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Im Wandel: Das Eckhaus an der Leibstraße wird komplett saniert. Auf die Ladeninhaber wartet im Anschluss wohl eine Mieterhöhung.

Das Gebäude muss renoviert werden

Erst Sanierung, dann Mieterhöhung? Geschäftsleute bangen um ihre Zukunft

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Das Gebäude an der Ecke Leibstraße und Bahnhofsplatz in Haar muss dringend saniert werden. Das wissen auch die Geschäftsleute. Trotzdem schauen sie bangen Blickes in die Zukunft.

Haar – Der Abriss der Bahnhofsapotheke in Haar im Frühjahr 2020 ist beschlossen, sie muss 14 Wohnungen weichen. Nun droht dem Haarer Geschäftszentrum weiterer Aderlass: Das Eckhaus am Kreisel zwischen Bahnhofplatz und Leibstraße, gebaut 1974, wird renoviert. Den Geschäften im Erdgeschoss – Reisebüro, Buchhandlung und Optiker – wurde vom Besitzer, der Munich Residential GmbH, gekündigt und offenbar eine deutliche Mieterhöhung für danach in Aussicht gestellt, berichten die Geschäftsleute. Ob sie weitermachen, können sie nicht sagen.

„Unser Haus ist eine Bruchbude, da muss dringend etwas getan werden“, sagt die Besitzerin des TUI-Reisebüros, Silvia Hüttenberger. Sie berichtet von regelmäßigen Stromausfällen, einem „Sicherungskasten aus dem 18. Jahrhundert“, immer wieder stünde Wasser in den Geschäftsräumen, die Fensterscheiben seien nicht isoliert, „im Winter frieren wir und im Sommer ist es unerträglich heiß. Hinzu kommt eine Ur-Uralttoilette.“ Sie sei sehr froh, „dass da jetzt endlich etwas passiert, nachdem das Haus viele Jahre nur von Investor zu Investor hin- und hergeschoben wurde. Dass es danach eine Mieterhöhung geben werde in einem schön sanierten Haus, das verstehe sie schon. „Doch was uns jetzt angekündigt wurde, das übersteigt doch die ortsüblichen Preise deutlich. Ob ich da weitermachen kann, trotz der hervorragenden Lage, das weiß ich noch nicht.“

„Ich bin schockiert über die Entwicklung in Haar“

Ähnlich äußert sich Rudolf Forster, er betreibt die Buchhandlung „Lesezeichen“ gemeinsam mit seiner Partnerin Monika Egelhaaf seit 19 Jahren. Ihm wurde für die Renovierung gekündigt, in etwa einem Jahr muss er ausziehen, als Übergangslösung wird darüber nachgedacht, einen Verkaufscontainer für auf den Parkplatz vor die Läden zu stellen. „Ich bin schockiert über die Entwicklung in Haar, habe aber Verständnis dafür, dass unser Haus renoviert werden muss. Meine eigene berufliche Zukunft sehe ich völlig im Ungewissen, weil die höheren Mieten danach noch nicht endgültig feststehen“, sagt Foster.

„Glück“ hat Daniel Drees, er betreibt das Radl-Geschäft „ebike-klinik“. Als er in seine Geschäftsräume einzog, war dieser Teil des Hauses bereits saniert. „Ich muss daher auch nicht raus wegen der Sanierung und bin nicht von Mieterhöhungen betroffen.“

Droht dem Optiker das Aus nach 45 Jahren?

Anders sieht das für Optiker Horst Obermeier von „Augenoptik Heckert“ aus. Sein Laden teilt sich das Schicksal mit Reisebüro und Buchhandlung. „Ich bin seit zwölf Jahren im Laden und sehr gerne hier“, sagt er. Das Geschäft gibt es sogar schon seit 1974 besteht, hat viele treue Kunden. Der Mietvertrag läuft Ende 2019 aus, dann muss Ober meier raus. Ihm wurde angeboten in einen Container vor dem Haus zu ziehen. „Jetzt redet man von zwei Monaten, aber wer weiß, wie lange die Sanierung wirklich dauert. Ich habe daher noch keine Ahnung, ob ich hier weitermache, woanders in Haar etwas suche oder ganz weggehe. Ich muss das kurzfristig entscheiden.“

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Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) hatte die Sanierungspläne beim Sommergespräch mit der Presse angesprochen. Demnach wollte der Inhaber Residential Munich zunächst den Innenhof des Gebäudes nachverdichten, scheiterte aber mit dem Bauantrag im Gemeinderat. „Jetzt sanieren sie eben, dazu brauchen sie keinen Bauantrag“, sagte Müller.

Immobilienfirma bietet Geschäftsleuten Kompromiss an

Neben den Geschäften im Erdgeschoss ist das Gebäude, das sich über drei Hausnummern zieht, auf bis zu vier Etagen von privaten Mietern bewohnt. „Zum Glück haben die alle langfristige Mietverträge, aber irgendwann laufen die auch aus. Wir als Gemeinde tun alles, was möglich ist, um die Läden und die Wohnungen für die jetzigen Mieter in diesem so zentralen Haus zu erhalten“, versprach Müller. Aus ihrer Sicht sei die Boden- und Immobilienspekulation das „größte Übel für Mieter, kleine Läden und die Gemeinde“.

Die Munich Residential GmbH bestätigt den schlechten baulichen Zustand ihres Hauses, das dringend saniert werden müsse. Dies sei aber nur möglich, wenn währendessen die Läden geschlossen sind. „Wir stellen gerne auf unsere Kosten einen Schaufenstercontainer zur Verfügung und würden uns freuen, wenn die Miete auch künftig am Standort bleiben“, teilt Andrea Rau von Munich Residential auf Anfrage des Münchener Merkurmit. Zur befürchteten Mieterhöhung äußerte sie sich nicht.

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