Wer ist wann da? Die Organisatorin der Tischdamen, Rosemarie Sure (vorne), notiert in einem großen Plan die Einsatzzeiten.
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Wer ist wann da? Die Organisatorin der Tischdamen, Rosemarie Sure (vorne), notiert in einem großen Plan die Einsatzzeiten.

Heim-Umzug hat Arbeit erschwert

Immer da, wenn’s Essen gibt: Diese Damen unterstützen Seniorenheim-Bewohner seit 34 Jahren

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Beim Frühstück oder beim Mittagessen, wenn die Bewohner des Maria-Stadler-Hauses Hilfe brauchen, sind sie da: die Tischdamen. Seit 34 Jahren investieren sie ihre Zeit.

Haar – Butter und Marmelade aufs Frühstücksbrot schmieren, die Suppe langsam zum Mund führen, das Fleisch in mundgerechte Stückchen schneiden, all das sind die Aufgaben der Haarer Tischdamen. Sie helfen den Bewohnern des Maria-Stadler-Hauses (MSH) beim Frühstück oder Mittagessen. Die ehrenamtlichen Helferinnen sind aber noch viel mehr, sie haben ein offenes Ohr, ein herzliches Wort und vor allem Zeit. „Eine unglaublich wichtige Unterstützung für uns“ sei die Arbeit der Tischdamen, bestätigt die MSH-Leiterin Maria Lehr. „Ich kann ihnen allen gar nicht genug danken für die vielen, vielen Stunden. Für mich sind sie Mitarbeiter unseres Hauses.“

Den Service gibt es seit 34 Jahren, so lange wie das Maria-Stadler-Haus. Initiiert hat ihn Theresa Heil vom Förderverein Maria-Stadler-Haus e.V., der in den ersten Jahren das Pflege- und Seniorenheim betrieben hat. Seit dem 1. Mai 2011 ist die Trägerschaft an die Maria-Stadler-Haus gemeinnützige GmbH übergegangen, der Förderverein besteht weiter. Vor zwei Jahren zog das Haus von der Ortsmitte am Rathaus in den Neubau an der Vockestraße.

„Wo warst Du denn?“

Mit „umgezogen“ sind auch die Tischdamen, allerdings nicht problemlos. Denn die meisten sind seit vielen Jahren dabei und auch älter geworden. „Früher brauchte ich vom Jagdfeldring nur ein paar Meter gehen, nun komm ich mit dem Rad, die Unterführung unter S-Bahn mit der Steigung macht mir zu schaffen. Bei schlechtem Wetter oder im Winter nehme ich den Bus“, berichtet Edith Dörr. Sie ist 81 Jahre alt, 33 Jahre hat sie den „Fütterer-Dienst“ verrichtet, nun ist Schluss. „Es ist mir aus persönlichen Gründen einfach zuviel.“ Dennoch will sie an privaten Besuchen im Heim festhalten. „Die Menschen wachsen einem ans Herz, ich habe auch so viel zurückbekommen“, so Dörr. All’ die Jahre habe sie jeden Mittwoch beim Mittagessen geholfen. Eine Woche Urlaub habe sie sich einmal gegönnt, wurde aber gleich gefragt: „Wo warst Du denn?“

Auch Elfriede Modl (85) hat nach 25 Jahren Tischdienest ihren letzten „Arbeitstag“ absolviert. Das neue Haus sei einfach zu weit weg, und „irgendwann muss man auch mal aufhören“. Sie hat jedoch wie auch ihre Kollegin Dörr fast Tränen in den Augen. Für die Organisatorin der Tischdamen, Rosemarie Sure, geht es weiter. Große Pläne liegen vor ihr auf dem Tisch, in die sie die verfügbaren Zeiten ihrer Mitstreiterinnen einträgt. Auch so etwas, was Heimleiterin Lehr schätzt, „die Tischdamen organisieren sich selbst. Wir haben gar keine Arbeit.“

Jede Helferin kommt ein Mal die Woche für etwa eineinhalb Stunden zum Einsatz. In guten Zeiten konnte Sure auf fast 30 Tischdamen zurückgreifen, jetzt sind es 14. Neuzugänge erwünscht. „Wer mitmachen will, der soll mich anrufen“, sagt Sure. die Anforderungen? Herzlichkeit, das muss man mitbringen. Mehr nicht.“ Die Schließung des Heimes während Corona haben auch die Tischdamen herausgefordert. Erst seit Mitte Juni sind sie wieder im Einsatz, alle zweifach geimpft und mit Vollschutz. „Zum Glück geht es nun wieder los“, so Sure. Nicht alle Bewohner sind noch da, „einige sind während des Lockdowns verstorben. Einen Abschied gab es leider nicht.“

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