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Die Haarer achten auf den Stromverbrauch.

Gutachten

Energie: Haarer sparsamer als der Durchschnittsdeutsche

  • Bert Brosch
    vonBert Brosch
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Ein Gutachten zeigt: Die Gemeinde Haar verzeichnet einen Rückgang bei Stromverbrauch und CO2-Ausstoß. Aber: „Bei PV-Anlagen müssen wir massiv tätig werden.“

Haar – Alle zwei Jahre präsentiert Uwe Dankert vom Unternehmen „udEEE Consulting GmbH“ einen Bericht über die Haarer Energie- und CO2-Bilanz der vergangenen beiden Jahre. Coronabedingt gab es vor allem 2020 ein Rückgang beim Energieverbrauch sowie Kohlendioxidausstoß. Bei der Wärmedämmung und dem Verbrauch in kommunalen Häusern hat die Kommune allerdings noch einiges vor sich.

Trotz steigender Bevölkerungszahl verbrauchen die Haarer laut Dankert jedes Jahr weniger Energie. Seit 2011 wuchs die Bevölkerung um gut 2000 Haarer auf rund 21 500, im gleichen Zeitraum sank der Energieverbrauch von 428 auf 421 Gigawattstunden (GWh). 2020 war es bedingt durch die Pandemie 1,2 Prozent weniger als 2018. „Eine gesunkene Anzahl von Fahrten zum Büro, weniger geheizte Büros mit Licht reduzierte die Energiemenge, gleichzeitig erhöhte sich durch das Homeoffice der private Verbrauch“, resümierte Dankert.

„Überraschender“ Anstieg beim Stromverbrauch der Straßenlaternen

Dieser Verbrauch teilte sich auf in 42 Prozent Verkehr, 37 Prozent private Haushalte, 19 Prozent Gewerbe und drei Prozent Kommune. Bei der Endenergie war die Verteilung 43 Prozent Wärme, 41 Prozent Kraftstoff und 16 Prozent Strom. „Die Haarer sind damit energiesparsamer als der Bundesdurchschnitt“, merkte Dankert an. Jeder Einwohner emittierte umgerechnet 5,2 Tonnen CO2 im Jahr, die Bundesbürger hingegen 7,9 Tonnen.

Schlecht schneidet Haar allerdings ab bei der Anzahl der Photovoltaik-Anlagen auf den Hausdächern zur Stromerzeugung. In Deutschland liege der Wert der lokalen Stromerzeugung bei 9,3 Prozent, in Haar schaffen die 244 registrierten PV-Anlagen nur 3,1 GWh oder 5,4 Prozent Anteil. „Etwas überraschend war der Anstieg des Stromverbrauchs für die Straßenbeleuchtung“, sagte Dankert. Und das, „obwohl schon viele Lampen auf LED umgerüstet wurden und 2021 weitere 700 der insgesamt 3000 Laternen umgebaut werden“. Dies hänge damit zusammen, dass zahlreiche Lampen früher zum Gewerbe gerechnet wurden, seit 2019 aber zur Stromversorgung Haar (SVH) gehören.

„Hier hat die Kommune noch einiges vor sich.“

Dankert wagte einen Blick in die Zukunft. Wenn der aktuelle Trend zu Elektro-Autos so weitergehe, gebe es in Haar im Jahr 2030 rund 42 Prozent E-Autos, aber noch immer 58 Prozent Verbrenner, denn jeder Deutsche fahre sein Auto acht bis neun Jahre lang. „Die CO2-Emission sinkt dann zwar um 40 Prozent gegenüber heute, aber wir brauchen für die Batterien 13,4 GWh an Strom, weit über die Hälfte davon wäre heute nicht vorhanden“, so Dankert. Gleiches gelte für die bis 2030 stark zunehmenden Wärmepumpen bei den primären Heizsystemen, die durch das Verbot von fossilen Heizungsanlagen einen Anteil von 25 Prozent haben werden, heute sind es 6,8 Prozent. „Doch die Wärmepumpen brauchen rund 3 GWh an Strom, auch den haben wir in Haar nicht“, sagte Dankert.

Bei den kommunalen Gebäuden gebe es bei der Wärmedämmung einige Fortschritte, doch speziell die Häuser in der Freibad-, Mozart-, Vaterstettener- und Katherina-Eberhard-Straße 11 bis 13 weisen demnach noch „sehr schlechte Werte“ auf, unter anderem durch alte Gaskessel. Dankert: „Hier hat die Kommune noch einiges vor sich.“

Ulrike Olbrich (Grüne) dankte Dankert für den fundierten Vortrag: „Ich bin allerdings entsetzt über unsere schlechten Werte bei den PV-Anlagen, hier müssen wir massiv tätig werden.“ Dies sah auch Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) so, „dies sind wie auch die Senkung des Energieverbrauchs bei den kommunalen Gebäuden ein wichtiger Punkt für unsere anstehenden Haushaltsbesprechungen.“

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