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Alles unter einem Dach: Im Isar-Amper-Klinikum findet die Therapie von Suchtkranken künftig in einem Kompetenzzentrum statt in vereinzelten Häusern statt.

Kompetenzzentrum will Betroffenen helfen

Haar hat eine neue Suchtklinik

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Das Isar-Amper-Klinikum Haar baut ein neues Suchtkompetenzzentrum auf. Menschen, die sich ihrer Sucht stellen wollen, finden im Haus 9 breite Unterstützung und Hilfe. Neuer Leiter der Suchtklinik ist seit Oktober Professor Ulrich Zimmermann.

Haar Alkohol, Nikotin, Cannabis, Medikamente, Heroin, Christal Meth, Spice oder die in München verbreiteten Badesalze. Egal ob legal oder illegal – der Konsum macht abhängig und todkrank. Ulrich Zimmermann hat die Wirkung von Drogen zehn Jahre am Uniklinikum Dresden wissenschaftlich untersucht. Als Leiter der neuen Klinik für Suchtmedizin und Psychotherapie auf dem kbo-Gelände in Haar will er nun sein Wissen zum Wohl der Patienten anwenden.

„Süchte sind ernste Erkrankungen“, das ist für Zimmermann und sein Team der erste Grundsatz im Umgang mit den Menschen, die zu ihnen kommen. Der Psychiater und Psychotherapeut setzt neben dem medikamentösen Entzug auf Psychotherapie und auf eine motivierende Gesprächsführung nach dem Motto: „Mich würde jetzt mal interessieren, wie Ihnen das passieren konnte.“

Abwertung und Vorwürfe, wie sie im Umgang mit Suchtkranken leider noch weit verbreitet seien, stellen eher ein Therapiehindernis dar. „Wie sehr Suchtkranke immer noch diskriminiert werden, da muss man sich schämen“, sagt Zimmermann.

90 000 Menschen sterben in Deutschland pro Jahr an den Folgen des Rauchens, 60 000 Drogentote gibt es aufgrund von Alkohol, verglichen damit erscheint die Zahl von 4500 Verkehrstoten vergleichsweise gering. Allerdings finden nur 3,7 Prozent der Abhängigen den Weg in eine Suchtklinik. Auch das wollen Ulrich Zimmermann und Lena Heyelmann, die seit Juli Pflegedienstleiterin der Suchtklinik ist, ändern, indem sie für ihre Therapieangebote werben.

Neuer Leiter der Suchtklinik ist Professor Ulrich Zimmermann, Lena Heyelmann ist Pflegedienstleiterin.

Neben dem körperlichen Entzug nimmt das Team die möglicherweise gleichzeitig bestehenden psychischen Erkrankungen in den Blick. „Wenn ein Patient aufgrund von Angstträumen nicht mehr schlafen kann und das einzige, was die Ängste dämpft, Alkohol ist, erschwert das die Abstinenz“, erklärt Zimmermann. Psychotherapie sei dann bei der Behandlung unabdingbar. Der 55-Jährige weiß: „Nur auf den körperlichen Entzug zu setzen, ist sinnlos, das zeigt eine Rückfallquote von 90 Prozent.“

Gemeinsam mit dem Patienten suchen Ärzte, Therapeuten, Pfleger und Sozialarbeiter Schritt für Schritt nach Auswegen aus dem Teufelskreis der Sucht. 106 Betten stehen auf fünf Stationen für Patienten bereit. Heyelmann erklärt: „Der Patient lernt, wieder morgens aufzustehen, für sich zu sorgen und seinen Tag zu strukturieren.“

Wer von der Sucht loskommen will, muss nicht warten, bis ihn die Polizei einweist oder Angehörige die Reißleine ziehen. „Man muss nicht erst ein Notfall werden“, sagt Heyelmann, „man kann seine Therapie auch mit uns planen oder klären, ob tatsächlich eine Sucht besteht.“ Oft kämen Patienten ohne Bewusstsein für ihre Abhängigkeit. Gemeinsam wird ein Plan entwickelt: Was will der Patient erreichen, was kann das Klinikteam dazu beitragen.

Dass ein Suchtexperte wie Zimmermann als Chefarzt ins kbo-Klinikum kommt, markiert einen Neuanfang: Nach dem Weggang von Professor Felix Tretter, der die Suchtabteilung viele Jahre bis August 2014 leitete, wurden die einzelnen Stationen an verschiedene andere Häuser angegliedert. Das hat sich offenbar nicht bewährt. Mit dem Aufbau des Kompetenzzentrums räumt der Bezirk Oberbayern der Behandlung von stofflichen Süchten wieder einen größeren Stellenwert ein. Ergänzt wird die stationäre Therapie durch ambulante Angebote zur Entwöhnung und Nachsorge. „So können Patienten weiter berufstätig sein und ihre Bindungen im Alltag aufrechterhalten“, sagt Heyelmann. Allein in der Suchtambulanz in Haar wurden von Januar bis September 2018 schon 917 Patienten behandelt.

Kontakt:

Wer sich über die Angebote der Suchtambulanz informieren möchte, bekommt Informationen unter Tel. 089/ 4562- 3295.

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