Kardinal Reinhard Marx auf seinem Weg in die Kirche St. Konrad Haar. 
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 Kardinal Reinhard Marx auf seinem Weg in die Kirche St. Konrad Haar. 

Altarweihe in Haar

Kardinal Marx: Erster offizieller Termin nach Rücktrittsangebot

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
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Eine Altarweihe ist für jede Kirche etwas Besonderes. Am Sonntag war es in der St. Konrad Kirche in Haar soweit. Zudem feierte Pfarrer Semel 25. Priesterjubiläum. Die Aufmerksamkeit der Kirchgänger galt jedoch Kardinal Reinhard Marx, der den Gottesdienst hielt. Sein erster offizieller Termin nach dem Rücktrittsangebot.

Haar – Sonntag, 16 Uhr. Die Glocken der St. Konrad Kirche in Haar läuten im Sekundentakt. Unter dem Kirchturm am Eingang des Pfarrsaals steht ein halbes Dutzend Ministranten im Messgewand. Einer von ihnen hält ein großes goldenes Kreuz in die Höhe. Langsam setzt sich der Zug Richtung Kircheneingang in Bewegung. Auf dem gepflasterten Vorplatz wird es still – die Gespräche verstummen. Rund 30 Augenpaare verfolgen die Gruppe. Sie warten alle auf das eine: Endlich den Mann mit der Mitra auf dem Kopf zu sehen. Kadinal Reinhard Marx ist für das Priesterjubiläum seines langjährigen Bekannten Pfarrer Kilian-Thomas Semel und die Weihe des neuen Altars nach Haar gekommen. Sein erster Auftritt im Kardinalsgewand nach seinem Rücktrittsangebot.

Kardinal Reinhard Marx erster öffentlicher Auftritt nach Rücktrittsangebots

Am Freitag wurde bekannt, dass der Erzbischof von München und Freising Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten hat. Er wolle unter anderem Verantwortung für persönliche und institutionelle Fehler übernehmen – im Zusammenhang mit der „Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten“.

Der Pfarrer der St. Konrad Kirche, Kilian-Thomas Semel, respektiert die Entscheidung des Kardinals. „Das wird ihm sicher nicht leicht gefallen sein, sein Handeln wird große Folgen für die katholische Kirche in Deutschland haben.“ Laut Semel müssten aber auch andere große Bischofssitze Verantwortung übernehmen.

Altarweihe und Priesterjubiläum in Haar

Marx selbst klammerte seinen Brief an den Papst nahezu aus. Während seiner Predigt sagte er jedoch: „Ich bin nicht amtsmüde. Ich werde meinen Dienst für die Kirche voll Freude ausüben, wo auch immer das sein wird.“

Vor der Kirche lauschten rund 20 Gläubige auf Holz- und Klappstühlen durch Lautsprecher der Stimme des Kardinals. Die auf 90 Sitzplätze begrenzten Kirchenbänke waren für geladene Gäste aus den Pfarreien St. Konrad, St. Bonifatius und St. Martinus sowie für Freunde und Bekannte des Pfarrers.

Semel feierte gestern sein 25. Priesterjubiläum,. Kardinal Marx kennt er schon viele Jahre. „Ich habe ihn vor einiger Zeit gefragt, ob er nicht den Gottesdienst halten möchte.“ Dass neben der Jubiläumsfeier auch der neue Altar der Kirche eingeweiht wird, war anfangs nicht geplant. In rund vier Monaten wurde das 50 Jahre alte Provisorium abgebaut und durch einen neuen Altarraum ersetzt. Der Bildhauer Robert Weber, gebürtig in Haar, hat die Gestaltung übernommen. Die Kinderbänke wurden entfernt und als Hocker umgewandelt. Pfarrer Semel ist zufrieden: „Mir gefällt besonders die Schlichtheit und Moderne.“ lf

Sandra Zumpfe aus Haar bekam vor acht Jahren ihr erstes Organ transplantiert, ein neues Herz. Vier Jahre später brauchte sie eine neue Niere. Auch dafür fand sich ein Spender: ihr Ehemann.

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