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Hier zwickt’s: Sabine Runge (vorne) aus der Waldluststraße zeigt Bürgermeisterin Gabriele Müller, wo sich der Schleichverkehr entlang schlängelt, der die Ampel zwischen der B471 und B304 umgehen will.

Mobilitätskonzept

Bürger sagen Verkehr den Kampf an: So war es beim ersten Mobilitäts-Workshop

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Mit einem Mobilitätskonzept will die Gemeinde Haar den Verkehr lindern – und dabei die Bürger einbinden. Bei einem Workshop brachten die Haarer ihre Ideen und Kritikpunkte ein.

Haar – Der Appell von Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) hat gefruchtet. Die Haarer sollten sich Einbringen beim Mobilitätskonzept, das die Gemeinde erstellt. Und das taten sie. Der Bürgersaal war beim ersten Mitmach-Workshop mit gut 80 Personen zwar nicht überfüllt, dafür waren die meisten gut „präpariert“. Sie hatten vielen konkrete Wünsche, Verbesserungen und Anregungen dabei, wie sie sich künftig den Verkehr auf den örtlichen Straßen vorstellen. Oder eben auch nicht. Ihre Ideen notierten sie auf Karteikarten. Während die einen sich endlich wieder aus ihrem Gartentürl raus trauen wollen, regen andere eine verbesserte Schaltung von Fußgängerampeln und diebstahlsichere Fahrradabstellplätze an oder sehen die Möglichkeit, mittels Carsharing-Angeboten auf das eigene Auto verzichten zu können. Ein Überblick.

Der Fußgänger

Henry Bock (47) wohnt seit elf Jahren in Haar und ist überwiegend zu Fuß unterwegs. „Ich gehe zur S-Bahn und würde mir wünschen, wenn die Schwächsten im Straßenverkehr gestärkt würden.“ Er hatte bereits auf eigenen Karteikarten seine Wünsche notiert. „Die Fußgängerampel an der Bahnhofstraße ist schlecht und am Jahngelände fehlt eine Brücke über die B471“, regt er an.

Der Radfahrer

Matthias Stolz (41) ist Radler und wohnt im Musikerviertel „mit schmalen Fußwegen“, wo der Schleichverkehr seinen Kindern auf dem Schulweg zu schaffen macht. Er lehnt es ab, dass die Pkw-Fahrer gezwungen sind, ihr Auto auf Privatgrund abzustellen. „Vielmehr sollte ein flächendeckendes Carsharing-Angebot so gut sein, dass man kein Privatauto mehr braucht.“ Seine Wunsch-Liste ist lang, er will in der kommenden Zeit alle Kanäle, auch die Möglichkeit der Online-Eintragung nutzen.

Die Anwohnerin

„Die Schleichverkehre machen uns zu schaffen“, betonte Sabine Runge (47) aus der Waldluststraße. „Gegenüber dem Schwimmbad ist es, genau vor meiner Haustüre, besonders schlimm.“ Der aus Grasbrunn kommende Durchgangsverkehr der B471 biege in die Waldluststraße ab, und quäle sich dann durch ihre kleine Straße. Ihre beiden Kinder und auch die der Nachbarn hätten schon oft in die Gärten ausweichen müssen, um nicht von den Autos, Liefer- und Lastwägen angefahren zu werden. Für Müller ein Brennpunkt, an dem Handlungsbedarf dringend notwendig sei, „so ortsfremd kann man gar nicht sein, als dass die Schleichwege nicht gefunden werden“. Zumal selbst die Navis diese „Alternativroute“ zur Umgehung der Ampel an der Kreuzung der beiden Bundesstraßen vorschlagen würden.

Weiteres Vorgehen

Der Verkehr ist ein großes, und emotional diskutiertes Thema, betonte Bürgermeisterin Müller, „daher haben wir es zum Schwerpunkt in diesem Jahr gemacht“. Nun gelte es, die Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen, die weit in die Zukunft reichen. Gemeinsam mit dem Äußeren Planungsverband München hat die Kommune eine umfangreiche Bestandsanalyse erstellt, wo der Verkehr in Haar fließt, wie Rad- und Fußwege angelegt sind und genutzt werden, wie man sinnvolle Verbesserungen erreichen kann, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren. Es wurden alle am Verkehr Beteiligten – Fußgänger, Rad- und Autofahrer, der ÖPNV, Bike- und Carsharing – einbezogen und die Siedlungs- und Gewerbeentwicklung berücksichtigt.

Mit Häkchen und Punkten konnten die Bürger an den Stellwänden im Bürgerhaus ihre Meinung abgegeben, wie sie zu Sharing-Angeboten stehen, ob sie ein fahrradfreundliches Klima befürworten, und wie sie zu Tempo 30 oder verkehrsberuhigten Zonen stehen. Die Vorschläge sollen sich im Konzepte widerspiegeln, das im Oktober auf einer weiteren Bürgerversammlung präsentiert werden soll. Die Bestandsaufnahme und das bisherige Konzept stehen auf der Gemeindehomepage. Dort besteht bis 7. April auch die Möglichkeit, an der Online-Befragung teilzunehmen. Müller. „Nutzen Sie die Chance.“

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