Ihren „zweiten Lottogewinn“ bescherte Sandra Zumpfe ihr Ehemann Matthias. Er spendete ihr eine Niere.
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Ihren „zweiten Lottogewinn“ bescherte Sandra Zumpfe ihr Ehemann Matthias. Er spendete ihr eine Niere.

Tag der Organspende

„Wir haben ein Herz für Sie!“: Diese Frau bekam zwei Spenderorgane - Das ist ihre Geschichte

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Sandra Zumpfe aus Haar bekam vor acht Jahren ihr erstes Organ transplantiert, ein neues Herz. Vier Jahre später brauchte sie eine neue Niere. Auch dafür fand sich ein Spender: ihr Ehemann.

Haar – Sandra Zumpfe feiert jedes Jahr drei Geburtstage. Ihren „normalen“ am 12. Oktober. Ihre Wiedergeburt am 5. März und einen weiteren am 2. August. Im März 2013 bekam die heute 42-Jährige ein Spenderherz transplantiert, vor knapp vier Jahren dann im August eine Niere. Ihr Leben hat sich nach den Transplantationen deutlich verbessert. Starke Einschränkungen hat sie dennoch.

Ärzte erkannten bei Zumpfe im Alter von acht Jahren eine hypertrophe Kardiomyopathie, einen unheilbaren Herzfehler. Bis sie 34 war, konnte sie mit der Krankheit leben, wenn auch sehr eingeschränkt. Mit der Zeit bekam sie aber zunehmend Herzrhythmusstörungen. „Ich hatte dauernd das Gefühl, dass mir das Herz aus der Brust springt“, erzählt sie. Zumpfe bewegte sich nur noch in ihrer Wohnung, ständig fühlte sie sich, als wäre sie einen Marathon gelaufen. Ihr Herz schlug mit Aussetzern, versorgte ihren Körper mit zu wenig Blut und Sauerstoff. Der Herzfehler führte dazu, dass ihr Herzmuskel steif wurde. Ein neues Organ musste her.

„Wir haben ein Herz für Sie!“

Sie wurde im Herzzentrum in München behandelt, dann kam sie nach ins Klinikum nach Großhadern. Ärzte untersuchten die Haarerin dort, Krankheiten wie Krebs mussten sie ausschließen. Schließlich landete Zumpfe auf einer Warteliste bei Eurotransplant, einem Verbund aus acht europäischen Ländern, der den internationalen Austausch aller Spenderorgane koordiniert.

Dann begann das große Warten. Zumpfe wurde gesagt, sie müsse immer telefonisch erreichbar sein, 24 Stunden am Tag. Ein halbes Jahr wartete sie auf den erlösenden Anruf. Bis zum 5. März 2013. Um Mitternacht meldete sich jemand bei ihr: „Wir haben ein Herz für Sie!“

Zweiter Lottogewinn folgt vier Jahre später

Jetzt ging alles ganz schnell. 20 Minuten später holte sie ein Rettungswagen ab, nach einer Stunde lag sie im OP-Saal in Großhadern. Nach der Transplantation lag sie sieben Wochen im Koma. Ihr Körper war so schwach, dass die Operation zu mehreren Komplikationen führte: Sepsis, Infektionen, Lähmungen. Und Nierenversagen. Sie musste zur Dialyse, verbrachte fünf Monate im Krankenhaus. Viereinhalb Jahre kämpfte sie sich zurück ins Leben.

Am 2. August 2017 folgte ihr „zweiter Lottogewinn“. Zumpfes Ehemann Matthias spendete ihr eine Niere. „Sie hat sehr gut zu meinem Körper gepasst“, sagt die 42-Jährige, die sich ehrenamtlich für den Bundesverband der Organtransplantierten einsetzt. Mit zwei fremden Organen im Körper führt sie jetzt zum ersten Mal ein „ganz normales“ Leben, sagt sie. Ein normales Leben für ihre Verhältnisse, sie muss Medikamente nehmen, die ihr Immunsystem unterdrücken. Denn ihr Körper sieht die neuen Organe als Fremdkörper an und bekämpft sie. Wegen des geschwächten Immunsystems ist sie besonders anfällig für Krankheiten und Viren.

„Körper von Organspendern können sieben Menschen retten.“

Seit das Coronavirus die Welt in die Krise stürzte, ist Zumpfe zu Hause. „Ich mache nicht mehr viel“, sagt sie. Keine Lebensmittelkäufe, keine Biergartenbesuche, nur einsame Spaziergänge. Dieses Leid trage jeder Transplantierte. Die operierten Patienten verbindet auch die Unwissenheit über die Herkunft der Organe. Über die Spenderin ihres neuen Herzens würde Zumpfe gerne mehr erfahren. Doch über die Spender bekommen Transplantierte aber keine Informationen. Ein Arzt habe aber angedeutet, dass ihr Herz von einer Frau stamme, sagt sie. Die Anonymität bei Organspenden ist für Zumpfe dennoch sinnvoll: „Man kommt sonst schnell in ein Fahrwasser: Du hast mir ein Organ gespendet, jetzt stehe ich in deiner Schuld“.

Würde sie die Spenderfamilie treffen, würde sie ihr sagen, dass die Transplantation ein großes Wunder für sie war. Zumpfe ist der Spenderin unendlich dankbar. „Körper von Organspendern können sieben Menschen retten.“ 9000 Menschen würden derzeit auf der Liste für eine Organspende stehen. Die Gefahr bleibt auch bei ihr, irgendwann dort wieder mit ihrem Namen aufzutauchen. Ihr Herz könne vom Körper abgestoßen werden, und die Tabletten, die sie nehmen muss, können andere Organe kaputt machen. Auch aus Eigeninteresse steht Zumpfe hinter dem Motto ihres Verbands: „Warum Organe auf Wolken betten? Auf Erden können Sie Leben retten!“

Tag der Organspende: Am Samstag, 5. Juni, ist der Tag der Organspende. Wer sich informieren will, kann das auf der Aktionswebseite oder unter Tel. 0800 / 904 04 00.

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