rät Böhm, die SPD sollte sich auf zwei Themen konzentrieren: „Gute Arbeit, gutes Wohnen, das sind unsere Kernkompetenzen, da kennen wir uns aus. Dann wird es auch was!“

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