1. Startseite
  2. Lokales
  3. München Landkreis
  4. Haar

Der Haarer Häusl-Streit: Schwarzbau der Maibaumfreunde nachträglich genehmigt

Erstellt:

Von: Günter Hiel

Kommentare

Corpus Delicti: Der Bauausschuss hat das Gartenhaus letztlich doch nachträglich genehmigt.
Corpus Delicti: Der Bauausschuss hat das Gartenhaus letztlich doch nachträglich genehmigt. © Dieter Michalek

Das Gartenhäusl der Maibaumfreunde Haar geriet im Bauausschuss nun in die Mühlen des Parteiengezänks. Wobei sich im Laufe der Debatte zeigte: Um die Hütte geht es gar nicht.

Haar – Rechtfertigt eine heilige Kuh einen Schwarzbau und darf sich ein kleiner Verein exklusiv auf 2243 Quadratmetern ausbreiten und auch noch den Zugang zum WC verweigern? Das Gartenhäusl der Maibaumfreunde Haar, exakt 3,02 Meter auf 2,98 Meter groß und 2,20 Meter hoch bei einer Dachneigung von drei Grad, ist im Bauausschuss in die Mühlen des Parteiengezänks geraten.

Die heilige Kuh, das ist in Bayern der Maibaum, und Peter Paul Gantzer (SPD), 40 Jahre lang Landtagsabgeordneter, weiß das wohl. Ein Schwarzbau bleibt das Gartenhäusl der Maibaumfreunde Haar an der Gronsdorfer Straße für ihn und die SPD-Fraktion dennoch, und eine nachträgliche Genehmigung deshalb kein Pipifax. Wobei sich im Laufe der Debatte zeigte: Um die Hütte geht es gar nicht. „Das Häusl sollen sie haben“, sagte Gantzer.

Der Haarer Häusl-Streit: Schwarzbau der Maibaumfreunde nachträglich genehmigt

Er und sein Fraktionskollege Peter Schießl fragen sich, ob ein kleiner Verein, der hauptsächlich aktiv ist, wenn ein neuer Maibaum aufgestellt wird, also alle fünf Jahre, so ein großes Gelände allein nutzen dürfe. Alle Vereine hätten die Pflicht, ihre Einrichtungen zu teilen. Die Maibaumfreunde aber hätten einen – genehmigten – Zaun um das Areal gezogen und auch noch eine Videoüberwachung – wenn auch eine Attrappe – installiert, kritisierte Peter Schießl. Um Gleichbehandlung geht es der SPD.

Wobei sich um das Gelände samt Lagerhalle keiner gerissen hat. „Da hat es ausgeschaut, dass es der Sau graust“, erinnerte Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU). Das Grundstück verwildert, die Halle nach einem Wasserschaden eine Bauruine. Der Burschenverein Haar und die Dirndlschaft „D’wuidn Goaßn“ hätten dankend abgewinkt.

Maibaumfreunde steckten viel Arbeit, Zeit und Geld in das verwilderte Grundstück

Dann hat Bürgermeisterin Gabriele Müller – SPD, wohlgemerkt – 2019 das Gelände den Maibaumfreunden angeboten, und die haben eingeschlagen und alles „sauber hergerichtet“, sagt Hans Stießberger, eine Art Baumeister des Vereins. Er saß früher selbst für die CSU im Gemeinderat. Viel Arbeit, Zeit und auch einiges an Geld haben die Maibaumfreunde – „alles Handwerker“, sagt Stießberger – reingesteckt.

Alles nur Show: Die Kameras sind nur Attrappen, ein Schild soll etwaige (Maibaum)-Diebe dennoch abschrecken.
Alles nur Show: Die Kameras sind nur Attrappen, ein Schild soll etwaige (Maibaum)-Diebe dennoch abschrecken. © Dieter Michalek

„Gabriele Müller hat alles richtig gemacht“, lobte Bürgermeister Bukowski seine Vorgängerin. Schon komisch, dass seine CSU die ehemalige SPD-Bürgermeisterin gegen Kritik der SPD, namentlich von Peter Schießl, verteidigen müsse, amüsierte sich Fraktionschef Dietrich Keymer. Wobei man, um die Gaudi in Reihen der CSU richtig würdigen zu können, wissen muss, dass Gabriele Müller und Peter Schießl verheiratet sind.

Hans Stießberger glaubt ja, dass das Grundstück, das vorher keinen interessiert hat, jetzt attraktiv wird, da sie, die Maibaumfreunde, was draus gemacht hätten und alles in Schuss halten, inklusive dem Parkplatz am Gelände. Jedes Vereinsmitglied, auch fördernde Mitglieder, könnte nach Hinterlegung einer Kaution auf dem Gelände feiern – und neue Mitglieder seien den Maibaumfreunden immer willkommen.

Kein WC für Helfer der Park-WIldnis: Maibaumfreunde verbieten Nachbarn Toiletten-Nutzung

Gleich nebenan bauen Naturbegeisterte an der Park-Wildnis Haar. Jeder kann mitmachen und auf einer verwilderten Fläche einen naturnahen Erlebnisraum für alle Generationen gestalten. Diese „Wildnis“ und das doch eher akkurat gestaltete und aufgeschotterte Areal der Maibaumfreunde stehen optisch in einem gewissen Gegensatz. Eine der Wildnis-Initiatorinnen ist Dritte Bürgermeisterin Katharina Dworzak (SPD).

(Unser Landkreis-München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)

Aber weder die möglicherweise unterschiedlichen Vorstellungen von gestalteter Natur noch parteipolitische Vorbehalte haben eine Rolle dabei gespielt, dass Helferinnen und Helfer beim Arbeitseinsatz in der Parkwildnis nicht bei den Maibaumfreunden auf die Toilette haben gehen dürfen. Eine entsprechende Anfrage habe man, leider, ablehnen müssen, sagt Hans Stießberger, weil kein Maibaumfreund ständig auf dem Gelände war. Zum Glück habe es ja mittlerweile eine Toiletten-Lösung mit der Arbeiterwohlfahrt gegeben.

Schwarzbau in Haar: Gartenhäusl nachträglich genehmigt – „Schwamm drüber“

Das Gartenhäusl hat der Bauausschuss dann doch genehmigt, mit 13:5, gegen die Stimmen der SPD. Wegen parteipolitischer Gräben solle man das doch nicht verzögern, sagte Peter Siemsen (FDP). Im Lauf der Häusl-Debatte hatte schon Grünen-Fraktionschef Ulrich Leiner, von Beruf Forschungskoordinator bei der Fraunhofer Gesellschaft, vorsichtig angemerkt, ob es denn sein könne, dass er „die Tiefe des Problems nicht ganz durchdringe“.

Dietrich Keymer empfahl grundsätzlich, dass Vereine Probleme untereinander lösen beziehungsweise Kooperationen absprechen sollten. Das müsse doch nicht im Gemeinderat und seinen Ausschüssen passieren. Und die SPD hat erreicht, dass Einsicht genommen wird in die Nutzungsvereinbarung zwischen der Gemeinde und den Maibaumfreunden. „Volle Transparenz“ sicherte Bürgermeister Bukowski zu. Das Schlusswort zum Haarer Häusl-Streit gebührt Maibaumfreund Hans Stießberger: „Schwamm drüber“, sagte er dem Münchner Merkur.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis München finden Sie auf Merkur.de/Landkreis München.

Auch interessant

Kommentare